Eine solide Geschichte über Neuanfänge und über unterschiedliche Dynamiken in einer Dorfgemeinschaft. War schnell zu lesen, hatte einige gute Gedankengänge aber es mich nicht in Gänze überzeugen können.
Wie kann ein so schmales Buch so viel Inhalt enthalten. Inhalt, was ich irgendwie zwischen den Zeilen noch zusätzlich herauslese. So Sätze in dem wie nebenbei erwähnt wird, dass Kim sich bei Anne auf einer der „Korbgeflechtsesseln“ setzt und ich irgendwie spüre, es geht nicht um diesen Korbgeflechtsessel, sondern um das, wofür er steht und warum er vielleicht zur Stadt passt, aber bei Anne auf der Terrasse im Dorf? Aber von vorne. Anne hat vor Jahren Berlin verlassen und somit auch ihre Freundin Kim und ihre gemeinsam geschmiedeten Pläne. Anne ist zusammen mit ihrem Mann aufs Land gezogen. Hat dort ein Haus zwei Kinder und fühlt sich nicht ganz akzeptiert bei der Dorfgemeinschaft. Kim ist in Berlin geblieben, mit Richard und ihrem Blumenladen. Eines Tages geht sie Anne für einige Tage besuchen. Nach Jahren eine Art Annäherung. Sie lernt endlich Sebastian, Annes Mann, kennen, ihre Kinder und den großen Garten direkt am Wald. Aber wozu hat der Garten so einen hohen Zaun. Und warum soll man immer das Gartentor hinter sich schließen und wieso geht niemand in den Wald? Und weshalb sind die Nachbarn so verschlossen gegenüber den Neuen? Und was hat das mit den Einbrüchen auf sich und dem Mann im Wald. Und sind da tatsächlich Wölfe? Ein wirklich tolles Buch. Mit einem sehr klaren Schreibstil und doch einem leichten mystischen Unterton. Mit ganz vielen Fragen, die mir zwischen all den Sätzen kamen. Wie sehr muss man sich der Ortschaft anpassen, um akzeptier zu werden. Oder warum hat man Angst vor dem Fremden? Warum die hohen Zäune im Garten und wie überheblich ist manches städtische Denken? Hier steckt echt mehr drin als nur die Geschichte zwischen Dorf und Stadt, Kim und Anne, Wald und Haus. Unglaublich gut! S.78 „Meistens gibt man das Handy nicht aus der Hand. Wenn man etwas zeigen will, hält man es den anderen hin. Man legt sein Leben nicht in andere Hände.“ S.87 „Anne und ich trinken Rotwein auf der Terrasse. Wir sitzen auf Korbgeflechtsesseln wie in Berlin, wenn im Sommer die Barbetreiber die Sessel und Sofas rausstellen. Es kommt aber kein Berlin-Straßengefühl auf. Auch kein Urlaubsgefühl. Und auch kein Verbundensein mit irgendetwas.“ S.112/113 "Du findest sie provinziell und vielleicht sind sie das auch. Aber weißt du was? Dein Maß aller Dinge ist vielleicht weiter gefasst als ihres, aber auch du kommst nicht darüber hinaus, dass das, was du denkst, das Maß aller Dinge ist. Das ist genauso provinziell."

