Yuki hat etwas Frust im Job und lebt sonst zurückgezogen. Wöchentlich nimmt sie mit ihren Geschwistern an den Familientreffen bei ihrem aus Japan stammenden Vater teil. Plötzlich stirbt ihr Vater und vermacht ihr seinen Kater. Plötzlich steht ihr Leben Kopf. Man begleitet Yuki durch eine schwierige, verwirrende Zeit in der sie sich mit ihren Wurzeln versöhnt.
Japan, Kater und Magie – eine gelungene Mischung?
Mit „Der Kater unterm Korallenbaum, oder: Wünschen will gelernt sein“ veröffentlicht Christina Löw nicht nur ihren zweiten Roman, sondern auch ihre zweite Märchenadaption, dieses Mal angelehnt an den gestiefelten Kater.
Als ihr Vater stirbt, trauert Yuki sehr. Getröstet wird sie nicht nur durch die Tatsache, dass sie den Familienkater Sasuke erbt, sondern auch, dass er sprechen und obendrein Wünsche erfüllen kann. Doch während sie so am Anfang all ihre Probleme – finanziell, beruflich und privat – regeln kann, verehrt sich die gewirkte Magie schon bald ins Negative. Um dem Chaos ihres Lebens zu entkommen, beschließt Yuki, nach Japan zu reisen, um die Verwandten ihres Vaters zu besuchen – und sich selbst zu finden.
„Der Kater unterm Korallenbaum“ ist eine Adaption, die sich viele Freiheit im Verhältnis zur Vorlage erlaubt, mehr noch als Christina Löws Debütroman „Träume voller Schatten“. Dies empfand ich jedoch als keineswegs störend. Das moderne Setting zwischen Köln und Japan ist erfrischend und macht Christina Löws zweiten Roman zu einem wunderbar eigenständigen Werk, sodass man die Vorlage recht schnell vergisst.
Ansprechend sind auch die Themen, die der Roman aufgreift: Herkunft, Identität, Wünsche, Ziele, Ehrlichkeit, alles gemixt zu einer an sich interessanten Geschichte über Selbstfindung und Selbstverwirklichung und den manchmal beschwerlichen Weg dahin.
Leider hat mich der Roman auf diesem Weg allzu oft verloren. Die Sprache ist mir oft zu distanziert zu Yuki, zu erzählend und erklärend, ohne dass ich ihr als Leser wirklich nahe kommen konnte. Bei „Träume voller Schatten“ fand ich dies weit weniger störend, vermutlich durch das Spiel zwischen Wahn und Wirklichkeit. In „Der Kater unterm Korallenbaum“ hat die Erzählweise leider verhindert, dass ich so mit der Protagonistin mitleiden und mitfiebern konnte, wie ich es mir gewünscht hätte. Ganze Dialoge, die mir als Leser wichtig erschienen, wurden nur in ein paar Absätzen paraphrasiert, Gedanken und Gefühle häufig erläutert und beschrieben, anstatt sie aktiv zu zeigen. So fühlte ich mich leider oft entrückt von Yuki, wie jemand, der ihr Leben durch ein Fernglas beobachtet, anstatt wirklich teilzunehmen. Dies empfand ich als sehr schade, da mir die Geschichte wie oben angedeutet in ihrer Struktur und ihren Themen sehr gut gefällt.
Positiv hervorheben möchte ich aber sowohl das Glossar, das die verwendeten japanischen Begriffe gut erläutert, wie auch die Triggerwarnungen auf der letzten Seite. Dies ist ein guter Leserservice, der mehr genutzt werden sollte.
Christina Löws „Der Kater unterm Korallenbaum“ ist eine schöne Märchenadaption mit einer interessanten Geschichte, deren Erzählweise mich jedoch leider nicht so fesseln konnte, wie ich es mir erhofft hatte. Daher kann ich aus meiner Perspektive leider nur eine 6/10 geben.
Eine schöne Neuinterpretation von der "gestiefelte Kater" mit einer jungen Frau, die in sich unsicher ist und nicht so richtig ihren Platz im Leben findet. Und ohne zuviel zu Spoilern, man sollte immer vorsichtig sein mit dem was man sich wünscht. Manchmal benötigt es einfach nur einen Tapetenwechsel sich auf die wichtigen Dinge im Leben zu besinnen.