Eine Weiterentwicklung im tiefen Urwald
Der zweite Band der Memoiren von Lady Trent setzt die Tradition des Vorgängers gekonnt fort. Dieses Mal begleiten wir die mutige Forscherin auf eine weitere Expedition, die sie tief in einen unberechenbaren Urwald führt. Im direkten Vergleich zum ersten Teil wird schnell deutlich, dass die Emanzipation von Lady Trent ein großes Stück vorangeschritten ist. Sie bietet ihrer Verwandtschaft sowie ihren Freunden selbstbewusst die Stirn, steht felsenfest für ihre eigene Meinung ein und trägt mittlerweile sogar ganz praktisch Hosen. Während sie im Auftakt der Reihe stellenweise noch sehr jung wirkte, merkt man ihr die vergangenen drei Jahre deutlich an. Mit ihren inzwischen 22 Jahren ist sie ein gutes Stück reifer geworden. Sie besitzt zwar immer noch das mitreißende Temperament einer Jugendlichen, wirkt insgesamt jedoch gefestigter in ihren Persönlichkeit. Der Fokus verschiebt sich von den Drachen zur Protagonistin Ein Aspekt, der bei diesem Roman auffällt, ist die Präsenz der titelgebenden Wesen. Es dauert ungefähr ein Viertel des Buches, bis wir überhaupt den ersten Drachen zu Gesicht bekommen. Zwar gibt es im Verlauf der Handlung immer wieder Phasen, in denen sich alles um die Forschung dreht, und auch die Begegnungen mit den Drachen sind wieder hochgradig interessant gestaltet. Dazwischen liegen jedoch längere Strecken, in denen fast ausschließlich Lady Trent und die gesellschaftspolitischen Herausforderungen vor Ort im Mittelpunkt stehen. Während das Zusammenspiel dieser beiden Elemente im ersten Band etwas ausgeglichener wirkte, liegt der Fokus hier ganz klar auf der Charakterentwicklung der Protagonistin. Für mich persönlich war das völlig in Ordnung, da Lady Trent eine faszinierende Figur ist, aber der eine oder andere könnte sich durchaus an der geringeren Drachen-Action stören. Fazit und Lesehinweis Der zweite Band bietet eine gelungene Fortsetzung für alle, die tiefer in die Welt und die persönliche Geschichte der Forscherin eintauchen möchten. Wer die Reihe lesen möchte, sollte jedoch im Hinterkopf behalten, dass es sich eher um ein Charakterdrama und einen fiktiven Reisebericht handelt als um ein reines Drachenabenteuer. Wer sich darauf einlässt, wird mit einer starken weiblichen Hauptfigur und einem packenden Setting belohnt.



























