29. Dez.
Rating:4.5

Starkes Debüt

Marina Schwabe schafft hier mit ihrem Debütroman ein starkes Werk zweier Geschwister auf ihrer letzten Reise. Das ist von Anfang an völlig klar und die gerade mal 160 Seiten sind kurz aber nicht kurzweilig. Die Geschichte fühlt sich nach mehr an und das meine ich positiv. Sie wiegt schwer im Thema und ist dennoch manchmal so komisch leicht. Jedes Wort scheint bewusst gesetzt und passt an seinen Ort, irgendwie kompakt wobei ich doch genug Raum hatte für eigene Gedanken. Manches bleibt flüchtig nur umso stärker woanders zu erscheinen. Immer wieder werden sich große Fragen gestellt und die Frage die offenbleibt ist: wie ich bereit sein kann dem sterben eines geliebten Menschen zu begegnen…. Der Schreistil und die Sprache war mir sehr angenehm und gerne hätte ich mehr gelesen. Was mir sehr gut gefallen hat, waren die Anspielungen auf die Klimakrise und auf den für mich dezenten Zynismus der mal für durchblitze. Es blieb mir nicht aus zu fragen wie ich mich verhalten würde.

Rift
Riftby Marina SchwabeSteidl Verlag
25. Nov.
Risslinien und Meeresrauschen
Rating:5

Risslinien und Meeresrauschen

Reisebericht zwischen Herz und Vulkan: Rift packt dich an den Schultern und sagt leise, aber bestimmt: Halt durch. Zuzanna und Janko fahren nicht nur durch die USA — sie fahren durch Abschied, Wut und kleine, seltsame Wunder. Die Sprache ist reduziert, manchmal trocken wie Wüstensand, dann wieder weich wie eine Hand, die das Kopfkissen zurechtzupft. Genau dieser Wechsel macht das Buch stark: Naturgewalten werden zu Spiegeln, in denen menschliche Zerbrechlichkeit und Trotz sich brechen. Manchmal blitzt schwarze Komik auf — ein Kommentar zu dem schrägen amerikanischen Alltag hier, ein sarkastischer Gedanke dort — und plötzlich sitzt man im Wagen, hört den Motor und denkt an all die Dinge, die man nie sagt. Die Krankheit des Bruders ist nicht nur Hintergrund; sie ist Taktgeber, Antrieb, schwere, die beide trägt und zugleich Flügel verleiht. Als Geologin beobachtet Zuzanna die Welt mit Messlinial und Blut in den Händen, und das funktioniert: Naturwissenschaft trifft Gefühl — ohne Kitsch, dafür mit Nüchternheit, die ans Herz geht. Besonders gut: die kleinen Szenen, die bleiben. Ein Motel-Frühstück, das zu viel über ein Leben verrät; ein Sturm, der sauber macht; Blicke, die lauter sind als Worte. Die Autorin baut Tempo wie Plattenschichten auf: ruhig, dann ein Riss, dann wieder Stille. Wer eine simple Roadstory erwartet, wird überrascht — Rift ist zugleich Abschiedsarbeit und Liebesbrief an die Unberechenbarkeit der Welt. Kritik? Manchmal wünscht man sich mehr Raum für Nebenfiguren, mehr Atem zwischen den Naturbildern und den inneren Monologen. Trotzdem: Ein leiser, kraftvoller Roman, der lange nachhallt — genau die Art Buch, das man heimlich nachliest, wenn der Zug plötzlich anhält.

Rift
Riftby Marina SchwabeSteidl Verlag
6. Nov.
Ein besonderes Buch, bildreich und voller Raum für die eigenen Gefühle und Interpretationen
Rating:5

Ein besonderes Buch, bildreich und voller Raum für die eigenen Gefühle und Interpretationen

Ich habe noch nie ein Buch wie dieses gelesen und könnte es mit nichts vergleichen: Bildhafte, prägnante Szenen, seltsame Figuren, die ich gerade deshalb greifen und mögen kann. Subtile Bedrohungen während eine unausweichliche Katastrophe ganz nah ist. Ein Kontinent wie eine zwischenweltliche Substanz, und eine einzigartige Weise, diese Welt zu beschreiben. Wie verändert ein nahender Verlust unseren Blick und was wir für möglich halten, was für wichtig? Wie fühlen sich Orte an, an denen unsere Realität langsam zerfällt? Was ist noch sagbar und erzählbar in so einem Abschied? Der Text hat für mich seine ganze Stärke langsam und spürbar entfaltet, bis ich mich nicht mehr entziehen konnte und mit der Erzählerin um Janko geweint habe. Ich werde diesen Text nie vergessen, er hat mir etwas gezeigt, das ich nur fühlen kann. Vielleicht etwas davon, wie ich es irgendwann erleben werde: Das Sterben und auch das Bleiben. Und dass ich das schaffen werde.

Rift
Riftby Marina SchwabeSteidl Verlag