27. Apr.

Ich mag die Graphic Novels aus der Reihe Mythen der Antike wirklich sehr – und auch dieser Band macht da grundsätzlich vieles richtig. Luc Ferry nimmt sich klassische Mythen vor und verpackt sie so, dass man sie heute noch lesen will – und nicht nur das Gefühl hat, man sollte sie kennen. Gerade bei Jason funktioniert das gut, weil die Geschichte ohnehin bekannt ist und die Abweichungen hier angenehm klein bleiben. Natürlich merkt man, dass das Ganze für ein modernes Publikum aufbereitet ist. Manche Szenen sind ein bisschen drüber – mehr Drama, mehr Action, mehr „wir müssen das jetzt fühlen“. Aber ganz ehrlich: Das ist verschmerzbar. Lieber so, als dass solche Geschichten komplett in staubigen Regalen verschwinden. Und genau da liegt für mich der Punkt: Die wenigsten setzen sich heute noch freiwillig mit den Originaltexten auseinander – und selbst wenn, braucht es oft schon eine gewisse Leidensfähigkeit. Diese Reihe nimmt einem diese Hürde ab, ohne den Kern komplett zu verwässern. Und das ist mehr wert, als es auf den ersten Blick scheint. Was mich allerdings jedes Mal ein bisschen ausbremst, ist der Zeichenstil. Der ist technisch völlig in Ordnung, keine Frage – aber er holt mich einfach nicht ab. Ich bin mit klassisch gezeichneten Comics und Cartoons aufgewachsen, und dieser eher glatte, digital wirkende Stil fühlt sich für mich einfach… seelenlos an. Nicht schlecht, aber auch nichts, was hängen bleibt. Unterm Strich ist das hier also genau das, was die Reihe gut kann: Eine solide, zugängliche Nacherzählung eines bekannten Mythos – mit kleinen Übertreibungen hier und da und einem Stil, der mich persönlich leider eher auf Distanz hält. Aber: Es geht hier nicht darum, die Originale zu ersetzen. Es geht darum, dass ihre Inhalte überhaupt noch jemanden erreichen. Und das schafft dieser Band – trotz kleiner Schwächen – ziemlich zuverlässig.

Mythen der Antike: Jason und das Goldene Vlies (Graphic Novel)
Mythen der Antike: Jason und das Goldene Vlies (Graphic Novel)by Luc FerrySplitter-Verlag