17. Okt.
Rating:4

Superheldengeschichte mit Tiefgang

Mit „Stuntboy rettet die Welt“ hat der bekannte Kinder- und Jugendbuchautor Jason Reynolds einen neuen Comicroman mit Illustrationen von Raúl the Third veröffentlicht. Worum geht es? Portico Reeves ist ein normaler Junge, der immer wieder mit seinen Angstattacken zu kämpfen hat. Um mit seinen „Phobies“, wie er sie nennt, klarzukommen, wird er zu Stuntboy, denn als Superheld kennt er keine Ängste. Seine Superkraft ist, dass alle anderen super sind und dafür sorgt er mit seinen Stunts. Er beschützt seine beste Freundin Zola, seine Nachbarn im Wohnblock und vor allem seine Eltern, bei denen immer öfter dicke Luft herrscht. Wird Stuntboy dieser großen Aufgabe gewachsen sein? Meine Meinung: Das ansprechende Cover zeigt den Protagonisten als Superheld auf den Dächern der Siedlung. Die Illustrationen im Inneren sind sehr großzügig, aber nicht comictypisch seitenfüllend und nur mit Sprechblasen und Erzählkästchen, sondern es gibt auch längere Textpassagen. Die Farbgebung ist eher minimalistisch gehalten, sonst sind die Zeichnungen allerdings sehr passend. Am Besten fand ich die Illustration auf S. 232 und 233, als die Eltern um das Sofa stritten und Gran Gran sogar noch schlafend darauf saß. Auch sehr gelungen, wenn auch ein wenig verstörend, ist der zweigespaltene Portico auf S. 242 und 243. Zu guter Letzt möchte ich noch die besonders tollen Illustrationen von der Katze Immer Anders hervorheben. Der Schreibstil war am Anfang sehr gewöhnungsbedürfig, weil die Zielgruppe Kinder und Jugendliche sind und dies auch bei der Wortwahl berücksichtigt wurde. Neben dem Hauptcharakter Portico Reeves alias Stuntboy gibt es noch seine beste Freundin Zola, seine Familie bestehend aus Mr. und Mrs. Reeves, Gran Gran und der Katze Immer Anders sowie zahlreiche andere Bewohner des Wohnhauses. Eine weitere wichtige Person ist Herbert Singeltray der Fiese. Während er am Anfang immer als Porticos und Zolas Gegenspieler fungierte, erfährt man im letzten Teil des Buches viel über seine Vergangenheit. Da es da einige Gemeinsamkeiten mit Portoco gibt, entsteht dann doch eine Freundschaft. Meine Lieblingscharkter war Zola, weil sie immer versucht mit ihren Ratschlägen Portico mit seinen Angstattacken zu helfen. Auch toll finde ich Zolas Mutter mit ihren psychologischen Tipps, mit denen die Kinder natürlich nichts anfangen können, wie zB durch die Zehen atmen. Während das Buch am Anfang nach einem netten Comic für zwischendurch aussieht, bekommt es mit fortschreitender Geschichte immer mehr Tiefgang und behandelt mit der Trennung der Eltern ein sehr schweres Thema für Kinder und Jugendliche. Vor allem die bildliche Darstellung des geteilten Portico, als sich seine Eltern um ihn steiten, veranschaulicht das Gefühlschaos und das „hin und her gerissen sein“. Viele Scheidungskinder werden sich hier wiedererkennen. Als störend empfand ich die Werbepausen mitten im Kapitel. Die Idee an sich fand ich gut, weil das ganze Buch als Fernsehserie mit mehreren Folgen aufgebaut ist. Jedoch fühle ich mich jedes Mal aus der Geschichte gerissen, weil es meinen Lesefluss stört. Die Sprache und der Stil vom Buch strahlen eher Einfachheit aus, ganz im Gegensatz zu den Themen des Buches, die sehr schwierig sind. Neben Mobbing spielt auch die Trennung der Eltern eine große Rolle. Ich denke Portico hat den Superhelden Stundboy nur erfunden, um sich hinter einer Maske verstecken zu können, wenn ihn etwas zu sehr belastet. Was dabei herauskommt, wenn man vor seinen Problemen wegläuft und diese nicht anspricht, sieht man ja am Ende des Buches. Fazit Für eine gut gelungene Geschichte, die schwierige Themen wie Mobbing und Scheidung aufgreift und sicher mehreren Kindern aus der Seele spricht, gebe ich 4 von 5 Sternen.

Stuntboy rettet die Welt
Stuntboy rettet die Weltby Jason ReynoldsKaribu – ein Verlag der Edel Verlagsgruppe