6. Mai
Rating:3.5

Ein Bücherschrankfund, dessen entzückendes Cover sofort mein Herz eroberte. Maria, Mittdreißigerin, beruflich sehr erfolgreich möchte ihre Karriere vorantreiben. Da hat sie ein Erlebnis mit einer alten Dame, das sie innehalten lässt. Sie bemerkt, dass sie sich selbst verliert und sucht das einstmals Strahlen ihrer Augen. Im Privatleben hat sie sich bequem allein eingerichtet. Um zu überprüfen, was sie wirklich will, was Ihrem Leben echten Sinn geben kann, fährt sie nach Sylt um zu überlegen. Hier trifft sie Lukas. Es folgt eine nette Kennenlerngeschichte. Charaktere, die immer passend reagieren, heile Familien mit Vorbildfunktion, sehr gute, aufrichtige Freundschaften, tiefe Liebe, die ein Leben lang hält. All dies begegnet und im Laufe der Geschichte und kam mir ziemlich zweckdienlich und glatt vor, etwas langweilig. Maria ist im privaten sehr offenherzig und vertrauensselig, das passt für mich nicht zur Geschäftsfrau. Lukas ist aus meiner Sicht ziemlich authentisch obwohl er teilweise am Anfang der Bekanntschaft auch übergriffig handelt. Das hat mir nicht so gut gefallen. Alles lief zu glatt. Dann kam nochmal ein Ereignis, mit dem ein wenig Tiefe in die Geschichte gebracht wurde. Dadurch erzeugte die Autorin noch etwas Spannung und animiert zur Eigenreflektion. Mir ist diese Geschichte nicht so nahe gekommen, wie ich es mir gewünscht hätte. Der Schreibstil ist gut, flüssig, anschaulich, wie ich es mag. Leider hat es mich dennoch nicht erreicht. Allerdings bin ich vielleicht auch nicht die Zielgruppe für diesen Roman. Ich kann mir vorstellen, dass Menschen, die in einer ähnlichen Situation wie Maria stecken, mehr Freude bei der Lektüre haben.

Leere im Spiegel
Leere im Spiegelby Eva AltjohannBühel Verlag
12. Okt.
Rating:4

Wie fremdbestimmt ist Dein Leben?

„Leere im Spiegel“ von Eva Altjohann hat mich mehr getroffen, als ich erwartet hätte. Es ist ein stilles, aber eindringliches Buch darüber, wie leicht man sich selbst verlieren kann, wenn man nur noch funktioniert – angetrieben vom nächsten Ziel, dem nächsten Karriereschritt, der nächsten Erwartung. Die Autorin hält einem keinen moralischen Spiegel vor, sondern eher einen, in dem man sich selbst langsam verschwimmen sieht. Zwischen feinen Beobachtungen und stiller Poesie erinnert sie daran, dass tief unter all den Rollen, Terminen und To-do-Listen noch etwas anderes spricht: das eigene Bauchgefühl. Diese innere Stimme ist oft verschüttet, aber nicht verschwunden. Das Buch ruft leise dazu auf, sie wiederzufinden – kompromisslos und ohne Angst vor dem, was man dann hört. Ich empfehle dieses Buch allen, denen das Gefühl der Leere vertraut geworden ist, und jenen, die einfach spüren, dass es Zeit ist, wieder nach innen zu hören.

Leere im Spiegel
Leere im Spiegelby Eva AltjohannBühel Verlag