
Eine feministische Antwort auf einen antiken Mythos
Mit ihrer Kurzgeschichte Galatea macht Madeline Miller ein veraltetes Epos wieder salonfähig. Der ursprüngliche Mythos von Pygmalion, der bereits vor Jahrtausenden von Ovid festgehalten wurde, zeigt die Perspektive eines Mannes, dessen Weltbild von Frauenhass geprägt ist. Doch Miller bricht in ihrer starken feministischen Tradition mit dieser Sichtweise und lässt sich die einseitige Darstellung nicht gefallen. Mit Galatea setzt sie ein klares Gegenbild zu den vorherrschenden Motiven des antiken Epos. Sie gibt der einstigen Statue nicht nur wortwörtlich eine Stimme, sondern erzählt die nachfolgenden Ereignisse konsequent aus ihrer Sicht. Damit macht die Autorin in ihrem Werk spürbar, was es bedeutet, als Frau einem Mann schutzlos ausgeliefert zu sein. Zwischen Albträumen und der Liebe zur Tochter Innerhalb weniger Seiten wird deutlich, welchen Albtraum eine Frau Tag für Tag erleben muss, wenn sie in einer ausweglosen Situation gefangen ist. In der Kurzgeschichte finden sich immer wieder Illustrationen, die Galatea nicht nur Form und Farbe geben, sondern auch die eigentlich idyllische Welt verdeutlichen, die für sie möglich wäre. Der einzige Lichtblick in ihrem Leben ist ihre Tochter und die Erinnerungen, die sie mit ihr verbinden. Es ist das einzig Schöne, das ihr geblieben ist, denn alle anderen Erlebnisse, die nicht von ihrer Tochter geprägt sind, werden von einem schwarzen Schleier der Trauer und des Missbrauchs verdeckt. Fazit und Leseempfehlung Madeline Miller gelingt es auf beeindruckend kurzem Raum, eine tiefgreifende und schmerzhafte Geschichte über Befreiung und weibliche Selbstbehauptung zu schreiben. Trotz der Kürze lässt das Buch einen nicht mehr los und regt nachhaltig zum Nachdenken über Machtstrukturen und das Erbe klassischer Sagen an. Dieses Buch ist eine absolute Empfehlung für Fans von Madeline Millers anderen Werken wie „Ich bin Circe“, aber auch für alle, die sich für Neuerzählungen griechischer Mythen aus einer modernen, kritischen Perspektive interessieren. Wer kurze, aber intensive Geschichten mit einer starken Botschaft schätzt, sollte dieses kleine Kunstwerk unbedingt lesen.



















































