Ich habe mich mal wieder selbst dabei ertappt, keine geübte Graphic Novel/Comic-Leserin zu sein.
Leider neige ich immer dazu, mich auf den Text zu konzentrieren und die Bilder nicht wirklich wahrzunehmen, was besonders in diesem Fall eine Schande ist!
Gerade am Anfang schien mir das Buch deswegen irgendwie keinen roten Faden zu haben und das ist auch der einzige Grund, warum ich nicht mindestens 4 Sterne vergeben habe!
Sobald ich mich wieder daran erinnert habe, dass die Bilder Teil der Experience sind, hat das Buch definitiv mehr mit mir gemacht und ich habe sehr geliebt, wie menschlich die Darstellungen der Steinzeitmenschen ist. Humans be humans und das liebe ich!
Ganz zu schweigen davon, wie gorgeous der Stil ist.
Ich werde definitiv den nächsten Teil auch lesen und anschauen.
Vielleicht hätte ich mir noch ein bisschen mehr Fokus auf Kapitel über das Menstruieren und ähnliches gewünscht, aber vermutlich gibt es da einfach nicht mehr Wissen.
Die erste Graphic Novel, die ich gelesen habe - und gleich eine umwerfend gute!
Wobei: die Autorin (und Illustratorin!) @ulli_lust rannte mit dem Thema offene Türen bei mir ein.
Ausgehend von den Funden urzeitlicher kleiner weiblicher Figürchen schreibt und malt sie in faszinierender Weise von den Lebens- und Denkwelten der ersten Menschen.
Zunächst tut sie es in der Verwunderung der schieren Menge weiblicher Darstellungen im Gegensatz zu seiner hundertmal kleineren Anzahl männlich definierter Figuren.
Und sie stellt einige der gängigen Folgerungen für die alten Gesellschaftsformen auf den Kopf - besonders was die Rollen und die Beziehungen zwischen den Geschlechtern angeht.
Dafür greift sie vornehmlich zurück auf umfassende archäologische Quellen, die naturgemäß nicht immer sehr eindeutig sind. Doch auch Verbindungen ins Tierreich knüpft sie und zieht Parallelen zu indigenen Gruppen aus diesem und dem letzten Jahrhundert.
Heraus gekommen ist eine sehr innovative Form der Erzählung und Darstellung, die thematisch und zeitlich flexibel ist und wichtige Antworten auf große Fragen versucht.
Anfangs geht es um den großen Vorteil des Teilens und der Kooperation, später kommen Betrachtungen zu den Klimaveränderungen in den Jahrtausenden. Die lebenswichtige Jagd und dazu gehörende Rituale führen schließlich erneut zum Thema Weiblichkeit, besonders Menstruation und Initiation.
Dass protoreligiöse Vorstellungen und Rituale das Leben und auch das Kunsthandwerk tief beeinflussten, war natürlich klar, wird aber bei Ulli Lust erzählerisch und illustratorisch wunderbar deutlich.
Auch der patriarchal geprägte Blick vieler Forscher wird überdeutlich und entlarvt - z.B. wenn breit gebaute Skelette über lange Zeiten hinweg als männlich angesehen wurden und über ihre DNA letztlich als weiblich identifiziert werden.
Viel Platz lässt die Autorin passenden Zitaten von Forscher*innen und lässt, der Quellenlage entsprechend, den Raum für eigene Schlussfolgerungen offen. Kommentierende Zusammenfassungen finden sich zwar auch, bilden aber nicht den Kern des Buches.
Alles in allem: wunderbar!
Manchmal kommen die Bücher von selbst zu mir und erst im Nachhinein merk ich, warum. :) Diese schöne Graphic Novel habe ich in meiner Bibliothek entdeckt und mitgenommen. Und nach der ersten Hälfte hab ich bemerkt, was für eine wunderbare Ergänzung dieses Sachbuch für „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ ist. Ich hatte es zwei Wochen zuvor abgeschlossen und einige Parallelen in der Graphic Novel entdeckt. Allerdings habe ich dank Ulli Lusts Texte und Zeichnungen eine neue Sicht auf die Entstehung der Menschheitsgeschichte bekommen. Sie hat mir vor Augen geführt, wie stark die Forschung über lange Zeit von Männlichkeit geprägt war und so manche Interpretationen der Funde dadurch eine sehr männliche Prägung erhielten. Sie verbindet Vergangenheit und Gegenwart auf eine sehr informative Weise. Die Illustrationen sind sehr detailreich und hübsch anzusehen.
S.38 „Der Homo sapiens wäre nie entstanden ohne die besondere Verbindung von Empathie und Kognition. (Sarah Blaffer Hrdy)“
S.59 „Im Süden Afrikas sind die Khoisan beheimatet[…]Ihre Kulturen - es gibt regionale Unterschiede - gelten unter vielen Wissenschaftler*innen als Modell für das Zusammenleben der Urgesellschaften. Sie legen sehr viel Wert auf Gewaltvermeidung. Akte der Gewalt kommen vor, aber sie werden nicht glorifiziert wie in anderen Kulturen.“
S.190 „Man geht heute davon aus, dass die Frauen der Eiszeit gejagt haben. Kleinwild mit Fallen und Schlingen sowieso, aber wahrscheinlich auch große Tiere bei den gemeinsamen Jagden. Die Frauen der Eiszeit waren kräftig. Viele Skelette, die aufgrund ihrer Statur als männlich eingestuft worden waren, entpuppten sich nach DNA-Untersuchungen als weiblich.“
Dieses Buch hatte auch 40 Sterne verdient, einen für jedes Jahr, seit ich darauf gewartet habe. Mir schien vieles in der Darstellung der sogenannten Menschheitsgeschichte unlogisch, wieso sollte.jemand wie ich nicht gejagt haben? Nun fühlt es sich befreiend an, wirklich befreiend durch die Bestätigung des alten Zweifels.
Insgesamt war diese Graphic Novel schon interessant, viele Aspekte davon waren mir nicht bewusst und ich habe viel gelernt. Allerdings hatte ich erwartet, dass der Blick vielmehr auf die Rolle und Situation der Frauen gerichtet wird, es war aber tatsächlich eher ein Geschichtsbuch als ein feministisches Buch. ich bin noch unschlüssig, ob ich die Fortsetzung lesen werde.
In einem Kapitel wurde beispielsweise eine Jagdszene beschrieben, an der nur Männer teilnahmen, dabei wurde explizit erwähnt, dass es ein Irrtum ist, dass nur die Männer auf die Jagd gegangen sind und dies sehr irreführend, in regulären Geschichtsbüchern dargestellt wird. Ich meine, mich zu erinnern, dass es zwei oder drei Kapitel waren, die natürlich auf ihre eigene Art eine Mehrwert geboten haben, jedoch mit dem Titel des Buches für mich in keinem Zusammenhang standen.
An einer Stelle wird behauptet, dass nur bei den Menschen die Weibchen menstruieren, dabei habe ich neulich erst einen Podcast gehört, dass dies bei mehreren Säugetierarten der Fall ist. Ich habe mir dann dazu den Verweis angesehen und dort stand dann tatsächlich auch, dass Menstruation auch bei anderen Säugetieren beobachtet wurde. Da verstehe ich nicht warum diese Information dann überhaupt so vorne ins Buch aufgenommen wird. Im Nachhinein hatte ich mir an einigen Stellen gedacht, dass es tatsächlich gut gewesen wäre, sich die Verweise mit durchzulesen. Ich hatte diese bis zu dem Zeitpunkt eher so verstanden, dass dort entweder die Quellenangabe oder aber zusätzliche Informationen zu finden sind, nicht aber eine gegenteilige Darstellung von dem, was vorne im Buch behauptet wird. Das hat mich sehr irritiert und im Nachhinein hatte ich mir gewünscht, die Verweise alle gelesen zu haben, um hier nicht irgendwelchen Irrtümern aufzusitzen.
Insbesondere schwer habe ich mich aber mit dem Aufbau des Buches getan, da für mich oft nicht ersichtlich war, warum die "Geschichte" jetzt den Verlauf nimmt, den sie nimmt. Mir fehlten zum Teil die Übergänge und Zusammenhänge. Es würde einfach aus dem blauen heraus irgendwas erzählt werden, was der Autorin eben gerade eingefallen ist, ohne dies in einen Kontext einzubinden. Der rote Faden war eher ein Zeitstrahl, dabei hatte das erste Kapitel für mich etwas anderes suggeriert.
Ich hab viel gelernt und war oft begeistert beim Betrachten der fantastischen Zeichnungen (besonders der Landschaftsbilder!). Die Graphic Novel, die zugleich ein wissenschaftliches Sachbuch mit Fußnoten ist, erzählt die Geschichte prähistorischer menschlicher Lebensformen mit ständigem Rückgriff auf archäologische Forschung und Zitaten von Anthropolog:innen. Der besondere Fokus liegt auf der Stellung der Frau in prähistorischen Gesellschaften, wozu sich die Autorin insbesondere auf die überwiegend weiblichen Kunstbildnisse beruft, aber auch auf prunkvolle Grabstätten, Skelletknochen und anderes. Nach dem Lesen dieses Werkes (und dem Bestaunen seiner Panels) kann man viele der üblichen Vorstellungen prähistorischer Höhlen- und Buschmänner (keine -frauen?) getrost vergessen – trotz aller Diversität früher Gesellschaften können wir ohne Zweifel schlussfolgern: Frauen jagten, Frauen betätigten sich künstlerisch, Frauen nahmen führende Rollen ein. Ich empfehle das Buch sehr.
Die Menschheitsgeschichte aus der weiblichen Sicht - Wissen zur Archäologie erfrischend anders dargestellt. Das Sachbuch regt sicher nicht nur junge Menschen zum Nachdenken an.
In der Graphic Novel "Die Frau als Mensch" reisen wir an den Anfang der Menschheitsgeschichte und erfahren viel zum täglichen Leben der damaligen Frauen.
Sehr häufig wird in Büchern oder Dokumentationen über die Steinzeit aus einer männlichen Perspektive berichtet. Dieser erste Teil einer Serie fokussiert sich auf die weibliche Geschichte und geht dabei auf das Zusammenleben sowie die Nahrungsbeschaffung verschiedener indigener Völker ein.
Trotz der Schwierigkeit Eiszeitkunst zu messen und chronologisch zu ordnen, enthält das Buch viele wissenschaftliche Belege.
Die Autorin Ulli Lust hat es geschafft, aktuelles Wissen zur Archäologie spannend in Bildern zu verpacken. Die Landschafts- und Tierzeichnungen sowie die Darstellung der Menschen haben mir gut gefallen.
Das Buch hat mMn nicht umsonst den diesjährigen Deutschen Sachbuchpreis gewonnen und ich freue mich schon auf den zweiten Teil.
Insgesamt eine sehr schöne Darstellung wissenschaftlicher Erkenntnisse rund um die prähistorische Frau - und darüber hinaus. Stellenweise hätte ich mir einen klareren roten Faden gewünscht, aber das war, denke ich, eine bewusste Stilwahl.
„Die vielen nackten Frauenfiguren, die seit dem 19. Jahrhundert in den Ausgrabungsstätten auftauchten, verwirrten die männlichen Forscher.“
Die Bedeutung der Frauen in der Urgeschichte - lehrreich und unterhaltsam umgesetzt.
Informativ, konfrontativ und inspirierend. Dieses Buch klärt auf über die frühen Anfänge der Menschheit und zerschlägt dabei patriarchale Annahmen, die selbst in der Wissenschaft weit verbreitet sind.
Begleitet von wunderschön illustrierten Bildern tauchen wir ein in eine Welt, die unvorstellbar weit zurück liegt - und doch wird sie durch die Inszenierung greifbar. Fundstücke der ersten Menschenkulturen werden detailgetreu wiedergegeben und eingeordnet, begleitet von Beschreibungen der damaligen Umwelt und kleinen Geschichten, die so in etwa in der Zeit hätten vorkommen können.
Ein Buch, das irgendwie nostalgisch macht, und aufzeigt, was es eigentlich bedeutet Mensch zu sein - eben kein einfaches „der Stärkere gewinnt“, sondern weitaus mehr.
Klare Empfehlung :)
4,5 Sterne. Sehr gut gemachter Comic, der auch Einsteiger in die Menschheitsgeschichte einführt und so manches schiefe Bild, das durch die patriarchale Sichtweise in der Forschung entstanden ist, geraderückt. Unfassbar, wie manche Forscher einfach grundsätzlich Männer in der Hauptrolle sehen.
Erst kürzlich habe ich bei "Witches, Bitches, It-Girls: Wie patriarchale Mythen uns bis heute prägen" von Rebekka Endler gelesen, dass Frauen aus historischen Erzählungen und Museen herausgestrichen wurden.
… Dass weiterhin der Mythos gesponnen wird, Frauen seien Sammlerinnen gewesen und hätten sich nur um die Familie und Community gekümmert, während Männer ständig auf der Jagd waren.
Mir wurde ja bereits unterstellt, es sei "woke", diese Geschichtserzählung zu hinterfragen. Dabei wurde bereits mehrfach bewiesen - und ja, teilweise weil mehr Frauen in der Wissenschaft tätig sind und von Männern hingeklatschte, aber bewiesenermaßen falsche Annahmen angefangen haben, zu hinterfragen -, sei es durch DNA-Analysen oder andere wissenschaftliche Erkenntnisse, dass die (prä-)historischen Menschen egalitär aufgestellt waren, wo alle Menschen gleichermaßen in alle Tätigkeiten involviert waren.
Mehr noch, und das zeigt Ulli Lust eindrucksvoll in ihrem Graphic Novel "Die Frau als Mensch" auf: Frauen scheinen einen besonderen Wert in diesen Communitys genossen zu haben. Nicht zuletzt wurden bspw. tausendfach mehr Kunstwerke gefunden und ausgegraben, die maßgeblich Frauenfiguren zeigen als Männer. Gräber, die zuvor Männern zugeschrieben wurden, durch DNA-Analysen eindeutig Frauen zugeordnet. All das ist in der Wissenschaftswelt bekannt, allerdings in der breiten Masse (noch) nicht angekommen - nicht zuletzt, weil Museen diese Narrative nicht umsetzen, zu wenige Medienhäuser darüber berichten.
Umso schöner (im doppelten Sinne) ist es zu sehen, wie Ulli Lust mit gängigen Mythen in ihrem Werk aufräumt und die Geschichtsschreibung "geraderückt" - und das mit sehr eindrucksvollen Zeichnungen. Absolute Empfehlung!
Vielen Dank an Netgalley und Reprodukt für das Rezensionsexemplar. Es hat meine Meinung zum Werk nicht beeinflusst.
Sachcomic, der 2025 mit dem Deutschen Sachbuchpreis ausgezeichnet wurde
„Die Frau als Mensch“ ist ein mutiger, kluger und visuell fesselnder Comic, der unsere Vorstellungen von Frühgeschichte auf den Kopf stellt. Ulli Lust gelingt es, mit Empathie und Witz eine alternative Menschheitsgeschichte zu erzählen – eine, in der Frauen nicht nur Gebärende, sondern Gestalterinnen der Zivilisation sind.
Ich fand die grafische und inhaltliche Aufbereitung toll.
Zum Einen ist es immer noch eine Seltenheit, Frühgeschichte aus einem weiblichen Blickwinkel näher gebracht zu bekommen, zum Anderen fand ich den Comic-Stil und die Vermischung von Infoseiten und Geschichten sehr gelungen. Ich habe bei Lektü
re dieses Buches mehr gelernt als bei den letzten Museumsbesuchen in einschlägigen Einrichtungen.
Meiner Meinung nach hat Ulli Lust hierfür zu Recht den Deutschen Sachbuchpreis bekommen.
*Das Buch wurde mir von netgalley als kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.
Super komplexes Wissensgeflecht beeindruckend illustriert und mit viel Freude zu lesen.
Die Auszeichnung mit dem Deutschen Sachbuchpreis 2025 ist absolut angemessen und verdient.
An dieser Stelle sei noch einmal betont, dass mein Herz sehr für Illustrationen schlägt, die von menschlichen KünstlerInnen gestaltet wurden. Das gilt sowohl für Kinderbücher, als auch für das von mir geliebte Genre der Graphic novel.
Ulli Lusts Illustrationen sind wirklich atemberaubend. Und ich habe sie mir nach Abschluss der eigentlichen Lektüre noch einmal Stück für Stück mit Bewunderung angeschaut.
Aber auch inhaltlich ist dieses Werk eine Wucht. Niemals hätte ich mir all das so in anderer Literatur anlesen können, was hier so wunderschön illustriert, butterweich einfach mit viel Freude zu lesen war.
Ulli Lust legt dar, wie das Missverständnis zustande gekommen sein könnte, dass das Patriachat bereits am Anfang der menschlichen Evolution die selbstverständlich bestehende Gesellschaftsform gewesen sei. Dabei geht es auch um feministische Themen, aber für mich steht der kulturhistorische Ansatz noch viel mehr im Fokus. Dabei beginnen wir die Untersuchung dieser Thematik bereits vor dem Auftreten der ersten Menschen und begleiten sie in diesem ersten Band bis an den Anbeginn der Eiszeit heran, um die es mutmaßlich im zweiten Band der Reihe gehen wird.
Dieses Buch hat vollkommen zurecht den Deutschen Sachbuchpreis gewonnen. Es war einer meiner beiden Favoriten und ich empfinde es als ein ganz besonderes Signal, dass eine graphic novel mit diesem Preis ausgezeichnet wurde. Das hatte ich ehrlich gesagt nicht erwartet. Ich durfte bei der Preisverleihung mit anwesend sein und war sehr beeindruckt von der Autorin.
Klare Leseempfehlung!
Sehr facettenreich und informativ, dabei erfrischend anders
Könnt ihr euch an die französische Comic Serie „Es war einmal… Der Mensch“ erinnern? Ich habe sie geliebt und auch im Erwachsenenalter noch mal gestreamt. Es ist fantastisch, wie dort Geschichte vermittelt wird. In dieser Graphic Novel hat @ulli ein ähnliches Prinzip entwickelt. Sie reist zu den Ursprüngen der Menschheit, (sogar etwas davor) und dann durch die folgenden Jahrtausende. Dabei stellt sie eines in den Fokus, die kunstvolle Darstellung der Weiblichkeit und den Einfluss den Frauen auf Strukturen und gesellschaftliches Zusammenleben genommen haben.
Wenn wir die Steinzeit rekonstruieren, sind in den allermeisten Museen und Publikationen männliche Rekonstruktionen in den Fokus gerückt. Bei Ausgrabungen findet man aber mehrheitlich weibliche Abbildungen aus Stein und ähnlichem Material. Warum ist das so? Ist die Frau einfach nur das Objekt der Begierde? Oder hat sie einen höheren Stellenwert als heute? Dies ist dies die erste Frage, der die Autorin versucht, auf den Grund zu gehen. Auf Basis vieler Quellen hat sie ein facettenreiches Werk geschaffen, welches ein Mix aus biologischem und historischem Sachbuch, Graphic Novel und Nachschlagewerk ist.
Was macht eine Frau damals aus, war es die Fähigkeit aus dem monatlichen Blut neues Leben wachsen zu lassen— so dachte man, war sie genauso an der Jagd beteiligt wie die Männer, oder doch nur die „Sammlerin“? Es gibt viele Indizien, die auf eine größere Vielfalt hinweisen, als man bisher angenommen hat.
Interessant ist, dass die Autorin auch einen Blick auf Menschenaffen und Hominiden, wie zum Beispiel die Neandertaler wirft.
Besonders begeistert hat mich das ich viel über die San, die „Söhne und Töchter der ersten Menschen“, erfahren habe. Ich hatte vor acht Jahren die Ehre Zeit mit Ihnen verbringen zu dürfen und einen Einblick in ihre Kultur zu erhalten. In diesem Kapitel wurde ein politischer Blick auf den Umgang mit den San geworfen, und der war mir bis dato unbekannt.
Die detailreichen Zeichnungen und der umfangreiche Text machen das Buch zu einer anspruchsvollen Lektüre. Es gibt so viele Details zu entdecken und zu verarbeiten. Es reicht nicht, es einmal zu lesen. Hier werde ich sicherlich noch öfter meine Nase reinstecken. Mit großer Freude habe ich gesehen, dass es einen zweiten Teil über die Eiszeit geben wird. Ich bin sehr gespannt, wie sich die Reihe weiter entwickelt.
Mir ist bewusst, dass eine Graphic Novel vielleicht nicht unbedingt der Favorit für den deutschen Sachbuchpreis sein wird. Verdient hätte sie es, denn sie transportiert, auf sehr anschauliche Art und Weise Geschichte und Biologie, aber auch Soziologie und Feminismus. Insgesamt bin ich von der Machart dieses Sachbuch sehr begeistert und kann es jeder Person empfehlen, die eine anspruchsvolle Lektüre schätzt, aber keinen Drang hat, einen langatmiges und trockenes Werk in die Hand zu nehmen. Das hier ist erfrischend anders! Natürlich drücke ich meinem Patenbuch feste die Daumen für den Gewinn des deutschen Sachbuchpreises.
Ausgehend von überlieferten weiblichen Figurinen, liefert dieses Buch wichtige Denkanstöße zur Rolle der Frau in der Steinzeit.
Auch unser weibliches Körperbild heute verdanken wir zum Teil den nachträglichen Zuschreibungen unserer Urahn*innen. Ulli Lust präsentiert im Comic anschaulich neueste Forschungsergebnisse der Ur- und Frühgeschichte und stellt althergebrachte Deutungen infrage. Dabei bringt sie auch ethnologische Aspekte von Kulturen indigener Völker ein.
Ein großer Wurf, der einmal mehr beweist, was das Genre Comic alles kann.