Schade. Bereits seit einiger Zeit hatte ich Interesse daran, mich mal in das Werk der feministischen und sozialistischen Science Fiction Autorin einzulesen und war entsprechend begeistert, als ich eher zufällig dieses Buch aus 1971 bekam. Die Grundprämisse hat mich direkt gepackt: Ein junger Mann, aufgegriffen wegen Drogenmissbrauchs im Versuch, seine REM-Schlafphasen zu unterdrücken, weil er festgestellt hat, dass einige seine Träume wahr werden und zwar so, dass sie nachträglich die Welt vor dem Schlaf verändern können. Der Psychater, an den er nun überwiesen wird, merkt bald, dass sein Klient tatsächlich über Kräfte verfügt- die er sich zugleich zunutze machen will: für sich selbst, aber auch in einem Versuch, vermeintlich die Welt zu verbessern. Leider führten ab einem Punkt die ständigen Realitätswechsel dazu, dass alles nur sehr oberflächlich geschildert wurde. Dazu kamen Charaktere, die weitgehend charakterlos blieben. Beides scheint gewissermaßen intendiert, aber schmälerte stark mein Interesse am Fortgang der Handlung und dem Mitfiebern mit den Charakteren. Schlussendlich hat das skizzenhafte des Romans (weit zu umfänglich, um eine Reduktion auf die Dilemmata und Dysto/Utopien zu sein, weit zu wenig, um eine echte Vielschichtigkeit abseits der vielfach überlagerten Realitäten zu transportieren) bewirkt, dass ich die ethisch-moralischen Denkfiguren und die Verschiedenartigkeit möglicher Gesellschaftsrealitäten weit weniger interessant, intelligent oder durchdenkenswert empfand, als sie es vielleicht waren. Der Roman hatte viel Potential, doch ist er am Ende "nur" Science Fiction und wenig "Literatur". Was im Guten bleibt, ist ein gelungenes erstes Drittel, eine hervorragend spannende Prämisse und ziemlich coole Außerirdische.
18. Feb.Feb 18, 2026
Die Geißel des Himmelsby Ursula K. Le GuinCarcosa Verlag

