Sternebewertung fiktiv
Kann eine Erzählung dich erschüttern wie ein ganzer Roman? Louise Kennedy kann. „Das Ende der Welt ist eine Sackgasse“ ist ein Erzählband, der mich auf mehreren Ebenen begeistert hat, nicht nur, weil ich schon ihr Debüt „Übertretung“ geliebt habe. Louise Kennedy, die in Irland lebt, schreibt mit einer Wucht, die unter die Haut geht. Was mich überrascht hat, dass jede dieser Geschichten zu Beginn fast beiläufig wirkt, manchmal so, als würde nichts passieren. Aber dann plötzlich ein Twist, ein scharfer Schnitt, ein Moment, der alles kippt. Und genau darin liegt ihre Kraft. Louise Kennedy baut leise auf und trifft dann mit voller Wucht. Ich lese Erzählungen nie in Reihenfolge. Ich picke sie nach Gefühl. Titel, Stimmung, Bauchgefühl. Und hier war es genau das Richtige. Jede Geschichte für sich abgeschlossen, aber keine davon belanglos. Ihre Sprache ist pointiert, roh, klar und doch emotional aufgeladen. Die Ausgabe selbst? Steidl-typisch wunderschön. Leinengebunden, hochwertig, ein echtes Sammlerstück. Wer glaubt, Erzählungen könnten ihn nicht packen, liest das hier und denkt neu. Eine literarische Empfehlung mit Nachhall.
