Lexi.exe - ein Roman über eine junge Performancekünstlerin, die nach einem Unfall Zuflucht in der realen Welt, in der Natur sucht. Auf der anderen Seite tritt da eine künstliche Intelligenz mit ihr in Kontakt. Dieser Roman hat mich nicht von Beginn an gefesselt. Der Gedanke, dass sich gestresste Stadtmenschen in die Natur flüchten, um sich selbst zu finden, ist nicht neu und birgt Potenzial für Fehlinterpretationen und Kitsch. Aber. Ich würde das Buch hier nicht empfehlen, wenn ich es nicht total gern gelesen hätte. Die Geschichte geht nämlich überraschende Wege und fährt mit einer Tiefe auf, die ich zu Beginn nicht erwartet hätte. Irgendwann war ich dann doch gezwungen, mir Gedanken über Kunst und KI zu machen, über unsere Zeit, über das Menschsein in unserer Zukunft. Ab und an meine ich, durchschimmern zu sehen, dass die weibliche Perspektive eben doch von einer männlichen Person geschrieben wurde, aber nun gut - wer bin ich, darüber zu urteilen? (Wir sprechen hier nicht vom male gaze.)

„LEXI.exe“ ist ein Roman, der sich mutig zwischen Realität und Virtualität bewegt und seine Leser*innen in eine Welt entführt, in der die Grenzen dieser beiden Ebenen verschwimmen. Die Geschichte der jungen Performancekünstlerin Lexi van Dijk, die nach einem spektakulären Unfall ihre Karriere aufgibt und in der Natur Zuflucht sucht, scheint zunächst eine konventionelle Erzählung über Verlust und Selbstfindung zu sein. Doch Felix Kraus, der die fiktive Künstlergruppe Swan Collective gründete und für seine experimentellen Ansätze bekannt ist, treibt die Erzählung in völlig unerwartete Richtungen. Lexi gerät mit einer Künstlichen Intelligenz in Kontakt und die Geschichte entfaltet sich in einem faszinierenden Wechselspiel zwischen Lexis subjektiver Wahrnehmung und der Perspektive eines mysteriösen Beobachters aus der Zukunft. Swan Collective gelingt mit seinem Debüt ein Werk, das sowohl durch narrative Raffinesse als auch thematische Tiefe überzeugt, insbesondere in der Auseinandersetzung mit den ethischen, sozialen und emotionalen Konsequenzen technologischer Entwicklungen. Die wechselnden Perspektiven sowie die Mischung aus philosophischer Reflexion und surrealen Elementen zwingen einen als Leser*in immer wieder dazu, die eigenen Annahmen über Realität, Identität und Wahrnehmung zu hinterfragen. Der Schreibstil ist pointiert, einfallsreich und bisweilen provokativ. Die direkten Beschreibungen und die Offenheit, mit der Körperlichkeit und Emotionen behandelt werden, verleihen dem Text eine ungefilterte Authentizität. Gleichzeitig ist „LEXI.exe“ durchzogen von philosophischen und gesellschaftskritischen Überlegungen: Was bedeutet es, Mensch zu sein, wenn Maschinen Emotionen und Kreativität imitieren können? Welche Verantwortung tragen Künstler und Technikentwickler in einer immer stärker digitalisierten Welt? „LEXI.exe“ ist ein Roman, der in seiner Experimentierfreude und thematischen Breite beeindruckt, aber auch fordert. Eine surreale Wundertüte, die vor Ideenreichtum nur so sprudelt – genau die richtige Lektüre für mein nerdiges Ich. Leser*innen, die sich auf diese wilde Fahrt einlassen und die Mischung aus Realität, Virtualität und einer Prise Wahnsinn zu schätzen wissen, werden an „LEXI.exe“ ihre wahre Freude haben. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Ein besonderes Highlight des Romans ist die „LEXI.exe“-App, eine multimediale Erweiterung, die die Leseerfahrung auf ungewöhnliche Weise bereichert. Dies zeigt, wie der Roman nicht nur die Grenzen der Realität, sondern auch die der traditionellen Buchform sprengt. Die Integration von digitalen Medien in die Erzählung ist sicherlich innovativ und könnte ein Vorbote für zukünftige Literaturformen sein.
Sternebewertung fiktiv
Ich beschäftige mich gern mit dem Thema Kl. Es ist einerseits beängstigend und einerseits interessant und die Zukunft. Unaufhaltsam. Wir lernen Lexi kennen, Künstlerin, starker Charakter und sehr speziell in Ihrer Arbeit. Hemmungslos und offen für verrückte Sachen. Gleich zu Beginn passiert auf ihrer eigenen Ausstellung ein Unfall. Dabei verletzt sie einen bekannten Influencer und wie heutzutage üblich wird erst mal überall die Kamera drauf gehalten. Koste es was es wolle. Dieses Ereignis kann Lexi schlecht verarbeiten. Körperlich geht es ihr gut aber seelisch, hängt sie einfach in den Seilen. Kurzerhand kauft sie ein altes, möbliertes Haus. Ein Haus mit Seele und einer Geschichte. So abgeschottet von der Zivilisation kommt sie mit Kl in Kontakt. Die Geschichte wird in wechselnder Perspektive erzählt. Stellenweise sinnlich und tiefgründig. Ein Zusammenleben, dass uns noch so surreal erscheint. Eine eigene Welt spielt sich vor Lexi ab. Die Story selber fand ich direkt zu Beginn richtig gut. Im letztes Drittel hat mich die Geschichte etwas verloren. Es war mir dann zu viel Gedankenchaos, zu viele Fragen, obwohl ich die Auflösung der Geschichte auf Metaebene ganz gut fand. Es war interessant und anders. Kein Highlight aber dennoch für Dystopie Fans lesenswert.


