
Incels: Geschichte, Sprache und Ideologie eines Online-Kults – Veronika Kracher In diesem Buch geht es um die sogenannte Incel-Szene, also Online-Communities von Männern, die Frauen die Schuld daran geben, dass sie keine Beziehung oder keinen Sex haben. Veronika Kracher erklärt, wie diese Szene entstanden ist, welche Sprache und Memes dort benutzt werden und warum aus genau solchen Online-Welten immer wieder echte Gewalt entsteht. Dabei geht es auch um Attentäter wie Elliot Rodger oder Alek Minassian, die innerhalb der Szene teilweise bis heute gefeiert werden. Was mich beim Lesen ehrlich gesagt am meisten getroffen hat: Dieses Buch zeigt ziemlich deutlich, dass Incels kein komplett absurdes Randproblem aus irgendeiner dunklen Ecke des Internets sind. Vieles wirkt erstmal extrem oder vollkommen gestört und trotzdem erkennt man immer wieder bestimmte Denkweisen wieder, die gesellschaftlich längst normalisiert sind. Genau das fand ich richtig unangenehm. Besonders spannend fand ich die Kapitel über die Sprache und Dynamiken dieser Foren. Diese Mischung aus Ironie, Selbstmitleid, Frauenhass und angeblichem „Humor“ wirkt nach außen teilweise fast lächerlich und genau dadurch wird vieles verharmlost. Das Buch zeigt ziemlich gut, wie solche abgeschotteten Online-Gruppen funktionieren, in denen sich Menschen immer weiter gegenseitig in ihrem Hass bestätigen. Das Buch zeigt ziemlich deutlich, warum solche Ideologien überhaupt entstehen und warum sie so gefährlich werden können. Beim Lesen hatte ich oft dieses unangenehme Gefühl von: Man kennt Teile davon eigentlich schon. Vielleicht nicht in dieser extremen Form, aber bestimmte Frauenbilder, Ansprüche oder Abwertungen begegnen einem eben auch außerhalb solcher Foren ständig nur besser verpackt. Das Buch ist stellenweise wirklich hart zu lesen. Nicht, weil etwas künstlich dramatisch gemacht wird, sondern weil die Inhalte so offen menschenverachtend sind und genau solche Denkweisen eben real existieren. Gleichzeitig fand ich es unglaublich wichtig, weil über digitalen Frauenhass und solche Formen der Radikalisierung meiner Meinung nach immer noch viel zu wenig gesprochen wird. Trotzdem fand ich es unglaublich wichtig und ehrlich gesagt auch längst überfällig, dass sich jemand im deutschsprachigen Raum so ausführlich mit diesem Thema beschäftigt. Für mich eines der wichtigsten Bücher über digitalen Frauenhass und moderne Misogynie. ★★★★★ (5 von 5 Sternen)









