Es ist nicht einfach, dieses Buch zu bewerten. Während des Lesens habe ich sehr geschwankt in meiner Beurteilung, da mir manche Darstellungen einfach nicht gefallen haben. Aber letztlich kann ich dem Buch nicht weniger als 4 Sterne geben, denn es ist schon mal lobenswert, dass eine Autorin das Thema Flüchtlinge in Deutschland in einen Roman aufnimmt und dann noch den Versuch startet, die Geschichte sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene interessant zu gestalten. Generell hat sich Jennifer Benkau sehr viel vorgenommen mit ihrem Buch. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass sie auch wirklich jedes Problem, was sich durch die Aufnahme der Flüchtlinge in den Kommunen ergibt, in der Handlung verarbeiten möchte. Einerseits ist das beachtlich, andererseits scheitert sie fast auch an ihren eigenen Ambitionen. Mir wäre es an manchen Stellen lieber gewesen, sie hätte sich etwas auf bestimmte Themen fokussiert. Doch sie hat den Anspruch, die Traumata der Flüchtlinge, die Frustration der Helfer, die Langeweile der Campbewohner, den Rassismus in der Familie, die Kultur, Religion und Politik Syriens, die Bürokratieprobleme und den Angriff auf Asylantenheime in die Geschichte einzuweben. Das wäre eigentlich schon ausreichend. Doch damit das Buch für den Jugendmarkt attraktiv ist, wird dann auch noch eine Liebesgeschichte integriert und die Eltern ausgesprochen intolerant beschrieben. Alles ganz schön viel für so eine 16jährige Protagonistin, die wie eine Heilige in ihrer Rassistenfamilie wirkt. Da ist vieles sehr trennscharf in Gut und Böse aufgeteilt und es fehlen die Grautöne. Doch während ich nach zwei Drittel schon zu einer insgesamt kritischen Beurteilung tendierte, wird das Buch dann gegen Ende nochmal erstaunlich gut und plötzlich erkannt man Entwicklungen in den Figuren. Gerade bei den kontroverseren Diskussionen zwischen Toni und ihrem Eltern hat das Buch seine Stärken. Diese Art von Schlagabtausch wirken sehr authentisch. Dagegen sind die Schilderungen Shrivans über sein Heimatlamd mir zu reflektiert und sprachlich ausgefeilt. Diese Art von Unterhaltung in englischer Sprache kann man sich bei einem jungen Syrer kaum vorstellen, vor allem auch die sprachliche Gewandtheit der zwei Jahre jüngeren Deutsche, die zuvor noch nie groß Konversation auf englisch geführt hat, erstaunte mich. Doch das ist alles Meckern auf hohem Niveau. Der Erzählstil ist flüssig, die Sprache für Jugendliche sehr gut geeignet (die Autorin sagt, dass das Buch ab 12 Jahre gelesen werden kann) und die Hintergründe sind gut recherchiert. Selten habe ich ein Nachwort gelesen, welches so wichtig für ein Buch war. Meiner Ansicht nach ein wichtiges Buch, dass als Schullektüre dienen sollte. Auf jeden Fall lesenswert.
Es ist nicht einfach, dieses Buch zu bewerten. Während des Lesens habe ich sehr geschwankt in meiner Beurteilung, da mir manche Darstellungen einfach nicht gefallen haben. Aber letztlich kann ich dem Buch nicht weniger als 4 Sterne geben, denn es ist schon mal lobenswert, dass eine Autorin das Thema Flüchtlinge in Deutschland in einen Roman aufnimmt und dann noch den Versuch startet, die Geschichte sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene interessant zu gestalten. Generell hat sich Jennifer Benkau sehr viel vorgenommen mit ihrem Buch. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass sie auch wirklich jedes Problem, was sich durch die Aufnahme der Flüchtlinge in den Kommunen ergibt, in der Handlung verarbeiten möchte. Einerseits ist das beachtlich, andererseits scheitert sie fast auch an ihren eigenen Ambitionen. Mir wäre es an manchen Stellen lieber gewesen, sie hätte sich etwas auf bestimmte Themen fokussiert. Doch sie hat den Anspruch, die Traumata der Flüchtlinge, die Frustration der Helfer, die Langeweile der Campbewohner, den Rassismus in der Familie, die Kultur, Religion und Politik Syriens, die Bürokratieprobleme und den Angriff auf Asylantenheime in die Geschichte einzuweben. Das wäre eigentlich schon ausreichend. Doch damit das Buch für den Jugendmarkt attraktiv ist, wird dann auch noch eine Liebesgeschichte integriert und die Eltern ausgesprochen intolerant beschrieben. Alles ganz schön viel für so eine 16jährige Protagonistin, die wie eine Heilige in ihrer Rassistenfamilie wirkt. Da ist vieles sehr trennscharf in Gut und Böse aufgeteilt und es fehlen die Grautöne. Doch während ich nach zwei Drittel schon zu einer insgesamt kritischen Beurteilung tendierte, wird das Buch dann gegen Ende nochmal erstaunlich gut und plötzlich erkannt man Entwicklungen in den Figuren. Gerade bei den kontroverseren Diskussionen zwischen Toni und ihrem Eltern hat das Buch seine Stärken. Diese Art von Schlagabtausch wirken sehr authentisch. Dagegen sind die Schilderungen Shrivans über sein Heimatlamd mir zu reflektiert und sprachlich ausgefeilt. Diese Art von Unterhaltung in englischer Sprache kann man sich bei einem jungen Syrer kaum vorstellen, vor allem auch die sprachliche Gewandtheit der zwei Jahre jüngeren Deutsche, die zuvor noch nie groß Konversation auf englisch geführt hat, erstaunte mich. Doch das ist alles Meckern auf hohem Niveau. Der Erzählstil ist flüssig, die Sprache für Jugendliche sehr gut geeignet (die Autorin sagt, dass das Buch ab 12 Jahre gelesen werden kann) und die Hintergründe sind gut recherchiert. Selten habe ich ein Nachwort gelesen, welches so wichtig für ein Buch war. Meiner Ansicht nach ein wichtiges Buch, dass als Schullektüre dienen sollte. Auf jeden Fall lesenswert.
‚Es war einmal Aleppo‘ von Jennifer Benkau ist ein Buch, über das man reden sollte. Oft und immer wieder. Mit so vielen Leuten wie möglich. Denn die Geschichte ist Alltag in Deutschland. Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Demonstrationen gegen Asylunterkünfte. Hass gegen Menschen, die so sind wie du und ich. Mit dem einzigen kleinen Unterschied, dass sie nicht hier geboren sind. Sondern z. B in Aleppo, in Syrien. Einem Land, das vom Krieg geprägt ist, von gewalttätigen Auseinandersetzungen verschiedener Gruppierungen, so unübersichtlich, das man sich damit intensiver auseinandersetzen muss, als der kurze Einblick im Laufe der Geschichte es ermöglicht, um die Zusammenhänge zu verstehen. Und selbst dann bezweifle ich, dass man alles überblicken und beurteilen kann. Aber das Ergebnis ist klar: Das ist keine Umgebung, in der man leben kann und möchte. Wer will es den Geflüchteten verdenken, dass sie ihr Land verlassen haben? Ihre Stadt, die zerbombt ist, ihre Familie, da der Weg nach Europa für alle zusammen einfach zu gefährlich ist? Ich habe während des Lesens so viel gelernt, denn Sharvin erzählt nicht nur Toni von seinem Schicksal, sondern auch mir. Er schildert seinen Alltag in Aleppo, als es dort noch lebenswert war. Freunde treffen, im Café entspannen, die Stadt erkunden. Kommt dir bekannt vor? Und dann der Umschwung. Die immer lauernde Gefahr, das Leid, der Tod und der einzige Ausweg fort, in Sicherheit, vielleicht nach Europa? Ein grausamer und gefährlicher Weg. Als ich die Geschichte begonnen habe, dachte ich, sie hätte genauso gut in meinem Heimatort spielen können. Dieselben Reaktionen gab es hier auch. „Flüchtlinge aufnehmen? Gerne. Aber nicht hier.“ „Die Gefahr für unsere Frauen ist zu groß.“ „Ich kann mein Kind nicht jetzt nicht mehr allein auf die Straße lassen.“ „Die klauen doch bloß.“ „Das sind alles Terroristen…“ Ich denke, das kennst du. Gerade diese Identifikation mit der Situation hat mich so mitgenommen. Denn was habe ich getan, damit diese Vorurteile verschwinden? Ich habe anfangs versucht, aufzuklären. Doch ich bin schnell gescheitert, da ich mich auch nicht wirklich auskenne und die Lage in Syrien immer noch so unübersichtlich finde. Und dann dachte ich mir: Muss man Menschen mit Argumenten kommen, dass sie andere Menschen nicht pauschal verurteilen und nur das Schlechteste von ihnen denken? Nein. Denn ich finde, das sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Menschlichkeit, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft sind die Attribute, die nicht nur in Zeiten der Not ganz groß geschrieben werden sollten. 5 Sterne.
"Aleppo" kennt heutzutage leider wohl jedes Kind. Es ist in aller Munde, in den Nachrichten, in Zeitungen, in Radios, im Internet. Eine einstmals wunderschöne syrische Stadt, die es so in naher Zunkunft nicht mehr geben wird. Sie lebt in Erinnerungen der Menschen weiter, die es geschafft haben, von dort zu fliehen und zu überleben. Viele dieser Menschen sind nach Europa geflohen, überwiegend nach Deutschland. Nach der ersten "Herzlich Willkommen-Welle" kippte die Stimmung in Deutschland. "Er [der Sommer 2015] wird mir in Erinnerung bleiben als der, in dem normale Leute begannen, Menschen zu hassen, weil sie die Frechheit besaßen, ihr nacktes Leben retten zu wollen. Und dabei eine fremde Sprache zu sprechen." (Aus dem Nachwort der Autorin) Die Angst, die Abneigung und der Hass machte sich breit - inmitten der Menschen, wie Du und ich es sind. Und genau da fängt die Geschichte von Toni und Shirvan an. Es mag wohl nach einer seichten Liebesgeschichte klingen, aber weit gefehlt! Jennifer Benkau hat mit diesem Jugendroman, mit einfachen Worten die Stimmung und alle Blickwinkel aufgefangen und ihnen Namen gegeben. Jeder Protagonist steht für eine Strömung und eine Denkweise, die derzeit in der Bevölkerung präsent ist. Es gibt die Guten und die Bösen, die Ängstlichen, Unsicheren und die Tatkräftigen. Auch Wütende, Enttäuschte und Besorgte kommen zu Wort. All diese stehen sich gegenüber und betrachten die Situation der Flüchtlinge in Deutschland aus ihrer Motivation heraus. Anhand von Tonis Familie wird deutlich, wie das Thema Flüchtlinge Menschen, ja sogar Familien spalten kann. Die Angst mit der neuen Situation, plötzlich ein Flüchtlingslager auf der anderen Straßenseite vorzufinden, umgehen zu müssen, sich alleingelassen zu fühlen, wird deutlich. Doch wie kann man damit umgehen? Wer sind diese Flüchtlinge überhaupt? Ich finde, Jennifer Benkau hat mit ihrem Buch gute Argumente, Lösungen und Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt, mit dieser Situation umzugehen. Sie hebt Flüchtlinge aus der Masse heraus und gibt ihnen ein Gesicht. Sie macht aus ihnen wieder Menschen, die so wie wir waren. "Wir sind nicht als Flüchtlinge geboren worden und nicht daran gewöhnt, so zu leben. Bis vor Kurzen waren wir normale Leute. Wir haben uns gut angezogen, Parfum aufgelegt, unsere Haare gestylt und sind ausgegangen." Die "Masse" Flüchtlinge wird zerteilt und es ergeben sich viele, viele Einzelschicksale, die untereinander wiederum kaum vergleichbar sind. Dahinter stehen Menschen mit Gefühlen, Ängsten aber auch Visionen und Vorstellungen für ihre Zukunft. Das darf nie vergessen werden! "Es war einmal Aleppo" erinnert uns daran. Lasst uns Tonis Familie folgen. Artikuliert eure Unsicherheit, eure Ängste aber bleibt an diesem Punkt nicht stehen. Macht die Augen auf, schaut die Menschen an, wühlt in euch und kommt zum Ursprung der Menschlichkeit zurück! Es ist die Freundlichkeit, die uns Spaß macht, es ist die Empathie, die Gefühle weckt, es ist das Verständnis, das uns Handeln lässt, es ist das Teilen, das uns menschlich macht. Wir alle sitzen in einem Boot, getauft auf den Namen Welt. Egal auf welche Seite dieses Boot kippt, wir alle sind betroffen, die einen purzeln früher, die anderen später heraus. Lasst uns das Gleichgewicht wiederfinden, uns aneinander festhalten, Halt geben und zufrieden im Gegleichgewicht der Sonne entgegenschippern. Alles könnte so schön sein...
Dieses Buch behandelt ein Thema, das uns alle seit gut einem Jahr beschäftigt, die Flüchtlingskrise und ihr Umgang damit. Jennifer Benkau beschreibt in ihrem Buch den Alltag einer Flüchtlingsunterkunft, die Schwierigkeiten der Helfer bei ihrer Arbeit, den Alltag der Flüchtlinge, die vieles nicht verstehen, sei es weil sie kein deutsch oder englisch sprechen, oder weil ihnen die deutsche Kultur einfach fremd ist. Erzählt wird das Ganze aus der Perspektive von Toni, einer 16-jährigen die direkt neben der Erstaufnahmeeinrichtung lebt und bei der Rückkehr aus dem Urlaub davon überrascht wird. Ihre Familie spiegelt das wieder, was bei vielen in den Köpfen vorgeht, wenn es um Flüchtlinge geht: Angst vor dem Fremden, Bedenken wegen der Sicherheit, das berühmte Flüchtlingen muss geholfen werden, aber doch bitte nicht vor meiner Haustür. All das, über das überall wieder diskutiert wird, auch ich habe diese Diskussionen bereits geführt. Ich fand dieses Buch einfach grandios. Jennifer Benkau schafft es zu berühren. Man kann sehr gut nachvollziehen, warum Toni handelt wie sie handelt, aber auch das Verhalten von Shirvan und den anderen Flüchtlingen in der Einrichtung sind verständlich. Nebenbei erfährt man aus Shirvans Erläuterungen auch, was in Syrien passiert und warum es nicht so einfach ist den Krieg da unten zu beenden. Ich hoffe sehr, dass das Buch vielleicht auch an Schulen gelesen wird, meines Erachtens kann so dieses schwierige Thema altersgerecht vermittelt werden. Für mich ist dieses Buch definitiv eins meiner Jahreshighlights, ich werde es sicher weiterempfehlen und es, sobald eine Printausgabe erscheint, auch verschenken.
Ich habe keine Ahnung, wie ich dieses Buch rezensieren und bewerten sollte. Den Schreibstil? Der ließ mich durch die Seiten gleiten, ließ die Gefühle wirklich werden und fasste so manche Grausamkeit eiskalt in Worte. Die Charaktere, die an echte Menschen angelehnt sind? Die Handlung, die so in etwa tausendfach passiert ist, ausgenommen die sich wirklich nachvollziehbar und süß entwickelnde Liebesgeschichte? Man merkt dem Buch die im Nachwort beschriebene sehr gute Recherche an und vor allem, dass Jennifer Benkau auf ihre eigenen Erfahrungen in ihrem Ehrenamt zurückgegriffen hat. Auf Erzählungen realer Menschen und auf zahlreiche Interviews und Besuche von Erstaufnahmeeinrichtungen. Es ist schwer, ein Buch zu bewerten, das irgendwie nur die Situation aus dem Sommer 2015 darstellt, eine Situation, die einem selbst aus den Nachrichten durchaus bekannt ist. Und die mit diesem Buch doch in gewisser Weise alltäglicher, realer wird. In dem Buch wird man als Leser vor allem mit zwei Bereichen konfrontiert, die mich dazu veranlasst haben, dass ich das Buch teilweise beiseitelegen musste, weil ich fassungslos und wütend ob dieser Ungerechtigkeit war: Das Schicksal der Flüchtlinge und die Fremdenfeindlichkeit der Deutschen. Ersteres reicht von der Grausamkeit des Krieges bin hin zu der Flucht und den Hürden hier in Deutschland - mit Grenzsperrungen, undurchsichtiger Bürokratie oder eben Fremdenfeindlichkeit, ein Thema, das angesichts des steigenden Populismus immer aktueller wird. Toni selbst lebt in einer Familie, die alles andere als begeistert davon ist, dass in ihrer Nachbarschaft plötzlich ein Flüchtlingsheim ist. Nachdem Toni als Kind ansehen musste, wie ihr Vater von südländisch aussehenden Männern krankenhausreif geschlagen wurde, hat sie Angst vor Migranten. Auch die Ressentiments in ihrer Familie teilt sie anfangs. Doch dann folgt sie zögernd der Aufforderung ihrer engagierten besten Freundin Fee, in dem Camp zu helfen und beginnt, ihre Ansichten zu überdenken. Gleichzeitig begegnet sie in ihrer Familie immer wieder Vorurteilen und hier zeigt die Autorin gekonnt, wie diese auch in einem scheinbar ganz gewöhnlichen, gutbürgerlichen und eigentlich doch gar nicht rassistischen Umfeld auftreten. In der eigenen Familie, bei Menschen, von denen man das so nicht erwarten wollte. Die Autorin zeigt auch, wie wenig hinter diesen Vorurteilen steckt, wie sehr diese die Augen vor dem Schicksal der Menschen verschließen und lässt sie so nur noch unfassbarer wirken. Sie gibt Einblicke die jeweiligen Kulturen, in die Hintergründe der Flucht und des syrischen Bürgerkrieges, alles, ohne dass Infodump auftritt. Nur Fassungslosigkeit angesichts der Ungerechtigkeit. Gleichzeitig hebt die Autorin auch das Engagement von Flüchtlingshelfern hervor - und deren Hilflosigkeit in Anbetracht der Lage. Das Buch hat mich mitgenommen, zum Nachdenken anregt, hat mich berührt, wütend und ungläubig gestimmt und hat mich auch nach dem Lesen nicht losgelassen. In jedem Fall ist es ein sehr empfehlenswertes Buch, gerade weil es so gut geschrieben ist, mit unheimlich vielschichtigen Charakteren und einer mehr als authentischen Handlung.





