"Die Finsternis ließ die Fantasie blühen. Und die Fantasie mehrte im Dunkeln meist die Angst."
In einem Interview von 2023 sprach Martinowitsch u.a über den Roman: "Nacht vermittelt das Gefühl, dass ich vor dem russischen Angriffskrieg hatte und das ich auch jetzt noch habe. Wir leben in einem neuen Alter der (Selbst)Zerstörung. [...] Es fühlt sich an, als sei diese Welt an ein Ende gekommen. [...]." __________________________________________ Die Martinowitsche Post-Apokalypse. Eine dystopische Welt der ewigen Kälte und Dunkelheit. Nach der Einführung in das in verschiedene Territorien zersplitterte Minsk und das "alltägliche" Leben der Menschen, sowie des Antiquars Knischnik und seiner Hündin Gerda (Der letzten noch nicht gefressenen Hündin) macht sich Knischnik auf um seine Frau wiederzufinden, die sich zum Zeitpunkt des Blackouts am anderen Ende der Welt aufhielt. Ein sebst auferlegtes Himmelfahrtskommando.. Dabei muss er nicht nur der unwirklichen Umwelt trotzen, sondern auch wie in jeder guten Post-Apokalypse, dem größten aller Feinde, nämlich anderen Menschen. Wobei man unweigerlich erst einmal vermutet, - ok der arme Bursche schafft es vielleicht ein paar Wochen, dann passieren tragische Zwischenfälle und natürlich wird bestimmt auch der süße unschuldige Hund dran glauben müssen.. - Diese Erzählmuster klingen doch erst einmal sehr konventionell und fast schon ausgelutscht. Doch es wäre kein Roman von Martinowitsch, wenn die Art des Erzählens hier nicht in gänzlich anderen Sphären abliefe. Martinowitschs Stil ist für mich unverkennbar. Er begeistert mich immer wieder und kommt auch hier wieder hervorragend zum Tragen. Ich denke letztendlich, das Buch ist vielleicht sogar eher als Parabel zu begreifen, anstatt einer stringent erzählten Geschichte. Philosophisch, doch auch immer mit einer Prise subversivem Humor, gesellschaftskritisch (aber clever verpackt), manchmal zynisch, manchmal traurig. Und trotzdem wird man am Ende mit etwas entlassen, das einem Hoffnungsschimmer eventuell entfernt ähnelt... "Die Welt ist verrückt geworden. [...] und wenn die Welt verrückt geworden ist, hilft der Kompass sicher nicht dabei, den gesunden Menschenverstand zu finden. Dafür ist er nicht gedacht."

