Die Schreie der Mohnblume von Martha Kindermann ist der zweite Teil ihrer Hüterinnen Dilogie und ist ziemlich skurril, aber dadurch sehr komisch. Poppy, die Mohnblume, ist die neue Hüterin des Waldes, doch gleichzeitig hat sie Mäzenkräfte in sich. Sie lebt nun am Ältesten, doch leider ist Narcissa in diesem gefangen und trachtet danach zu entkommen. Ausgerechnet Arnit, der Nachtwache des WONC kommt ihr, begleitet von Moss, der mit seinem Schicksal hadert, zu Hilfe. Wer sich an Poppy erinnert weiß das sie eine Angststörung hat und sehr unsicher ist. Sie ist ein liebenswerter Mensch und gleichzeitig kann sie hochgehen wie eine Furie. Auch die anderen Charaktere sind weder schwarz noch weiß, sondern haben viele Grautöne. Arnit ist in Poppy verschossen. Er versucht mutig zu sein und irgendwie für seine Mohnblume da zu sein, dabei hadert er aber nicht nur einmal mit sich und seinen Fähigkeiten. Sie stoßen sich weg und fügen sich doch irgendwie ergänzend zusammen. Moss, unser Frettchen, ist mit seinen Sprüchen absolut irgendwie in den 80ern hängen geblieben, aber so arrogant und ätzend er manchmal ist, haut er nicht selten unangenehme Wahrheiten raus und bringt die Geschichte auf lustige Art voran. Selbst unsere fiese Narcissa hat gelegentlich einen netten Moment. Die Wendungen waren teilweise so skurril und verworren, dass ich sie absolut nicht hab kommen sehen. Martha zeigt unheimlich gut, dass eine moderne Prinzessin keinen Prinzen auf weißen Schimmel braucht, um sich zu retten, sonder ganz gut allein klar kommt. Dennoch kann der Prinz sie unterstützen. Zwei Aspekte waren jetzt nicht ganz so meins, so war die Problemlösung für mich etwas unangenehm und das letzte Wort von Moss, da musste ich die Augen verdrehen, aber irgendwie passte es zu seinem Charakter. Für mich ein süßes, skurriles, teils kitschiges Finale, welches mich zwar gelegentlich verwirrte, aber vor allem öfters zum lachen brachte.

Die Hüterin des Evergreen Forests ist nicht mehr das zarte kleine Mossglöckchen. Jetzt ist die wahre Erbin der Livtinga-Magie, Poppy, die neue Hüterin. Aber sie ist nicht nur eine Livtinga, sie ist auch halb Mäzenin, eine Dienerin des Todes. Poppy muss sich dieser neuen Macht und Aufgabe stellen und ihrer bösen Vollblut-Mäzenin-Schwester die Stirn bieten, was nicht einfach ist, da sie ständig schlechte Gedanken in Poppys Kopf pflanzt. Das Buch ist magischer, düsterer und spannender. Es fühlt sich an, als stünde noch mehr auf dem Spiel als im ersten Band. Neu entdeckte Identitäten überraschen die Charaktere (nicht nur Poppy) und stellen sie auf eine harte Probe. Aber nicht nur Poppy lernt sich selbst neu kennen. Auch Arnit, der freundliche Türwächter des WONKS, spielt eine bedeutende Rolle, sowohl in der magischen Welt als auch in Poppys Leben. Die beiden sind ein tolles Team! Selbst Charaktere aus dem ersten Band, die mir nicht gefallen haben, wie zum Beispiel Moss, spielen eine wichtige und bedeutungsvolle Rolle in der „Livtinga-Freundesgruppe“, und man lernt ihn besser kennen und sogar mögen. Ich finde es sehr interessant, wie Martha Kindermann es geschafft hat, meine Meinung über einen Charakter, den ich nicht leiden konnte, zu ändern. Und das war wohl beabsichtigt! :D oder!? Teil 2 ist ein gelungener Abschlussband, der noch mehr Spannung, Magie und Macht bietet.

