Eine spannende Geschichte mit glaubhaften Figuren und einem gelungenen Ende, die jedoch durch ausgeprägte sprachliche Wiederholungen und erklärlastige Passagen an Wirkung verliert.
Der Einstieg in Rising Shadows gelingt mühelos: Ich war sofort in der Welt, die Stimmung hat mich direkt gepackt, und die Geschichte ist ab der ersten Seite spannend. Besonders positiv ist, dass interessante Andeutungen zeitnah aufgelöst werden. Die Spannung bleibt dadurch fließend und wirkt nicht künstlich hinausgezögert und entsteht weniger durch unerwartete Wendungen als durch die kontinuierliche Ausarbeitung der Handlung. Die Story an sich funktioniert gut. Sie ist spannend, klar strukturiert und bewegt sich – abgesehen von erklärlastigen Passagen – im richtigen Tempo. Gerade im mittleren Drittel treten erklärende Passagen deutlich in den Vordergrund, sodass die Handlung zeitweise zur Nebensache wird. Dadurch verliert der Erzählfluss an Dynamik und das Tempo wird spürbar gebremst. Die Figuren sind insgesamt glaubhaft, gut nachvollziehbar und sehr bildlich dargestellt. Positiv hervorzuheben ist der bewusste Umgang mit zwischenmenschlichen Beziehungen. Erwartbare Entwicklungen werden nicht bedient, sondern auf eine reifere, glaubwürdige Weise aufgelöst. Die Nähe zwischen den Figuren funktioniert inhaltlich gut, wirkt sprachlich jedoch stellenweise etwas übererklärt – hier hätte weniger Benennung und mehr Wirkung ausgereicht. Ash ist eine Figur mit viel Potenzial: tragische Vorgeschichte, harte Schale und ein weiches Herz, das vor allem durch Ebony sichtbar wird. Diese Bausteine sollen Tiefe erzeugen, greifen für mich aber nicht ganz ineinander. Dadurch bleibt Ash stellenweise klischeehaft und nicht vollständig stimmig, auch wenn er grundsätzlich funktioniert. Was mich über das Buch hinweg am meisten gestört hat, sind stilistische Wiederholungen. Gesten, Körperhaltungen, Reaktionen sowie bestimmte Bilder und Wortfelder werden sehr häufig erneut aufgegriffen. Dadurch nutzt sich ihre Wirkung mit der Zeit ab, und der Stil wirkt stellenweise monoton, obwohl die Szenen eigentlich Intensität transportieren sollen. Hinzu kommen vage oder unpräzise Beschreibungen, sowohl bei Emotionen als auch in actionreichen Momenten. Statt klare, greifbare Bilder zu erzeugen, bleiben manche Formulierungen abstrakt oder körperlich schwer vorstellbar, was mich gelegentlich kurz aus dem Lesefluss gerissen hat. Darüber hinaus gibt es ein eingeführtes Element, dessen erzählerischer Mehrwert sich für mich nicht vollständig erschlossen hat und das für die Geschichte eher verzichtbar/aufgesetzt wirkte. Trotz dieser Kritikpunkte bleibt der Lesefluss insgesamt gut, und die Geschichte trägt zuverlässig bis zum Schluss. Das Ende ist gelungen, rundet den Band stimmig ab und macht inhaltlich definitiv Lust auf den zweiten Teil.

























