17. Nov.
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Rating:3.5

Ich glaube ich habe hier etwas ganz anderes erwartet, als ich dann letztlich gelesen habe. Ein Roman der anderen Art, mit einer gewissen Spannung. Und dennoch hat es mich leider nicht gepackt. Ich konnte keine richtige Verbindung zur Geschichte aufbauen, was wohl dem Schreibstil, als auch der Kürze der 114 Seiten geschuldet ist.

Eine Nebensache
Eine Nebensacheby Adania ShibliBerenberg Verlag GmbH
2. Nov.
Rating:5

Dieses Buch war stark! Der Schreibstil hat mich, obwohl er ruhig und unaufgeregt ist, von der ersten Seite an gefesselt. Adania Shibli schafft es mit einer präzisen, beinahe nüchternen Sprache, eine enorme emotionale Wucht zu entfalten. Ich konnte das Buch kaum zur Seite legen. Die Thematik ist hochaktuell: Fragen nach Gewalt, Besatzung, Erinnerung und der Rolle von Sprache im Umgang mit Geschichte sind heute vielleicht dringlicher denn je. „Eine Nebensache“ ist kein lautes Buch, aber ein eindringliches. Gerade seine leise, analytische Erzählweise macht die Brutalität des Geschehens umso spürbarer. Besonders erwähnenswert ist auch, dass Adania Shibli 2023 für die Frankfurter Buchmesse eingeladen war, ihre Preisverleihung aber kurzfristig abgesagt wurde. Diese Entscheidung sorgte international für Diskussionen, da viele Stimmen darin eine Ausgrenzung palästinensischer Perspektiven sahen. Umso wichtiger ist es, diesem Buch und seiner Autorin Gehör zu schenken.

Eine Nebensache
Eine Nebensacheby Adania ShibliBerenberg Verlag GmbH
16. Okt.
Rating:4

Für mich ein sehr dicht erzähltes schmales Büchlein. Bisher habe ich noch nie ein Buch einer palästinensischen Autorin gelesen. Ich bin aber sehr froh, diese Geschichte entdeckt zu haben. Der Text ist in 2 Teile aufgeteilt. Der erste Teil behandelt eine Sicht eines israelischen Oberfeldwebels der 1949 in der Negevwüste mit seiner Kompanie arabische Terroristen und Beduinen ausfindig machen und töten soll. Dabei überlebt bei einem Zwischenfall ein beduinisches Mädchen, welches mit in das israelische militärische Lager mit- und dort gefangen genommen wird. Der 2. Teil handelt von einer palästinensischen ICH- Erzählerin, die sich ca. 10 Jahre später, durch einen Zeitungsartikel auf diesen Vorfall aufmerksam gemacht, auf Spurensuche begibt. Der erste Teil ist eher emotionslos beschrieben . Der zweite Teil jedoch ist beherrscht von Emotionen und Panik. Einige Motive aus dem ersten Teil tauchen auch im 2. Teil wieder auf. Dies fand ich stilistisch schonmal sehr gut gemacht und hat beide so unterschiedliche Perspektiven wunderbar miteinander verbunden. Beeindruckt hat mich die Beschreibung der Empfindungen der namenlosen Protagonistin, die für ihre Spurensuche in israelische Gebiete ausreisen und dabei ganz verschiedene Checkpoints passieren musste. Die Anspannung und Panik, die sie dabei ergreift, ist sehr eindrucksvoll beschrieben. Gerne möchte ich noch mehr von palästinensischen Schriftsteller/innen lesen. Mich konnte dieses schmale Buch beeindrucken.

Eine Nebensache
Eine Nebensacheby Adania ShibliBerenberg Verlag GmbH
5. Sept.
Rating:5

Ein kurzes gewaltiges Buch gegen den Krieg und gegen Gewalt.

Mal wieder eine überraschende Empfehlung aus einer mir unbekannten Buchhandlung. Im Buchladen am Kopernikusplatz (lt. Inhaber d. kleinste Buchhandlung in Nürnberg) habe ich diese Empfehlung bekommen. Im ersten Teil geht es um die Zeit nach der Gründung Israels. Eine Beschreibung der Landschaft, der Umstände, der unerträglichen Gewalt gegen ein Mädchen und ihrer Familie. Im zweiten Teil wird beschrieben wie eine junge Frau aus der Region versucht, mehr über diesen Fall aus der Gründungszeit heraus zubekommen. Was es braucht um Reisen zu können, wer wohin reisen darf, wie viel Grenzkontrollen es zu überwinden gilt. Lt. Buchhändler wurde das Buch sehr kontrovers diskutiert. Dazu kann ich nichts sagen. Ich habe es sehr sachlich empfunden. Ob die Beschreibungen aus der Jetztzeit richtig sind , kann ich nicht beurteilen. Auch wurde nicht auf das wieso, weshalb, warum eingegangen. Muss vielleicht auch nicht sein.

Eine Nebensache
Eine Nebensacheby Adania ShibliBerenberg Verlag GmbH
31. März
Rating:5

Ich habe einige Zeit gebraucht, Worte für dieses Buch zu finden. Aber Worte müssen gefunden werden. Grausamkeiten müssen benannt werden. Die Autorin Adania Shibli erzählt von der Vergewaltigung und Ermordung eines palästinensisches Beduinenmädchens im Sommer 1949 und einer jungen Frau aus Ramallah, die knapp fünfzig Jahre später diesem schlimmen Verbrechen nachgehen möchte. Dabei teilt sich der Roman anhand dieser zwei zeitlich auseinanderliegenden Handlungspunkte in zwei Abschnitte auf, die sich auch in der Art des Erzählens unterscheiden. Es ist – auch für den weiteren Verlauf der Handlung – bezeichnend, dass der erste Teil aus der Perspektive des israelischen Offiziers erzählt wird. Der Person, die mitunter vergewaltigt und ermordet. Das Leid des Benduinenmädchens ist klar zu erkennen, die grausamen Szenen brennen sich ins Gedächtnis, aber ihre Sicht, ihre über das Leid hinausgehende Geschichte bleibt im Verborgenen und kann auch nicht im späteren zweiten Teil des Romans aufgedeckt werden. Die Nachforschungen der jungen Ich-Erzählerin aus Ramallah bleiben erfolglos, die eigene Geschichte, die Identität eines Volkes verloren. Was bleibt, ist eine eiternde, sich immer wieder von neu entzündende Wunde. Aus der Zeitung erfährt die Ich-Erzählerin von dem Schicksal des ermordeten Mädchens. Ein Schicksal, das, so grausam es auch sein mag, nichts ungewöhnliches ist. Doch eine Nebensächlichkeit – die Tatsache, dass das Verbrechen auf den Tag genau 25 Jahre vor dem Geburtstag der Ich-Erzählerin stattfand – verleitet die Protagonistin dazu, sich mehr damit auseinandersetzen zu wollen. Ihre Reise auf der Suche nach Antworten ist geprägt von militärischen Einschränkungen und einem Blick in eine längst überzeichnete Vergangenheit. Je länger die Reise dauert, desto mehr Dörfer entdeckt die Ich-Erzählerin auf ihren alten Landkarten, die zerstört wurden. Shibli schafft es so, Vergangenheit und Gegenwart übereinaderzulegen, Verbindungen zu ziehen und Leerstellen zu füllen. Der Roman von Adania Shibli ist symbolgeladen, sprachlich tief und augenöffnend. Ein Buch, das mich weiterhin begleiten wird und hoffentlich noch mehr LeserInnen erreicht.

Eine Nebensache
Eine Nebensacheby Adania ShibliBerenberg Verlag GmbH
3. März
„Nicht Kanonen werden siegen, sondern
Menschen“
Rating:5

„Nicht Kanonen werden siegen, sondern Menschen“

Ein bildhafter Roman über den Nahostkonflikt an der agyptischen Grenze aus zwei Perspektiven und Zeiten. Aktuell wichtiger denn je, unbedingt lesen und die Geschichte eines Volkes bewahren. #freepalestine #standwithgaza #ceasefirenow

Eine Nebensache
Eine Nebensacheby Adania ShibliBerenberg Verlag GmbH
22. Juni
Rating:3.5

Ein Mord, zwei Perspektiven, viele Fragezeichen

Die Erzählweise dieser Geschichte wirkte neu, experimentell aber irgendwie auch unausgereift. Klar ist eigentlich nur, dass wir im ersten Teil einem israelischen Offizier folgen, der im August 1949 die Grenze zu Ägypten bewacht. Wie auch im Titel des Romans angedeutet, wird dabei die Vergewaltigung und Ermordung eines Beduinenmädchens zum Teil der Handlung, welche dem Offizier allerdings nur wie unbedeutende Nebensächlichkeiten vorkommen. Dieser Blick in die Gedankenwelt der Täter, welche einem solchen Ereignis keine Bedeutung oder Beachtung zumessen, war gleichermaßen irritierend wie spannend und auch passend - denn auf diese Weise wird der Finger in eine Wunde gelegt, welche die Autorin im zweiten Teil aufgreift. 25 Jahre später wird die Ich-Erzählerin auf den Tod dieses Mädchens aufmerksam. Das Interesse an dessen Schicksal wird aber wiederum durch eine Nebensache ausgelöst, nämlich die Verbindung zwischen dem Todes- und Geburtstag der beiden Frauen. Dass die Ich-Erzählerin bei ihrer Suche nach Informationen große Probleme hat, ist ebenfalls realistisch, naheliegend aber auch enttäuschend. Da schließlich sogar das Schicksal des Offiziers und der Ich-Erzählerin ungeklärt blieben, gab es auch auf dieser Ebene keine inhaltliche Befriedigung. Am Ende der Lektüre ist man betroffen, fragt sich aber auch, was man gerade gelesen und gelernt hat.

Eine Nebensache
Eine Nebensacheby Adania ShibliBerenberg Verlag GmbH
11. Sept.
Rating:5

Negev-Wüste, Isreal - 1949. Soldaten haben ihr Lager aufgeschlagen. Auf einer ihrer Patrouillenfahrten nehmen sie ein Beduinenmädchen gefangen. Es wird vergewaltigt, ermordet und irgendwo in der Wüste vergraben. Jahrzehnte später erfährt eine andere Frau von dem Vorfall und beginnt, sich aufgrund einer entscheidenden Kleinigkeit, für die Sache zu interessieren: Das Sterbedatum des Mädchens entspricht dem Geburtsdatum der jungen Frau, lediglich 25 Jahre zuvor. Es ist diese Nebensache, die die sonst so ängstliche Frau zu einer Reise veranlasst. Von Ramallah aus macht sie sich auf den Weg, um mehr über den Vorfall in der Wüste und über das Beduinenmädchen herauszufinden. Der erste Teil des Buches schildert sehr nüchtern das Leben der Soldaten in der Wüste, geprägt von ewigen Wiederholungen im Tagesablauf bis hin zur Gefangennahme des Mädchens und dem fürchterlichen Verbrechen. Im Gegensatz zu diesen sachlichen Betrachtungen steht der zweite Teil des Buches. In diesem bricht die junge Frau zur ihrer kurzen Reise auf. Der Text ist hier geprägt von den Gedanken der Frau, ihren Ängsten und Sorgen. Doch die Neugierde treibt sie weiter an. Bis sie überhand nimmt, ihre Ängste in den Hintergrund drängt und .... Das Buch ist kurz, aber sehr, sehr intensiv. Es ist harter Tobak, aber nicht übermäßig explizit. Mich beschäftigt das Buch nach wie vor. Lest es! Unbedingt!

Eine Nebensache
Eine Nebensacheby Adania ShibliBerenberg Verlag GmbH