
Ein Funken Magie lebt in jedem von uns
Mit dem Tod seiner besten Freundin zerbricht das Leben des jungen Milan. Er gibt sich die Schuld für ihren Kletterunfall und versinkt in Trauer und Selbsthass. Aber dann fliegt ihm ein weißer Wellensittich zu und weicht nicht mehr von seiner Seite. Was er zunächst als seltsamen Zufall abtut, führt ihn schon bald ins Publikum eines reisenden Zirkus und ehe er sich versieht, ist er als Mitreiser engagiert und muss sich dem Abenteuer namens Leben wieder stellen… Mit „Der Mitreiser und die Überfliegerin“ hat Mira Valentin ein berührendes und auch überraschend tiefgründiges Jugendbuch geschrieben, das einen Hauch von Mystery mit Coming of Age, einem Abenteuer und einer Liebesgeschichte verbindet. Klingt nach einer wilden Mischung? Ist es auch. Während Milan dem ganzen Hokuspokus der Zirkusleute und ihrem ungezügelten Leben erst skeptisch gegenübersteht, zieht ihn die ganz eigene Magie dieses wilden, aber keinesfalls sorglosen Lebens in ihren Bann. Außerdem ist da natürlich noch eine gewisse Trapezkünstlerin, die ihn auch nicht ganz kalt lässt. Was als Fantasy-Aspekt mit Seelentieren, magischen Menschen und solchen, die diese Magie stehlen ein wenig an Momo und die grauen Herren erinnert, kann auch als Gesellschaftskritik verstanden werden, die die Autorin mit überspitzen Symbolen darstellt und dabei mit der Fantasie des Lesers spielt. Nach und nach taucht man an Milans Seite ein in das vielseitige, aber auch entbehrungsreiche Leben in einem Zirkus, lernt ein paar echt schräge Vögel kennen (sowohl gefiederte als auch solche mit Armen und Beinen) und begleitet Milans Reise zu sich selbst, auch wenn die mit herben Rückschlägen und Selbstzweifeln einhergeht. Mira Valentin hat das Thema Trauer und Schuld realitätsnah eingefangen und gekonnt mit anderen Aspekten verknüpft, sodass eine teils witzige, aber nicht leichte, vielseitige, manchmal tiefgründige und unterhaltsame Geschichte unter dem Zauber eines Zirkuszelts entstanden ist, die natürlich vor allem Jugendliche anspricht, aber auch anderen Lesern Vergnügen und ein wenig Nachdenklichkeit bescheren kann. Das Buch kommt mit überraschend wenig Drama aus und steigert sich auch gegen Ende nicht in eine unrealistische Handlung hinein, sondern bleibt sich selbst treu: einer Geschichte, die uns daran erinnert, wie bunt und vielfältig das Leben sein kann, dass Herausforderungen uns immer finden werden und dass ein Fünkchen Magie im Herzen jedes Menschen lebt, wenn wir es nur zulassen.















