Wo soll ich da nur anfangen ...
Poschardt richtet sich mit dem Buch in erster Linie gegen den aktuellen linken Zeitgeist, gewohnt polemisch natürlich. Schon im Einband findet sich der Spruch "Mach kaputt, was dich kaputt macht!" aufgedruckt, ein Spruch der 70er Jahre Punkbewegung, welchen Poschardt jetzt bewusst gegen die Linken nutzt, weil sie ja die Wirtschaft und unser Denken kaputt machen würden! Auf ähnlichem Niveau ist ungefähr der Rest des Buches, Poschardt lässt sich halt (wenig konstruktiv) über die Linken heutzutage aus. Das Shitbürgertum steht hierbei stellvertretend für jenen linken Zeitgeist, der seiner Meinung nach die Gesellschaft kaputt macht. "Shitbürger" sind dabei Menschen, die in ihrer eigenen Moral total überhöht sind und sich als die moralisch richtige Instanz erkennen, das aber selbst nicht konsequent umsetzen können. Wasser predigen, Wein trinken Situation also quasi. Womit schon ein grundsätzlicher Denkfehler bei Poschardt liegt, denn nach dieser Definition ist praktisch jeder Mensch ein Shitbürger, weil das nun mal ein Grund-Mechanismus ist, welchen praktisch jeder Mensch irgendwie hat. Und dann polemisiert Poschardt sich eben durch ganz viele Themengebiete, denen er auch immer schön lustige Überschriften gibt, mein Favorit wird wohl immer die "Lauchbourgeoisie" bleiben, welche quasi reiche Leute bezeichnet, die sich dem aktuellen linken Zeitgeist anpassen. Bestes Beispiel für so jemanden, den Poschardt hier meint, ist wahrscheinlich Billie Eilish. Sich selbst zählt er natürlich nicht dazu, auch wenn er meiner Meinung nach von allen Leuten sicherlich der größte Lauch ist, aber er positioniert sich im Buch ohnehin oft genug als Opfer der pösen pösen Linken, mit der Begründung, dass er früher selbst mal links war, und jetzt aber "aufgewacht" sei, und deswegen ihn alle Welt hassen würde (kann ja gar nicht sein, dass man vielleicht selbst schuld daran ist!). Dafür braucht er auch schon zwei Vorwörter, richtig gehört, das Buch hat zwei Vorwörter, ein "Vor-Vorwort" und ein "Vorwort", welche inhaltlich praktisch das gleiche aussagen. Poschardt hält sich nun mal in allen, was er macht, für unglaublich intelligent, da ist er aber auch der einzige, der das so sieht. Kann aber generell jetzt nichts wirklich positives zum Buch sagen, bis dass Poschardt zumindest Grundwissen über diverse Thematiken in Verknüpfung von Politik und Popkultur verfügt, immerhin wusste er, dass Captain America als Gegenentwurf zum Hyper - Menschenbild der Nazis entstand, und es war an sich zumindest nicht langweilig geschrieben, darüber hinaus polemisiert Poschardt teilweise ganze Problematiken nur auf Linke, zum Beispiel richtet sich Poschardt gegen linken Antisemitismus, aber nicht gegen Antisemitismus generell. Es geht Poschardt eben mit seiner Polemik nur darum, die Gegenseite irgendwie zu verletzen, weil seine moralische und intellektuelle Ansicht natürlich die einzig richtige ist, was ihm zu genau dem Shitbürger macht, den er eigentlich kritisiert. Was ein Zirkelschluss für diesen Text. Gebe dem Buch gut gemeinte 2 von 10 Punkte, und damit ist das die schlechteste wirtschaftlich - politische Lektüre, die ich je gelesen habe.









