Zwischen Überzeichnung und Wahrheit
Die Spitzenreiterinnen hat bei mir ein bisschen gebraucht. Während des Lesens war ich oft eher bei 3,5 Sternen – jetzt, mit etwas Abstand, tendiere ich eher zu 4. Vielleicht gerade, weil das Buch etwas macht, was mich gleichzeitig genervt und beschäftigt hat. Ich hatte das Gefühl, in letzter Zeit viele Bücher über weibliche Lebensrealitäten, Mental Load, Beziehungen und gesellschaftliche Rollenbilder gelesen zu haben. Dadurch fehlte mir stellenweise das Neue oder Überraschende. Und: Die Männer kommen hier fast durchgehend schlecht weg. Obwohl ich mich selbst klar als Feministin sehe, war mir das teilweise fast zu eindeutig gezeichnet. Mir ist wichtig, dass auch die Schattenseiten, Unsicherheiten und gesellschaftlichen Erwartungen an Männer sichtbar bleiben – gerade dann wird es für mich oft realistischer und stärker. Aber vielleicht liegt genau darin auch die Besonderheit des Buches. Es zeigt kompromisslos, wie unterschiedlich Frauen leben können – und wie sehr Beziehungen trotzdem Einfluss darauf haben, wie frei, leicht oder schwer ein Leben wird. Fast unabhängig davon, wie stark, erfolgreich oder reflektiert die Frauen selbst sind. Dieser Gedanke ist hängen geblieben. Trotzdem fand ich manche Passagen etwas langatmig und sehr deutlich in ihrer Botschaft. Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr verstehe ich den Charme daran. Kein Wohlfühlroman, sondern eher ein stilles Beobachten weiblicher Lebensentwürfe – manchmal anstrengend, aber definitiv diskussionswürdig.















