„Du musst zuerst untergehen, um emporzusteigen“
Kurz vorab, dieses Buch hat mich bewegt. Als Person die sehr weit entfernt von jeglicher Wasserstelle gebaut ist war es durchaus ungewöhnlich, dass ich im Verlauf des Buches einige Male stoppen und die ein oder andere Träne verdrücken musste. Meinen größten Respekt. „So gehn wir denn hinab“ begleitet Annis, ein Mädchen das in Sklaverei geboren wurde und im Verlauf des Buches eine Verbindung zu verschiedenen Geistergestalten aufbaut. Was im ersten Moment wie ein Element aus einem Fantasyroman wirkt täuscht, Jesmyn Ward schafft es diese übernatürlichen Elemente spirituell aufzuladen und mit der Umwelt zu verbinden. Diese besonderen Beziehungen stehen, neben ihrer Erfahrung als Sklavin, im Zentrum der Handlung. Bereits die ersten Seiten des Buches sind unglaublich bewegend. Die Autorin schockt. Annis und ihre Mutter kämpfen miteinander in intimer Athmosphäre, der Roman greift hier bereits Themen wie Rassismus, Feminismus und Diskriminierungserfahrungen auf bemerkenswerte Art und Weise auf. Eine große Besonderheit des Buches ist Wards bildlicher Schreibstil. Wunderschöne Metaphern reihen sich an ausgereifte und absolut passende Allegorien, meiner Meinung nach eine absolute Stärke des Romans. Besonders hat mich die queere Beziehung innerhalb Annis` Erfahrung in ihrer Heimat fasziniert. Die Protagonsitin zeigt sexuelles Interesse an einer ihrer Freundinnen und Annis erfährt zum ersten Mal Geborgenheit in einer Person, die nicht ihre Mutter ist. Jesmyn Ward webt diese Erfahrung fast nebensächlich und objektiv in die Handlung ein und öffnet eine neue Perspektive der queeren schwarzen und weiblichen Geschichte. Persönlich sinkt für mich leider das Niveau des Inhalts und Schreibstils im Verlauf des Buches etwas. Teilweise ziehen sich einzelne Kapitel in die Länge und Sachverhalte werden nicht koherent erläutert. Das Ende des Buches kann sich mit einem emotionalen Rückbezug auf den Einstieg des Romans jedoch durchaus sehen lassen, mit einer Ode an die starken Frauen in Annis` Leben. Breitbeining und selbstsicher. Zusammenfassend thematisiert „So gehn wir denn hinab“ in erster Linie Verlust. Annis`Reise ist von Anfang bis Ende eine depressive Episode. Ward zeigt hier wie übernatürliche, transzendente Konzepte in Zeiten absoluter Verlorenheit Kraft geben und integriert feministische, schwarze und queere Konzepte in ihrem Werk. „Verlust macht uns blind“ - „Ich sehe dich“.










