24. März
Rating:5

Das investigative Sachbuch von Marcus Bensmann und Anna Kassin beleuchtet systematischen sexuellen Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche und die jahrzehntelange Vertuschung durch kirchliche Strukturen. Ausgangspunkt der Recherche ist ein einzelner Fall eines Betroffenen, der Jahrzehnte nach dem erlittenen Missbrauch seinem Täter gegenübersteht. Aus dieser persönlichen Geschichte entwickelt sich eine internationale investigative Spurensuche. Die Journalisten stoßen auf ein weitreichendes Netzwerk aus Dokumenten, Briefen und internen Berichten, die bis in den Vatikan führen. Immer wieder zeigt sich ein ähnliches Muster: Vorwürfe gegen Priester werden gemeldet, Berichte erstellt und nach Rom geschickt – doch echte Konsequenzen bleiben häufig aus oder werden hinausgezögert. Statt Aufklärung steht vielerorts der Schutz der Institution im Vordergrund. Ein erschütterndes, aber enorm wichtiges Buch. Die Recherche ist hervorragend aufbereitet und zeigt, wie investigativer Journalismus gesellschaftliche Missstände sichtbar machen kann. Besonders beeindruckend ist, dass die Arbeit nicht beim Buch endet: Die Geschichte wurde filmisch dokumentiert, es gab Theater-Inszenierungen, und Petitionen sowie öffentliche Diskussionen, die zusätzlichen Druck für Aufklärung erzeugen. Diese Verbindung aus Journalismus, Kultur und Aktivismus macht das Projekt außergewöhnlich. Es zeigt, wie Geschichten von Betroffenen gehört werden können und wie Öffentlichkeit entsteht, die Veränderungen anstößt. Ein mutiges Buch, das Missstände klar benennt und gleichzeitig zeigt, wie wichtig Aufarbeitung und gesellschaftliches Engagement sind.

Akten des Missbrauchs
Akten des Missbrauchsby Marcus BensmannCORRECTIV