
VIEL POTENZIAL ABER SCHWANKENDE UMSETZUNG! Wo ist Emily von Andreas Laufhütte ist eins dieser Bücher, bei denen Atmosphäre und Grundidee stärker waren als die eigentliche Umsetzung. In der Wüste Nevadas wird die 14-jährige Samantha vor laufender Kamera ermordet. Kurz darauf verschwindet auch ihre 11-jährige Schwester Emily spurlos. Es beginnt ein verzweifeltes Rennen gegen die Zeit, um das Mädchen vor den Tätern zu retten. Als offizieller Auftakt der Curnie-Falls-Reihe entführt uns Anderas Laufhütte in eine abgelegene Kleinstadt mitten in Nevada. Schon nach wenigen Seiten entsteht eine düstere und unangenehme Grundstimmung. Verlassene Straßen, staubige Landschaften, heruntergekommene Häuser und die emotionale Kälte der Umgebung verleihen der Geschichte einen beklemmenden Charakter. Gerade dieses Setting gehört ohne Zweifel zu den größten Stärken des Buches und sorgt dafür, dass man sich schnell mitten in Curnie Falls befindet. Die Geschichte rund um Emilys Verschwinden erzeugt schnell Spannung und schafft es immer wieder, unangenehme Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Vor allem die Schauplätze, die dunklen Geheimnisse der Kleinstadt tragen viel dazu bei, dass die Story trotz ihrer Schwächen nie völlig uninteressant wird. Allerdings hinterließ das Buch insgesamt trotzdem ein eher gemischtes Leseerlebnis. Immer wieder entsteht das Gefühl, dass manche Szenen künstlich gesteckt werden, ohne die eigentliche Geschichte wirklich voranzubringen. Dadurch verliert die Handlung phasenweise an Dynamik und der Lesefluss gerät in Stocken. Besonderes im Mittelteil tritt die Story stellenweise auf der Stelle, wodurch die Spannung nicht konstant gehalten werden kann. Auch die Figuren bleiben hinter den Erwartungen zurück. Viele Charaktere wirken oberflächlich und bekommen zu wenig Tiefe, um wirklich greifbar zu werden. Einige Verhaltensweisen und Entscheidungen erscheinen nicht immer nachvollziehbar und manche Dialoge wirken künstlich oder etwas hölzern. Dadurch fällt es schwer, eine echte Bindung zu den Personen aufzubauen oder emotional vollständig mit ihnen mitzufühlen. Was das Buch letztendlich rettet, ist vorallem der Schlussabschnitt. Gegen Ende zieht das Tempo spürbar an und die Geschichte entwickelt endlich die Intensität, die man sich früher gewünscht hätte. Das Finale ist spannend, emotional und atmosphärisch stark geschrieben. Für Fans von düsteren, harten Thrillern mit bedrückender Atmosphäre kann sich ein Blick auf den Auftakt der Reihe also durchaus lohnen, auch wenn hier nicht das gesamte Potential ausgeschöpft wurde.





















