
Anscheinend ist der Alltag im Mittleren Management der Hölle ziemlich Turbulent
Meine Entdeckung auf der @wortwelten_buchmesse! Die besten Freundinnen Mia und Cay sprengen sich (und ein paar andere) bei einer Girl’s Night Out aus Versehen selbst in die Luft und landen im Afterlife. Doch da gibt’s einige Probleme, denn irgendwie ist der Check-In-Schalter verwaist. Also bleibt den beiden (und Ankie, der Dritten im Bunde) nur die Möglichkeit, sich selbst zuzuteilen, zumindest so gut sie können. Dass sich bei Cay aber ausgerechnet dann ihre Bindungsängste zeigen und sie sich so als einzige für die Rolltreppe nach unten entscheidet, hilft ihr nur bedingt. Denn sie landet in der Hölle, allein, mit einem eher verwirrten Dämonen an der Tür. Kurz darauf wird sie allerdings von einem gutaussehenden Dämon aufgegabelt, der, wie sich herausstellt, R., der CEO der Hölle, ist. Die beiden verstehen sich unglaublich gut, sodass R. Cay anbietet, sie ebenfalls in einen Dämon zu verwandeln. Nachdem er lernt, dass Charon fehlt, der eigentlich den Check-In-Schalter im Jenseits besetzen soll und die Rolltreppe zum Himmel auf mysteriöse Weise auch noch ausfällt, macht R. sich auf die Suche und bittet Cay ihn in seiner Abwesenheit zu vertreten. Schnell stellt sich heraus, dass hinter einem der Probleme Mia steckt, die deshalb aus dem Himmel in R.s Büro eskortiert wird. Dort verwandelt sich Mia (mithilfe von ein bisschen Gewalt) ebenfalls in einen Dämon und gemeinsam versuchen sie das Problem mit der Seelenzuteilung zu lösen. Außerdem ist R. auf einer Party verschwunden, und während die beiden Neu-Dämoninnen versuchen R. zurückzuholen, versucht sich der oberste Seelenzuteiler Minos an einem Coup d’État (oder eher einem Coup d’Enfer). Eine absolut abgedrehte Story, die für mich unglaublich gut funktioniert. Und im Vergleich zu vielen anderen Fantasy-Geschichten auch einfach was komplett anderes. Statt auf irgendwelche Höllenfestungen treffen Cay und Mia auf die höllische Bürokratie und die Corporate-Welt, die R. aufgebaut hat. Auch dass die beiden ohne große Anhaltspunkte versuchen müssen, diesen Behemoth zu meistern, hat mir geholfen mich im Worldbuilding zurechtzufinden. Wer in der klassischen und historischen Literatur besser gebildet ist als sich, und Dantes Inferno aus der Göttlichen Komödie kennt, wird sicherlich einiges wiedererkennen, aber auch ohne kunstgeschichtliche Bildung macht Cathryn Holisters Hölle eine Menge Spaß. In “Inferno für Anfänger” sind auch nicht alle Dämonen gleich, es gibt diverse Arten, Kategorien und Ränge, die man vor allem daran erkennt, wie anthropomorph (also menschlich) die Wesen sind. Und natürlich darf in einer guten fiktiven Welt auch die Politik nicht fehlen: auf der einen Seite gibt es natürlich Minos und seinen Putsch-Versuch, aber auch die politischen Beziehungen zwischen Himmel und Hölle sind scheinbar sehr angespannt. Und in der Hölle darf Satan nicht fehlen, wobei der eher die Rolle als teils schmollender, bayrisch-sprechender, vom eigenen Sohn abgesägter Ex-Herrscher übernimmt. Auch Cay und Mia als Charaktere gefallen mir sehr gut. Es wird schnell klar, dass Mia der eindeutig schlechtere Einfluss ist, aber ich glaube das Attribut “unhinged” kann ich ruhigen gewissens beiden zuschreiben. Gemeinsam sind die aber eine unglaublich geniale, wie desaströse Kombi (an der Stelle: der arme Raphael!). Aber moralisch einwandfreie Dinge tun, bringt ja auch niemanden in die Hölle. Außerdem möchte ich auch eine weitere Sache hervorheben, die ich so noch nicht kannte. Beide Romane rund um Cay und Mia, also “Inferno für Anfänger” und der zweite Teil “Inferno, Chaos und Komplotte” haben eine App, mit denen die Runen und Zeichnungen in den Büchern eingescannt werden können und so Augmented Content (also erweiterter Content) in der Form von Audiologs, Bildern bis hin zu Comics und lateinischen Übersetzungen geöffnet werden kann. Das Buch kann aber auch ohne den Content gelesen und verstanden werden. Wenn ich einen kleinen Kritikpunkt an dem Buch habe, dann, dass ich echt etwas gebraucht habe, um mit der Formatierung warmzuwerden oder damit, dass ein Charakter nur Latein spricht. Für letzteres gibt es zwar hinten im Buch eine Übersetzung, allerdings hat es mich jedes Mal ein bisschen aus dem Lesefluss gebracht, zu blättern und ich hätte mich eher darüber gefreut, wenn die Übersetzungen in Fußnoten gewesen wären. Aber beide Punkte sind meckern auf wirklich hohem Niveau. Ich freu mich so krass auf “Inferno, Chaos und Komplotte”, aber möchte ja (in dem Fall leider) erst meinen SuB ablesen. Wer auf Lust auf eine etwas andere, turbulente Geschichte mit Dämonen hat, sollte sich die Geschichten von Mia und Cay unbedingt anschauen. Wenn ihr einen kurzen Eindruck haben wollte: Das fantastische Erlebnishörbuch “Aber der Kaffee in der Hölle ist einfach besser” gibt in einigen Kurzgeschichten einen Einblick in das höllische Leben der beiden Mittleren-Management-Dämoninnen.




