Ein großartiges Buch, total mitreißend geschrieben und lange nicht so bedrückend, wie es sein könnte.
"... und fragte mich, was für ein Leben wir alle wohl geführt hätten, wenn Papa damals hier gewesen wäre, wenn ich besser auf Vanessa aufgepasst hätte, wenn Pascal besser aus Vanessa aufgepasst hätte, wenn Vanessa und ich besser auf unsere Mutter aufgepasst hätten, wenn Steffi nicht abgehauen wäre und Vanessa sich nicht kurze Zeit später an die Seebener Mauer gesetzt hätte. Was wäre dann passiert?" Vanessa 14 Jahre alt schnappt sich den geklauten Citroën, den ihr Bruder Marcel geklaut hat und fährt mit 190 Sachen gegen eine Mauer. Marcel fragt sich was hätte er, was hätten alle ändern können. Aber wie kam es überhaupt so weit. Es ist Anfang der 2000ner, irgendwo in der Altmark. Marcel verlässt in der 9. die Schule, ist unsterblich in Steffi verliebt, sein Vater hat ein Berg von Schulden und sitz im Knast, nachdem er mit Hehlerware erwischt wurde, die Mutter trinkt und raucht, die ehemaligen Schulkameraden verlassen alle die Pampa und sein bester Freund Pascal ist genau so hilflos und planlos. Aber das Leben geht weiter, es muss weiter gehen. Alle werden sie erwachsen. 20 Jahre später hat sich nicht viel getan, außer das Marcels große Liebe zurück ist und er vielleicht Vater geworden ist. Ein Buch was ich lange vor mich hin geschoben habe, immer wieder lesen wollte und es endlich gemacht habe. Und es war genau die richtige Zeit und genau das richtige Buch. Danke Domenico für diesen mitreißend, lebensnahen, ehrlichen, wunderschönen Roman.
Schöne Reise
Eine schöne Reise in die ostdeutsche Provinz. Irgendwo zwischen Hoffnungslosigkeit, Langeweile und nazis. Mit tollen und vor allem interessanten Figuren. Die Geschichte ist jetzt nicht sonderlich kreativ oder innovativ, aber sie lies einen gut eintauchen und mitfühlen.
Sehr empfehlenswerter Roman, der eindrücklich ostdeutsche Provinzen unter die Lupe nimmt. Fehlende Perspektiven werden ebenso wie der Rechtsruck thematisiert und trotz der Schwere mancher Themen bleibt es eine durchgehend humorvolle Lektüre.
Das beste Buch, das ich seit langem gelesen habe. Voller Schmerz und Verzweiflung, aber ohne die übliche Verklärung, stattdessen authentisch und am Ende fast versöhnlich.
Wirklich gutes Buch, insbesondere wenn man selber aus der Altmark kommt. Eine wirklich sehr authentische Darstellung der Altmark und der Altmärker. Liebe es ganz dolle.
„Meine Art, gegen meine Eltern, insbesondere gegen meinen Vater, zu protestieren, war es, nicht wie ein Nazi rumzurennen." Als ich vor einiger Zeit das Debüt von Müllensiefen „Aus unseren Feuern" las, hatte ich nichts erwartet und das Buch hat mich im positivsten Sinne umgehauen. Davon ausgehend waren die Erwartungen an das Folgewerk sehr hoch und sie wurden nicht enttäuscht. Es war mir ein Fest in die Geschichte von Marcel, Pascal, Steffi und Vanessa sowie ihrer Eltern einzutauchen. Müllensiefen versteht es so gut, dieses Gefühl, von der Welt abgehängt worden zu sein, in Worte zu fassen. Man fiebert und leidet einfach mit. So gern ich dieses Buch mochte: Für's nächste Buch würde ich mir vielleicht ein anderes Thema, ein anderes Setting wünschen. Diese wunderbare Erzählweise, die einen direkt mitten ins Geschehen zieht, kann meiner Meinung nach ebenso wunderbar genutzt werden, um auch mal andere Geschichten zu erzählen. Aber das ist nur ein klitzekleinerer Wunsch meinerseits, der mit dem Lesevergnügen nichts zu tun hat.
Richtig Rasendes Buch, über einen jungen Mann der in einen kleinen Ort im Osten geblieben ist, während fast alle weggegangen sind.
Den Titel des Buches darf man ruhig wörtlich nehmen, denn Domenico Müllensiefen lädt zu einem wilden Trip in die Altmark ein und vor Ort dann durch das eher verkorkste Leben seines Protagonisten. Die detaillierten Beschreibungen und der teils derbe Humor machen das Ganze sehr authentisch. Habe ich gern gelesen! ☺️

Eine unverfälschte und ehrliche Geschichte, unterhaltsam und tiefgründig zugleich.
In der Altmark der 90er und 2000er Jahre gibt es keine pulsierenden Metropolen, keine modernen Einkaufszentren und schon gar keine Arbeitsplätze im Überfluss. Stattdessen das typische Dorfleben, in dem die Infrastruktur marode und das Geld knapp ist – und oft vom Amt kommt. Domenico Müllensiefen katapultiert seine Leser:innen in seinem neuen Buch „Schnall dich an, es geht los“ direkt in das Herz der ostdeutschen Provinz. In jene vermeintlich typischen „Dafür interessiert sich kein Schwein“-Orte. 🔴Die vollständige Rezension unter https://wp.me/p6Jf6o-3es🔴 Müllensiefen erzählt von Marcel, dessen Familie spätestens seit dem Tod seiner Schwester Vanessa, die ungebremst gegen eine Mauer fuhr, massiv zerrüttet ist. Von den harten Tagen in der „Ost-Pampa“ mit Kumpel Pascal, beide eingefleischte Fußballfans des FC Magdeburg. Hier treffen sich die Menschen regelmäßig in der Dorfkneipe oder an der „Drehfleischbude“, dem sozialen Mittelpunkt ihrer kleinen Welt, um gemeinsam den Alltag zu meistern. Das Buch ist übrigens für die „Hotlist 2024“ nominiert – und das ist mehr als verdient. „Schnall dich an, es geht los“ ist eine unverfälschte und ehrliche Geschichte, unterhaltsam und tiefgründig zugleich. Ein Buch, das lange nachwirkt. Wer Lust auf eine berührende Reise in die ostdeutsche Provinz hat, sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen.
Eine Geschichte mit Tiefe im leichten Mäntelchen
Schnall dich an, es geht los …aber mit dem Anschnallen, haben es die Protagonist:innen in diesem Roman nicht so. Und wie schon in “Aus unseren Feuern” gibt es mindestens einen Totalschaden. Aber ist man, wenn man in so einem Nest wie Jeetzenbeck hängen geblieben ist, nicht eh schon ein Totalausfall, egal ob mit oder ohne Crash? Im normalen Leben mache ich um Typen wie Marcel und Pascal, erst recht wie Ralf und Dirk einen ganz weiten Bogen. Der Loser und der Alki, der Dorfnazi und sein Handlanger. Trotzdem schafft es der Autor (wieder) mir genau diese Art Charaktere nahe zu bringen, was jetzt nicht in jedem Fall zu Sympathie führt, aber ich schaue hin. Der Roman präsentiert eine Sozialstudie einer abgehängten ostdeutschen Region (leider nur eine von vielen ) ohne Studie zu sein. Stattdessen ist all dies in einer bewundernswerten Selbstverständlichkeit eingewoben in eine Geschichte, die Laune macht. Es hat mich nicht mal gestört, dass es u.a. immer wieder um Fußball geht, womit ich eigentlich gar nichts anfangen kann. Ich habe viel gelacht, ein paar dicke Tränen verdrückt und mich auch ein bisschen in meiner eigenen Überheblichkeit erwischt gefühlt. Vielleicht das wichtigste - es gibt Hoffnung; aber um die zu finden, muss man schon genauer hinschauen. Und es geht auch um eine Generation, die sich nicht gesehen fühlt oder tatsächlich oft übersehen wird: “Wir waren die erste Generation, die im vereinigten Deutschland aufivuchs, wir waren die erste Generation, über die es nichts mehr zu berichten gab und für die sich niemand interessierte. Weder unsere Eltern noch die Schule noch die Gesellschaft. Die Nazis in den Neunzigern kamen wenigstens noch ins Fernsehen, bis das dann langweilig wurde. Aber wir waren die, die allen scheißegal waren.” S. 266 Eine Geschichte, die in all ihrer augenzwinkernden Leichtigkeit bei mir einen dicken Knoten in der Magengegend hinterlässt; wie auch immer Müllensiefen dieses Kunststück hinbekommen hat. Auch die Form der beiden sich auf einen Höhepunkt hinbewegenden Zeitstränge kann ich einfach nur als gelungen bezeichnen. Ach und das Ende lieb ich ja ganz besonders. Neugierig? Da hilft nur selber lesen!
Für mich ein tolles Buch. Eine Story mit Tiefgang, mit ernsten Themen, die aber an keiner Stelle Gefahr läuft, langweilig und trocken zu werden. Im Gegenteil!
Domenico Müllensiefen - „Schnall dich an, es geht los“ „Früher begann in Jeetzenbeck die Freiheit.“ Marcel arbeitet der als Drehspießverkäufer am Bahnhof, lebt ziellos vor sich hin und schafft es irgendwie nicht raus aus Jeetzenbeck. Sein bester Freund Pascal liebt das Saufen mehr als das Arbeiten und dümpelt, sehr zum Leidwesen seines Vaters Dirk, einfach vor sich hin. Geldsorgen, Langeweile, Eintönigkeit, die Gedanken an seine tote Schwester Vanessa und der 1. FC Magdeburg bestimmen Marcels Leben. „Ich lebte mein Leben, ein Leben, von dem ich überhaupt nichts mehr erwartete.“ Die Geschichte eines Jungen, der Ende der Achtzigerjahre in Sachsen-Anhalt geboren wurde, den Fall der Mauer miterlebte und der die Hochgefühle und den (manchmal) tiefen Fall der Menschen in den Wendejahren in der eigenen Familie erfahren musste. Doch Marcel resigniert nicht. Nie. Er macht einfach ganz stumpf weiter. Immer weiter. Die Hoffnung auf irgendetwas besseres nie verlierend. Eines Tages steht seine Jugendliebe Steffi wieder vor ihm. Steffi, die damals einfach so verschwand. Von jetzt auf gleich einfach ging. Lohnt sich das Träumen nun? Das Träumen von einer Zukunft? Das Träumen von einem Leben, einer Familie mit Steffi? Doch was treibt Steffi nach über 20 Jahren zurück nach Jeetzenbeck und sind sie überhaupt noch die, die sie vor 20 Jahren waren? Vorab: ich liebe den Schreibstil des Autors. Seine Wortwahl, seine Art Menschen und Situationen zu zeichnen ist grandios. Ich fühlte mich Marcel bereits nach wenigen Sätzen nah, hatte ein klares Bild von ihm, Pascal, Steffi und den Anderen (Dirk fand ich großartig, habe, trotz allem, das eine oder andere Mal schmunzeln müssen über ihn.). „Und irgendwo dazwischen, da liegen sie, die kleinen Orte, die unser Leben ausmachen. Und in den kleinen Orten leben die kleinen Menschen, die manchmal ganz groß sind, ohne es sein zu wollen. Die es schaffen, aus einem kleinen Birnenkern einen Baum erwachsen zu lassen, der noch Generationen an Havelländern oder Altmärkern erfreut. Darum geht es, erklärte ich ihr: Es geht um das Hierbleiben, um das Wurzeln-schlagen, darum, dass wir unsere Heimat als das erkennen, was sie ist: kernig und manchmal auch komisch." Für mich ein tolles Buch. Eine Story mit Tiefgang, mit ernsten Themen, die aber an keiner Stelle Gefahr läuft, langweilig und trocken zu werden. Von mir eine Leseempfehlung 4,5/5*











