
So verwirrend, so düster und so unfassbar traurig.
Nachdem mich der erste Band von Boy’s Abyss bereits emotional ziemlich mitgenommen hat, hat Band 2 das Ganze noch einmal deutlich intensiviert. Ryo Minenami schafft es weiterhin, diese bedrückende und fast hoffnungslose Atmosphäre konstant aufrechtzuerhalten, ohne dass es jemals künstlich oder übertrieben wirkt. Stattdessen fühlt sich jede Szene unangenehm echt an – als würde man immer tiefer gemeinsam mit Reiji in diesen emotionalen Abgrund gezogen werden. Besonders beeindruckt hat mich diesmal, wie stark die innere Zerrissenheit der Figuren ausgearbeitet wird. Reiji wirkt noch verlorener als zuvor, weil er immer stärker zwischen seinen eigenen Wünschen, seiner Verantwortung gegenüber seiner Familie und den Erwartungen seines Umfelds zerdrückt wird. Man merkt deutlich, wie sehr ihn seine Gedanken auffressen und wie schwer es ihm fällt, überhaupt noch Hoffnung oder einen Sinn in seinem Leben zu erkennen. Auch die Beziehungen zwischen den Charakteren werden in Band 2 deutlich komplexer und unangenehmer. Gerade die Dynamik zwischen Reiji und Nagi bekommt noch einmal eine ganz andere Intensität. Ihre Begegnungen wirken gleichzeitig vertraut und gefährlich, fast so, als würden sich zwei Menschen gegenseitig immer tiefer in ihre Dunkelheit ziehen. Dabei zeigt der Manga erneut, dass fast jede Figur ihre eigenen seelischen Wunden mit sich trägt, wodurch niemand wirklich wie ein klassischer „Gut“ oder „Böse“-Charakter wirkt. Was mich erneut besonders begeistert hat, ist der Zeichenstil. Die Panels transportieren unglaublich viel Stimmung und schaffen es perfekt, dieses Gefühl von Leere und emotionalem Druck einzufangen. Vor allem die Gesichter und Blicke der Figuren sagen oft mehr als die eigentlichen Dialoge. Man sieht den Schmerz, die Überforderung und die unterschwellige Verzweiflung förmlich in jeder Mimik. Gleichzeitig wirken viele Szenen fast schon bedrückend still, was die Atmosphäre noch intensiver macht. Band 2 hat mich emotional sogar noch stärker getroffen als der Auftakt, weil die Geschichte immer tiefer in die psychischen Abgründe der Charaktere eintaucht. Boy’s Abyss bleibt damit ein Manga, der definitiv nicht leicht zu lesen ist, mich aber gerade durch diese kompromisslose Ehrlichkeit vollkommen fesselt. Nach diesem Band habe ich das Gefühl, dass die Geschichte noch deutlich düsterer werden könnte – und genau das macht mich gleichzeitig neugierig und nervös auf die nächsten Bände.

















