
Reizüberflutung & Ängste
Spoilerfreie Rezension TW: Suizid(-versuch), psychische Belastungen/ Krankheitsbilder Im Mittelpunkt der Geschichte steht Juli, eine junge autistische Frau, die nach einem Suizidversuch auf einer psychiatrischen Station landet. Dort begegnet sie Sophie und Philipp; mit ganz unterschiedlichen psychischen Belastungen, die sich auf ihre eigene Weise durchs Leben kämpfen. Die eigentliche Handlung hat mich eher solide unterhalten, aber die Art, wie erzählt wird, war so besonders und schön! Die Sprache ist poetisch, viele Gedanken und Beobachtungen sind mir direkt unter die Haut gegangen. Julis Innenwelt fand ich unglaublich eindrücklich beschrieben. Ihre Reizüberflutung, Ängste und Gefühle werden so greifbar gemacht, dass man als außenstehende Person (zumindest ansatzweise) versteht, wie anstrengend und überwältigend Alltag sein kann. Gleichzeitig hatte ich nie das Gefühl, dass die Figuren auf ihre Diagnosen reduziert werden. Sie sind kompliziert, anstrengend, liebenswert und widersprüchlich; ich hab’s geliebt. „Kennst du einen Autisten, kennst du genau einen Autisten.“ Die Geschichte versucht nicht, eine allgemeingültige Darstellung zu liefern, sondern erzählt von einem ganz individuellen Erleben. Das ist, wie ich finde, sehr gelungen. Die Autorin selbst meinte, dass aus einzelnen Texten und Gedankensplittern irgendwann ganz ungeplant diese Geschichte entstanden sei und so fühlt sich das Buch manchmal auch an; wie viele kleine Gedanken, Gefühle und Beobachtungen. Wichtig: Im Buch fällt das I-Wort und im Klappentext (Bezug auf die Autorin) „Asperger-Syndrom“. Das Buch ist 2017 erschienen, also zu einer Zeit (korrigiert mich bitte, wenn ich falsch liege) in der solche Begriffe zumindest noch deutlich verbreiteter und gesellschaftlich weniger diskutiert waren als heute.








