"Sind wir denn immer noch die Guten?"
Eine Frage, die ein Sohn seinem Vater stellt, während beide in einer postapokalyptischen Welt ums bloße Überleben kämpfen. Man erfährt nicht was mit der Welt, wie wir sie kennen, passiert ist, nur das sie komplett zerstört ist, das Asche unablässig Himmel regnet und die Straße der einzige Weg zu sein scheint. Die Straße, die einen Weg aufzeigt, aber auch Gefahren birgt, denn man ist niemals allein auf ihr unterwegs. Ich muss gestehen, ich habe das Buch nicht gelesen, ich kenne den Film, der mich ziemlich nachdenklich zurück gelassen hat. Das Ende gibt dem Sprichwort: "Die Hoffnung stirbt zu letzt." einen neuen Anstrich. Manu Larcenet drückt der Geschichte von Cormac McCarthy seinen eigenen Stempel auf. Er schiebt die Grauen, die Düsternis und die Hoffnungslosigkeit in den Vordergrund. Er stellt der Menschheit eigentlich eine Bankrott-Erklärung aus, denn der Vater versucht alles zu tun um seinen Sohn am Leben zu erhalten. Wirklich alles, was ihn in moralische Abgründe wirft, aber Verständnis beim Lesen wegt, denn er tut es aus seiner Sicht zu recht, während die Menschheit anscheinend jegliche Ethik und Moral über Bord geworfen hat und Kannibalismus ubd Gräultaten zum Alltag gehört. Der Vater überschreitet immer wieder die Grenzen zwischen "Gut und Böse", während sein Sohn dabei als Gegenpol wirkt und den Vater immer wieder in die Verantwortung nimmt, ihm Menschlichkeit und Ehrgefühl aufzeigt. Die Bilder, die Larcenet erschaffen hat, wirken ganz ohne Text oder Sprache. Die Kommunikation zwischen Vater und Sohn ist eher karg und dreht sich immer wieder um die gleichen Themen: wohin gehen wir, wird es dort besser sein, werden wir überleben und erhalten wir uns dabei unsere Güte und Humanität??? Ich habe recherchiert, dass die persönliche Auslegung von Larcenet, vor allem wegen dem anders dargestellten Ende, stark diskutiert wird. Wo Cormac McCarthy zum Schluss die Flamme der Hoffnung aufrecht erhält, lässt Larcenet alle Hoffnung fahren. Ich finde durch dieses Ende denkt man umso mehr über den Sinn und die Aussage der Geschichte nach, obwohl mir ein hoffnungsvolles Ende immer lieber ist. Ich muss gestehen, dass die Bilder der Graphic Novel sehr stark wirken und ich die Geschichte, wegen dieser eindrücklichen Düsternis in mehreren kleinen Abschnitten gelesen habe. Die Story überlässt es jedem sich ein eigenes Urteil zu bilden, über den Sinn und die Aussage, die dahinter steht. Ich kann mir vorstellen, dass jeder sich die Frage stellt: "Was würde ich tun?" Und jeder wird eine andere Antwort geben. Ich weiß nicht wirklich, wie meine Antwort lauten würde, bis jetzt habe ich gehofft, ich wäre mutig und stark genug mich solch einem Überlebenskampf zu stellen, doch eins hat Larcenet zumindest bei mir geschafft, ich sehe die letzte Kugel im Lauf eines Revolvers jetzt mit anderen Augen.






