Erzählt magisch & liebevoll das Leben der Menschen am See von Maracaibo in Venezuela im 20. Jahrhundert
Grandios!
Was für ein Start in das neue Lesejahr, das war gigantisch! Die Geschichte Venezuelas wird in einer Familiensaga erzählt, über viele Jahrzehnte begleitet man mehrere Generationen, von denen in jeder ganz außergewöhnliche Menschen in einem durchaus außergewöhnlichen Land leben, lieben und gestalten. In überaus ansprechender Sprache gleitet man nur so durch die Zeit, lernt fast unmerklich einiges über dieses faszinierende Land und die politischen Machthaber, die bei weitem nicht immer Gutes im Sinn hatten. Und das bei einer wirklich gelungenen Mixtur aus detailreichen Beschreibungen, geschichtlichen Tatsachen und ein wenig magischer Phantasie. Wenn man denn unbedingt etwas Negatives sagen möchte, könnte man anmerken, dass einem beim Lesen schmerzlich bewusst wird, wie kurz ein Leben eigentlich ist und wie schnell man altert - die Realität kann weh tun. Lest dieses Buch!
Eine grossartige Familiengeschichte
Generationenübergreifend, bunt, tief und ganz viel Geschichte Venezuelas, ein echter Tipp.

Familiensaga mit Pinguin
•Buchrezi• 🙂 Zum Inhalt: Anfang des 20. Jahrhunderts in Venezuela: Antonio wird als Baby auf den Stufen einer Kirche ausgesetzt. Eine arme Bettlerin findet ihn und sieht ihre Chance, durch das Kind Mitleid zu erregen und damit ein paar Münzen mehr zu verdienen. Als Jugendlicher verschlägt es Antonio als Hilfsarbeiter in ein Bordell, wo er langsam erwachsen wird. Durch einen glücklichen Zufall erhält er die Möglichkeit, seine versäumte Bildung nachzuholen und wird schließlich Arzt. Auf seinem Weg begegnet er seiner großen Liebe Anna Maria, die denselben Traum verfolgt. Ihre Liebe wird von einer Tochter gekrönt, die sie „Venezuela“ nennen. Ein Kind, das später ganz eigene Wege gehen wird. Mein Fazit: Auf knapp 300 Seiten entfaltet sich eine intensive Familiensaga, die das Leben in Venezuela auf poetische Weise einfängt. Besonders gefallen haben mir die vielen kleinen Anekdoten, die von der Hauptgeschichte abzweigen und ihr Tiefe verleihen. Etwa die Entstehung der goldenen Pinguinbrosche, die später zum Familienerbstück wird. Diese liebevollen Details machen den Roman lebendig. Trotzdem bleibt die eigentliche Handlung stellenweise etwas blass, und die Charaktere hätten für meinen Geschmack mehr Tiefe vertragen. Auch die großen Gefühle blieben etwas zu sehr an der Oberfläche. Der Einstieg mit den vielen Namen und Orten war kurz holprig, doch man liest sich überraschend schnell ein und der Schreibstil ist erstaunlich flüssig. ABER die Sprache in diesem Roman ist einfach so zauberhaft und ganz fantastisch und alleine deswegen, ist dieses Buch etwas ganz besonderes ✨✨ Wer die Romane von Zafón oder Allende liebt, wird sich auch hier sehr wohlfühlen. Ich vergebe 🐧🐧🐧🐧 von fünf 🐧nen!
Der Traum des Jaguars Miguel Bonnefoy Inhalt Bild 2 Danke an den Eisele Verlag für das Rezi Exemplar Dies ist ein wunderbarer Historischer Roman eingebettet in einer Familiengeschichte die ans Herz geht. Und das mit einer wunderbaren starken Frau, die mich sehr beeindruckt hat. Diese Geschichte geht fast durch das gesamte 20 Jahrhundert und ist so spannend -interessant , das ich an den Seite klebte. Hier hat der Autor wirklich ein grandioses Werk geschaffen. Als Bettlerin hat sie das Findelkind zu sich genommen und es groß gezogen. Und aus diesem Findelkind wird später ein so beeindruckender Mann. Er wird Arzt und gründet eine Universität. Seine Frau wird später berühmt dadurch das sie die erste Ärztin im ihrem Land wird. Diese Geschichte der 2 zu folgen, hat mich wirklich tief bewegt und komplett in ihren Bann gezogen. Sie geht über 3 Generationen und ist eng verbunden mit den Entwicklungen des Landes. Es ist eine Jahrhundert Geschichte einer Familie und ihres Landes . Ein Buch was auch noch nach dem Lesen ihre Wirkung hatte 😉
Eine atmosphärische Familiengeschichte über Generationen hinweg, die mir Venezuela nähergebracht hat.
Schon das Cover hat mich sehr angesprochen – es wirkt geheimnisvoll und schön, und ich war sofort neugierig. Auch der Inhalt hat mich interessiert, weil ich schon lange mehr über Venezuela erfahren wollte. Da ich Das Geisterhaus von Isabel Allende sehr gerne gelesen habe, war ich gespannt, ob mich auch dieses Buch mit einer Familiengeschichte über mehrere Generationen fesseln würde. Und genau das ist passiert. Bonnefoy erzählt die Geschichte einer Familie, die eng mit der Geschichte des Landes verbunden ist. Man begleitet sie über viele Jahre, erlebt ihre Hoffnungen, ihre Kämpfe, ihre Verluste. Dabei habe ich nicht nur die Figuren besser kennengelernt, sondern auch viel über Venezuela erfahren – über seine Schönheit, seine Probleme und seine Entwicklung. Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Er ist verständlich, leicht zu lesen, und trotzdem voller Bilder und Atmosphäre. Ich konnte mir vieles gut vorstellen, und das hat mich richtig in die Geschichte hineingezogen. Besonders beeindruckt hat mich, dass das Buch gar nicht so dick ist – unter 300 Seiten – und trotzdem sehr viel passiert. Es ist dicht erzählt, ohne langweilig zu werden, und man hat das Gefühl, eine große Geschichte in relativ kurzer Zeit zu erleben. Es war für mich ein interessantes und schönes Leseerlebnis. Eine Familiengeschichte, die berührt, und gleichzeitig ein Buch, das einem ein Stück Venezuela näherbringt.
Eine venezolanische Familiensaga in zu großen Fußstapfen
Ein Buch, das mit dem Versprechen beworben wird, eine pulsierende Familiensaga für Leser:innen von Isabel Allende zu sein, wird damit in sehr große Fußstapfen gestellt. Mir scheinen sie letztendlich doch ein bisschen zu groß zu sein. Aber der Reihe nach… Was ganz sicher zutrifft, ist die Beschreibung „pulsierend“. Ich würde sogar sagen, dass die Pferde mit dem Autor manchmal ein wenig durchgehen in wilder Erzählwut und es mir seitenweise ein bisschen zu unruhig wird. An einigen Stellen hätte ich mir etwas weniger Tempo und mehr Nähe zu den sehr beeindruckenden Charakteren gewünscht. Ich möchte sehr, welchen Einblick mir der Roman in die Geschichte von Venezuela gewährte. Auch wenn es der Autor stellenweise ein wenig zu gut meinte mit der Menge an genannten Personen und Orten, habe ich doch so einige mit Interesse nachrecherchiert. Ab und an haben mich die zeitlichen Haken, die die Geschichte schlägt etwas verwirrt. Und einige Rätsel, die mir die Zeitschiene aufgab, konnte ich tatsächlich nicht auflösen. Sehr gut hat mir gefallen, wie die magischen Elemente üppig und selbstverständlich in die Geschichte eingeflochten sind. Gewünscht hätte ich mir hingegen, dass einige Dinge ein bisschen ausführlicher und ruhiger erzählt worden wären. Dafür hätte ich, auch im Hinblick auf die tollen Charaktere, gerne 100 Seiten mehr gelesen. Gerne wüsste ich auch, ob und wieviel Miguel Bonnefoy im jüngsten Charakter Cristóbal steckt, denn da scheint es mir Parallelen zu geben. Und diesen letzten Teil (mit Cristóbal überschrieben), fand ich nochmal besonders liebevoll und zärtlich erzählt. Bei aller Kritik ist „Der Traum des Jaguars“ eine schöne südamerikanische Familiensaga, die ich gerne gelesen habe. Der Erzählstil hat es insgesamt geschafft mich für Roman und Autor einzunehmen. Die für mein Empfinden zu hoch gegriffene Werbung will ich ihm in meinem finalen Urteil nicht anlasten (auch wenn ich vermutlich ihretwegen zuvor doch recht streng mit dem Buch war). Es handelt sich übrigens bereits um den 5. Roman des Autors, allerdings dem ersten, der auf deutsch erschienen ist. Ich hoffe, dass weitere Übersetzungen folgen, denn die Beschreibungen der Romane 1 bis 4 wecken durchaus mein Interesse.
Ein tolles Buch
Antonio wurde als Baby ausgesetzt und wächst bei einer Bettlerin auf, die sich liebevoll um ihn kümmert. Als Jugendlicher nimmt er verschiedene Gelegenheitensjobs an und landet irgendwann in einem Bordell als Junge für alles. Der Zufall will es, dass er in eben diesem Bordell eine Begegnung mit seinem leiblichen Vater hat, die sein Leben verändert. Antonio bekommt die Gelegenheit in die Schule zu gehen und zu studieren. In dieser Zeit lernt er Ana Maria kennen, beide wollen Medizin studieren. Antonio und Ana Maria verwirklichen ihren Traum und arbeiten dafür hart. Eine lebendige Geschichte, die über mehrere Generationen hinweg erzählt wird und vor dem interessanten Hintergrund von Venezuelas Geschichte spielt. Die bildhafte Erzählkunst hat mich von Anfang an gefesselt und in die Welt des Romans gezogen. Die Magie, die versprochen wurde, war präsent und hat die Geschichte zusätzlich bereichert. Eine beeindruckende Lektüre, die mich gefesselt hat.
Venezuelas Geschichte anhand einer Familiengeschichte
Miguel Bonnefort beschreibt farbenreich auf 285 Seiten die Familiengeschichte von Antonio Borjas Romero und Ana Maria, die allererste Ärztin Zulias. Alle Höhen und Tiefen die, die Familien in Venezuela erleben. Von Erdölfund, über Revolution, Diktaturen, Befreiuungen. Mittendrin diese Arztfamilie und der andere Mitglieder.
Zwischen Poesie, historischen Fakten und einer großen Liebe
Antonio wird an seinem dritten Lebenstag auf den Stufen einer Kirche ausgesetzt. Dort wird er von der stummen Teresa gefunden und mehr oder minder zweckdienlich aufgezogen. Denn Teresa muss für ihren Lebensunterhalt betteln und hat entdeckt, dass sich dies leichter mit einem mitleiderregendem Baby machen lässt. Aus Antonio wird dennoch ein gesunder und kräftiger Junge und er hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Als er eines Tages die kluge Ana Maria bei einem Schulwettbewerb kennenlernt, ist ihm Eines klar: Dieses Mädchen möchte er eines Tages heiraten. Blöd nur, dass Ana Maria nur denjenigen heiraten will, der ihr die schönste Liebesgeschichte aller Zeiten erzählt. Und so macht sich Antonio auf die Suche nach eben jener. Die Liebesgeschichte ist nur ein Erzählstrang des großen Mosaiks, welches Miguel Bonnefoys Roman bietet. "Der Traum des Jaguars" ist ohne Frage ein sprachliches Highlight. Beim Lesen hatte ich sehr oft das Gefühl, dass jeder Satz einfach sitzt und manchmal musste ich die Sätze zwei Mal lesen, da sich in ihnen so viel verbirgt. Manchmal war es doch auch etwas zu viel. So war ich anfangs etwas überfordert mit den zahlreichen Charakteren und historisch relevanten Ereignissen um und mit Antonio und Ana Maria. Das Buch lebt für mich vor allem durch die innigen Beziehung zwischen den Beiden. Für Leser*innen, die sich (so wie ich) wenig mit der politischen und historischen Entwicklung Venezuelas auskennen, wird dieses Buch eine bunte und bereichernde Reise. So habe ich mir unzählig Stellen in dem Buch markiert und oft mit dem Handy recherchiert. Das kann Spaß machen, manchmal aber auch aus dem Lesefluss reißen. Mich konnte das Buch von sich überzeugen und ich würde es Leser*innen empfehlen, die gerne komplexe Familiengeschichten lesen und sich auch gedanklich gerne auf Reisen in weit entfernte Länder begeben.

"Ich habe keine Ahnung von Romanen. Aber ich weiß, dass die Bauern von Maracaibo davon überzeugt sind, dass es in jedem Katzenwurf einen Jaguar gibt. Die vorsichtige Mutter trennt ihn von den Kätzchen [...] Er wächst anders auf. Er wird unabhängig. Das sind diejenigen, auf die sich unsere Stadt gründet. Wir entstammen alle dem Traum eines Jaguars." Es gibt Familiengeschichten – und es gibt Der Traum des Jaguars von Miguel Bonnefoy. Ein kleiner Junge, Antonio, wird auf den Stufen einer Kirche ausgesetzt. Eine stumme Bettlerin nimmt sich seiner an. Was darauf folgt, ist ein Leben, spannender als jeder Abenteuerroman. Bonnefoy erzählt nicht nur die Geschichte seiner eigenen Familie, sondern zugleich die Geschichte Venezuelas. Wir begleiten Antonio auf seinem Weg vom Bettler zum Arzt und an der Seite seiner Frau Ana María, der ersten Ärztin des Landes. Während sich ihr persönliches Schicksal entfaltet, durchlebt das Land Wirtschaftsaufschwünge und zahlreiche Revolutionen. Beim Lesen fragt man sich unweigerlich: Wie viel kann ein Mensch – eine Familie – leisten, erarbeiten, ertragen? Und im Hintergrund steht immer das Land selbst, das all diese Umwälzungen mitträgt. Diese gewaltige Lebens- und Landesgeschichte bettet Bonnefoy in eine poetische Sprache ein, durchzogen von Folklore und Mythen. Fakten und Fiktion verschmelzen zu einem stimmungsvollen, tief berührenden Erzählteppich. Miguel Bonnefoy ist mit Der Traum des Jaguars ein großer Wurf gelungen: eine bewegende Familiensaga und ein literarisches Porträt Venezuelas zugleich. Ein eindrucksvoller, kraftvoller Roman, der nachhallt.

DER TRAUM DES JAGUARS Miguel Bonnefoy Die stumme Bettlerin Theresa findet auf den Stufen einer Kirche ein ausgesetztes Baby. Obwohl sie zunächst kein Interesse zeigt, nimmt sie den Jungen an sich und nennt ihn Antonio. Wir begleiten Antonio durch die Straßen Venezuelas und fürchten, dass er auf die schiefe Bahn gerät. Doch rechtzeitig gibt ihm seine Ziehmutter den Rat, zu arbeiten – denn nur so könne man im Leben etwas erreichen. Antonio beginnt als Zigarettenverkäufer, nimmt jede Arbeit an, die sich ihm bietet, erkämpft sich schließlich ein Studium der Medizin und wird dank seines Fleißes und Geschicks zu einem angesehenen Arzt. Wir erleben seine Familiengründung, Revolutionen und politische Umbrüche des Landes . Wie es jedoch mit Antonio und seiner Tochter weitergeht, solltet ihr selber herausfinden. Versprochen wurde ein magisch-realistischer Roman à la Márquez oder Allende – und genau das hat Bonnefoy eingelöst. Die Sprache ist farbenreich, voller Geschichten, Figuren, und selten habe ich ein Buch gelesen, das so bunt und schillernd war. Trotz der Vielzahl an Charakteren behält man stets den Überblick. Allerdings blieben mir die Figuren seltsam fern. Keine der Hauptpersonen ist mir wirklich nahegekommen, alle wirkten eher wie Skizzen. Oft hatte ich das Gefühl, aus einer Art Vogelperspektive zu lesen – als befände man sich dauerhaft in einer Einleitung, ohne ganz in die Geschichte einzutauchen. Vielleicht liegt dies an der Erzählweise. Besonders spannend fand ich den historischen Hintergrund Venezuelas mit seinen politischen Umwälzungen. Fazit: Ein atmosphärischer Roman für Fans von Isabel Allende und der magischen Erzählkunst Lateinamerikas. Für mich persönlich blieb er jedoch ein wenig zu distanziert. 3/5
Ein Buch zum genießen
Noch nicht lange gilt Venezuela als eines der gefährlichsten Länder der Welt. Revolutionen und autoritäre Regierungen haben die einstmals funktionierende Demokratie in eine unsichere Situation katapultiert. Antonio Borjas Romero wird auf den Stufen einer Kirche in Maracaibo von einer Bettlerin mitgenommen und außer dem Wickeltuch in das er gekleidet ist, findet sich nur ein kleines Kästchen aus silbernen Weißblech bei ihm. Dies soll später noch eine größere Bedeutung bekommen. Aber erst mal zieht die stumme Teresa den Jungen groß, mehr schlecht als recht, und kaum, dass er einigermaßen selbstständig denken kann, versuchte er sein Glück mit Zigarettenverkauf. Er überlegt sich eine Art Schneeballsystem und wird noch im zarten Kindesalter ein erfolgreicher Geschäftsmann. Doch seine Wege sind nicht geradlinig. Es verschlägt ihn in ein Bordell, wo er Handlangertätigkeiten ausübt und irgendwann einem mysteriösen Mann begegnet, der ihm den Weg in ein Medizinstudium ebnet. In diesem Zusammenhang begegnet er Ana Maria, und nachdem er ihr mit Liebesgeschichten den Hof macht, wird aus den beiden ein Paar. Auch ihre Tochter Venezuela spielt später eine größere Rolle in diesem jahrzehnteübergreifenden Familienepos Der Hunger nach Bildung ist das, was unsere kleine Familie vorantreibt. Die Gier nach Erdöl und die damit verbundenen wirtschaftlichen Erfolge des Landes bilden im Hintergrund das Panorama, in das das Geschehen eingebettet ist. Venezuelas Historie hat hier eine würdigen Bühne gefunden. Die Auf und Abs der Familie Borja Romero sind oft im direkten Zusammenhang mit den politischen Entwicklungen zu sehen. Aber auch die Träume nach fernen Orten bekommen hier einen Platz, der die Entwicklung der Figuren maßgeblich beeinflusst. Bonnefoy hat als großer Erzähler einen Text kreiert, der vom Aufbau vielen Familiengeschichten ähnelt. Wir leiden und hoffen mit Antonio von Anfang an. Wie auf einer Bühne agieren er und seine Familienmitglieder, während sich im Hintergrund ein Land immer wieder neu aufstellt. Die Kulisse ist farbenprächtig und gleichzeitig dezent, lässt den Figuren den Vortritt und verknüpft ihren Werdegang mit den jeweils aktuellen Ereignissen. Bonnefoy hat den Singsang der spanischen Sprache gut transportiert. Der Ton erinnert mich sehr an Garcia Marques oder de Robertis. Die Lektüre ist nicht kompliziert, aber trotzdem ist es ein Buch, dass man langsam genießen muss, um jede Facette in ihrer Schönheit zu erfassen. Ich empfehle es also Allen, die sich nicht hetzen lassen wollen und nach Feierabend bei einem leckeren Getränk und ein paar Nüsschen in eine andere Welt eintauchen möchten.
Die stumme Bettlerin Teresa findet auf den Stufen einer Kirche ein Baby – Antonio – und rettet damit sein Leben. Von einem Leben als Straßenkind bis zur Karriere als herausragender Chirurg in Venezuela spannt sich seine Geschichte. Er verliebt sich in Ana Maria, die erste Ärztin in ihrer Region. Sie ist eine starke und selbstbestimmte Frau. Das Paar ist beruflich sehr stark eingebunden, hat wenig Zeit füreinander. Beide bekommen zusammen eine Tochter, Venezuela. Auch sie wächst zu einer starken, charismatischen Frau heran und hat noch ganz andere Pläne. Eine Geschichte , die sich über mehrere Generationen zieht, eng verbunden mit der Geschichte von Venezuela. Hier passiert unheimlich viel und erzählt wird in einem rasanten Tempo. Unheimlich spannend war für mich gerade die Entwicklung von Antonio und Ana Maria. Gerade Antonio hat es nicht leicht gehabt, dafür Glück und eine unglaubliche Willenskraft und Disziplin. Sinnlich, bildhaft und manchmal schon fast etwas magisch war für mich das Leseerlebnis, mit diesen starken Protagonisten. Es geht um Verlust, gesellschaftlichen Umbruch und Identität. Ein lebendiger Roman mit südamerikanischem Flair und einer beeindruckenden Familiengeschichte, den ich euch sehr gern empfehle.













