
Eine bilderstarke, queere und tief berührende Grafiknovelle über ein tragisches Doppelleben.
Matthias Lehmann: „Parallel“ In seiner eindrucksvoll gezeichneten Grafiknovelle "Parallel" erzählt Matthias Lehmann die bewegende Geschichte eines Mannes, der sein Leben lang in einer Rolle gefangen ist. Karl führt nach außen das Dasein eines Heterosexuellen, Vater, Mutter, Kind – aus Angst, Scham und dem tiefen Wunsch, dazuzugehören. Lehmann zeichnet das einfühlsame Porträt eines Menschen, der zwischen Selbstverleugnung und Sehnsucht zerrieben wird. Frau und Kind können ihm nicht geben, was ihm fehlt und leiden unter seiner Abwesenheit. Karls Bedürfnis nach Nähe, nach Liebe und Intimität mit Männern bleibt auf heimliche Begegnungen beschränkt – in Parks, an Seen, in öffentlichen Toiletten. Orte der flüchtigen Freiheit, doch immer überschattet von der Furcht, entdeckt zu werden. Lehmanns Stil ist reduziert und ausdrucksstark zugleich. Mit klaren Linien und intensiven Schattierungen fängt er die Spannungen seiner Figuren ein. Jeder Strich erzählt von innerer Not, von Einsamkeit, aber auch von leisen Momenten der Zärtlichkeit. "Parallel" ist eine bilderstarke, queere und tief berührende Grafiknovelle über ein tragisches Doppelleben. Im Jahr 25 des 21. Jahrhunderts erleben wir erneut, wie Rechtspopulismus und wachsende Homophobie das Rad der Zeit zurückdrehen wollen und die Errungenschaften der queeren Community im Kampf um Respekt und Akzeptanz bedrohen. Nicht nur aber auch deswegen kann ich diese Graphic Novel jedem und jeder nur wärmstens empfehlen.





