
Max Lobe ist in Duala, Kamerun, geboren und aufgewachsen und ist als Erwachsener in Genf über den 'geheimen Krieg' gestolpert, der sich in den 1950er Jahren in Kamerun abgespielt hat. Der Unabhängigkeitskrieg, der so viel Leid mit sich brachte, über das aber niemand sprechen möchte. Der Autor beschließt, zurück in die Heimat zu fliegen und der Geschichte, die auch Teil seiner Geschichte ist, auf den Grund zu gehen. Dafür verbringt er einen Tag mit Mâ Maliga, einer alten Frau, die mitten im Wald, abseits der Städte lebt. Sie hatte als junge Frau alles miterlebt und scheut sich nicht, Max Lobe davon zu erzählen. Das Buch ist eine Mischung aus den Gedanken des Autors, die sich viel um die Fragen seiner Identitätsfindung drehen, und den Erzählungen von Mâ Maliga, die der Autor sprachlich authentisch wiedergibt. Mâ Maliga schildert ungeschönt einige Gewalterfahrungen im Kriegsumfeld, die schwer zu ertragen sind. Doch sie erzählt auch vieles vom gesellschaftlichen Leben im Dorf damals und heute. Ihr Urteil zu manchen Personen/Situationen oder erzählte Ansichten anderer sind manchmal harsch und für heute nicht zeitgemäß (z.B. Rolle der Frau, Bodyshaming). In Anbetracht ihrer Lebensumstände kann man aber, denke ich, darüber hinwegsehen. Zu Beginn fiel es mir etwas schwer, in das Buch reinzukommen, da ich kaum Vorwissen zum politischen Kontext hatte. Ich empfehle eine kurze Wikipedia-Recherche 😅. Die Geschichte selbst, der Aufbau des Buchs und auch die authentische, unterhaltsame Sprache von Mâ Maliga hat mich aber stets bei der Stange gehalten. Zudem hat das Buch eine tolle Haptik! Übersetzt von Katharina Triebner-Cabald CN: Krankheit, Kindst0d, S3xismus, Ras$ismus, M0rd, Verg3waltigung, B0dyshaming, G3walt, Blut, Kr1eg, N-Wort, Able1smus, PTBS, trans-Feindlichkeit
