
»Ich weiß, dass ich anders als viele hier bin, aber ich bin nicht seltsam. Ich bin kein Spiegel fremder Vorstellungen und auch kein nettes Abenteuer. Ich bin ich.«
Julia ist die Tochter eines schwarzen, amerikanischen Soldaten des Zweiten Weltkriegs und einer deutschen Frau. Als ihr Vater nach Korea in den Krieg muss, gilt er als vermisst und kehrt nicht zurück. Ihre Mutter wartet auf ihn, lässt sich jedoch einige Jahre später auf eine neue Beziehung ein und stirbt während eines Autounfalls. Zurück bleibt Julia, die nun bei ihrer Oma Berta lebt und von ihr liebevoll beim Erwachsenwerden begleitet wird. Schon von früh auf wird sie mit Ausgrenzung konfrontiert, insbesondere dem N-Wort und anderen verbalen Beschimpfungen. Auf dem Gymnasium sei kein Platz für sie, weshalb sie erstmal auf die Mittelschule gehen muss. Eine neue Mitschülerin lädt sie zu ihrem Geburtstag nach Hause ein und als sie fragt, ob sie zu früh sei, antwortet diese, dass die anderen bereits gestern da waren und betitelt sie noch an der Tür als „Affen“. Dass solche rassistischen und diskriminierenden Beleidigungen anschließend meist als „Spaß“ abgetan werden, wird ebenfalls thematisiert. Als sie älter wird nehmen diese rassistischen Äußerungen nicht ab, stattdessen wird ihr Äußeres nun als exotisch angesehen. Für weiße Männer scheint sie zu schwarz und für schwarze zu weiß. Der Roman ist eher episodenhaft erzählt. Dementsprechend hätte ich mir manchmal etwas mehr Tiefe durch ausführlichere Schilderungen und weniger schnelle Wechsel gewünscht. Nichtsdestotrotz sollte dieser Roman nicht nur gelesen, sondern meiner Meinung nach zu den modernen Klassikern gezählt werden. Schließlich ist die Geschichte, welche uns Marion Kraft erzählt, eine bisher viel zu wenig beachtete Episode unserer Zeitgeschichte. Und leider trotz allem nicht nur Teil der Vergangenheit, sondern auch immer noch der Gegenwart. Durch diesen Roman erlebt man als Leser*in wahrhaftig einen „Weltenwechsel“ und wie Rassismus sich gemäß einem Netz über die Betroffenen legt und ein eigenständiges Entkommen unmöglich erscheint – denn das Problem ist ein gesellschaftliches.

