Verführerischer Widerspruch – Ein Kuss der alles verändert •langatmig •kitschig •schnulzig
„Warum konnte es für ihn nicht auch so leicht sein? Warum konnte er nicht einfach auf sie zugehen, einen Kuss stehlen und um ihre Hand anhalten?“ (Seite 53) Ein typischer Regency Roman und dem Trope Enemies to Lovers. Eine Geschichte über die impulsive Lady Louisa und den geheimnisvollen Viscount Phineas Hawke. Gespickt mit hitzigen Dialogen und einem ernsten Geheimnis. Der Aufhänger der Geschichte ist Louisas Geheimnis und ein Gespräch, welches sie von Phineas und einem anderen Verehrer versehentlich belauscht. Die Geschichte mutet zunächst sehr Bridgerton mäßig an, weshalb sie mich auch ansprach. Aber den Charakteren fehlt die nötige Tiefe. Es bleibt alles recht oberflächlich und die Entwicklung ist gelinde gesagt nicht wirklich vorhanden. Was ein wenig anstrengend war, war das ständige sich im Kreis drehen. Lady Louisa ist sehr stur und Phineas kann nicht wirklich Gefühle zeigen. Sicherlich ist das auch der Esprit der Story, aber ab einem gewissen Punkt nimmt es die Spannung raus, da es sich durch das ganze Buch zieht. Die immer wiederkehrenden selben Muster wirken dabei zu schematisch und irgendwann wenig überraschend. Dadurch büßt die Geschichte viel Dynamik ein und wird doch sehr langatmig. Mir gefielen die Dialoge, dadurch das Louisa ihren eigenen Kopf hatte und es Phineas nicht so leicht gemacht hat, war sie eine starke Frauenrolle und nicht nur ein heiratswilliges Dummchen. Phineas ist gerade wegen seiner so menschlichen Fehler und frechen Art ein charmanter Charakter. Ich mochte auch seinen uneingeschränkten Willen für Gerechtigkeit. Der Schreibstil von Bree Wolf ist einfach und leider nicht sehr ausschweifend, was ich gerade bei der prunkvollen Regency-Atmosphäre vermisst habe. Die Dialoge sind pointiert und sprühen vor Charme und Witz, dadurch erhält das historische Setting einen leicht modernen Unterton. Gleichzeitig werden ernste Themen angeschnitten und ausgiebig behandelt und verleihen der Geschichte somit eine gewisse Ernsthaftigkeit. Auch Ballsaisonen und opulente Feste werden forciert, jedoch ohne die nötige Detailverliebtheit, welche Regency doch gerade seine „Pompösität“ verleiht. Insgesamt eine typische Liebesschnulze die zu unterhalten weiß, aber sich teilweise etwas in die Länge zieht. Ein leichtes Buch für zwischendurch, aber nicht sonderlich spannend. Kann man lesen, aber man verpasst jetzt auch nichts ohne das Buch zu kennen. Ich weiß nicht ob ich die Reihe weiterverfolge. Von mir gibt es drei gut gemeinte Sterne, durch die genannten Kritikpunkte. ⭐️⭐️⭐️



