Meerjungfrau, Königreiche, bissl Abenteuer und kleine unnötige Lernschleifen
Manchmal braucht es einfach Geschichten, die süß sind. Nicht weltzerstörend, nicht brutal, nicht „jeder zweite Charakter verarbeitet gerade sieben Traumata“, sondern einfach: Magie, Abenteuer, Liebe und Meerjungfrauen. Und genau das bekommt man hier. Die Geschichte rund um eine Meerjungfrau und eine halbe Meerjungfrau mit unterschiedlichen magischen Fähigkeiten hat mir wirklich gut gefallen. Dazu kommen Unterwasserwelten, versunkene Inseln, verschiedene Monde und Sonnen, Flucht, Freundschaft und natürlich Liebe. Das alles hatte stellenweise fast etwas Märchenhaftes und fühlte sich angenehm leicht an. Gerade die Atmosphäre mochte ich wirklich gern. Auch positiv: Das Buch bleibt eher soft und romantisch. Kein unnötiges Spice-Gewitter, keine fünf Seiten Körperbeschreibung bei jedem Blickkontakt. Dafür emotionale Nähe, Zuneigung und eine sehr warme Grundstimmung. Gerade für jüngere Fantasy-Leser oder Menschen, die einfach mal etwas Sanfteres lesen möchten, funktioniert das echt gut. ABER. Natürlich gibt es ein Aber. Menschen können heutzutage offenbar keine Fantasywelt mehr bauen, ohne nebenbei noch einen kompletten gesellschaftspolitischen Debattenabend einzubauen. Das Buch wollte stellenweise einfach zu viel gleichzeitig sein. Neben Fantasy, Abenteuer und Liebesgeschichte wurden plötzlich noch Themen wie Monarchie vs. Demokratie, politische Mitbestimmung, Identitätsfragen und diverse Repräsentationsmarker mit reingepackt. Und manches davon wirkte leider nicht organisch, sondern eher wie: „Wartet, wir müssen HIER noch schnell ein Thema unterbringen.“ Gerade gegen Ende zog sich das für mich unnötig. Ich brauche in einer süßen Unterwasser-Fantasy keinen halben Verwaltungskurs darüber, wie man ein Reich demokratisch umstrukturiert. Die Welt war spannend genug, die Figuren sympathisch genug und die Grundgeschichte stark genug. Man hätte dem Ganzen mehr vertraut und dafür ein paar dieser zusätzlichen Diskurse weggelassen. Auch manche Figurenkonstellationen beziehungsweise Identitätsdarstellungen wirkten eher verwirrend als bereichernd, weil es nicht immer klar oder konsistent transportiert wurde. Das nahm manchmal eher Fokus von der eigentlichen Geschichte weg, statt ihr etwas hinzuzufügen. Trotzdem: Insgesamt mochte ich das Buch wirklich gern. Es ist ein schöner Einzelband für zwischendurch, atmosphärisch, romantisch und stellenweise einfach sehr herzlich. Kein neues Meisterwerk der Fantasyliteratur, aber ein Buch, das einen durchaus mit einem warmen Gefühl zurücklässt. Und manchmal reicht genau das völlig aus.







