30. Mai
Rating:0

Mein erster Schmidt hat mir auf jeden Fall deutlich gemacht, dass es hier keine Grauzone gibt, sondern alles Schwarz oder weiß ist: Als Leser hasst man ihn - oder man liebt ihn. Für Literaturwissenschaftler und Nerds mag er ein gefundenes Fressen sein, aber als Leser habe ich im manchmal die empfundene Anstrengung während des Lesens PERSÖNLICH übel genommen. Das muss man als Autor ja auch erst einmal schaffen. Die Geschichte an sich wäre ohne unnötige Essays über Karl May und Silberschlag schneller erzählt, ohne die experimentelle Ortographie dann noch mal schneller: Karl Richter versucht Hertha mithilfe seiner Tante rumzukriegen, dass sie endlich mal locker wird. Dazwischen wird es mit dem Mond-LG dann auch mal politisch, oder psychologisch, wenn die Kriegstraumata behandelt werden. Zumindest muss ich Schmidt lassen, dass seine Charaktere herrlich ambivalent geschildert sind und somit uns armen Studis viel Stoff für Hausarbeiten bietet ;). Zuweilen hat es mich leider eher angekotzt, dass Hertha von ihren beiden Peinigern fast erpresst wird, endlich die Beine breit zu machen, dass niemand so richtig sagt, was Sache ist und alle ihre Problemchen haben... aber vielleicht war das Sinn und Zweck des Buches, dass es mich manchmal so nervt. Ich schätze mal, dass es trotzdem nicht mein letzter Schmidt gewesen sein wird. Ich meine, ein Buch, das wegen Gotteslästerung einen Prozess durchmachen musste, kann nur so edgy wie sein Autor sein, oder?

Kaff auch Mare Crisium
Kaff auch Mare Crisiumby Arno SchmidtKnape, F