25. März
Rating:2.5

Ansatz gut aber an der Umsetzung fehlts

Sehr guter Ansatz, wie man sich in der Pubertät einer radikalen politischen Gruppierung anschließt. Nur leider fande ich, dass der Hauptcharakter zu unausgereift war und sich hat treiben lassen, was durchaus auf jeden Fall auch ein Grund sein wird im echten Leben. Dennoch wurde hier viel Potenzial verschenkt. Ich habe definitiv irgendwie mehr erwartet. Dennoch gab es einige Grundpfeiler, die sehr gut gelungen sind wie die Thematik Gruppendynamik und Bruderschaft.

Der Morgen gehört uns
Der Morgen gehört unsby Davide CoppoKjona Verlag
31. Dez.
Rating:3.5

Ein sehr aktuelles Thema

Das Buch hat mich sehr interessiert, da die Radikalisierung junger Menschen zunimmt. Ich hätte mir gewünscht, dass die Persönlichkeit des Ich-Erzählers noch deutlicher dargestellt wird. Guter Ansatz, mal die andere Perspektive kennenzulernen.

Der Morgen gehört uns
Der Morgen gehört unsby Davide CoppoKjona Verlag
21. Okt.
Rating:4

4 🌟- Das Buch versucht zu ergründen, wie junge Menschen zu Faschisten werden. Es ist ein Weg von vielen, den Davide Coppo beschreibt.

Die Geschichte um den jungen Ettore hat mich sehr bewegt. Ich wollte ihn oft schütteln und ihn anschreien.. aber irgendwie habe ich auch Mitleid empfunden. Dafür, dass er aus keinem liebenden Elternhaus kommt und daraus resultierend sich einer Gruppe angeschlossen hat, die ihm Anerkennung und ein Gefühl von Dazugehören gegeben hat. Und mir wurde wieder deutlich, welche wichtige Instanz die Schule spielt. Wie wichtig Aufklärung ist, wie wichtig es ist politische Debatten in der Schule aufzugreifen und einzuordnen. Obwohl der Roman Anfang der 2000er spielt, ist er doch zeitlos geblieben. „Warum also wird man mit vierzehn oder fünfzehn Faschist? Nicht aus einer plötzlichen Erkenntnis heraus: Das läuft nicht so wie in der Liebe, und auch nicht wie beim Glauben. Es war aber auch kein Endpunkt eines ideologischen Reifungsprozesses. Eher war es eine Frage der Ästhetik - und vor allem der Identität. Wobei, das gilt wohl nur für mich. Es stand auch keine Verkettung unglücklicher Umstände dahinter, obwohl Unglück durchaus eine Rolle spielte. Das soll keine Rechtfertigung sein, so als wäre Faschismus eine allergische Reaktion auf einen Insektenstich. Aber eine Folge von Reaktionen war es sehr wohl, denn diese Art Identität konstruiert man sich Monat für Monat, Episode für Episode. Zunächst als Antwort, erst dann als Behauptung.“ (S.59)

Der Morgen gehört uns
Der Morgen gehört unsby Davide CoppoKjona Verlag
24. März
Rating:3

3,5 Sterne Ettore kommt in die Pubertät. Auf der Suche nach Identität und Sinn im Leben, entzweit er sich zunehmend mit seinen Eltern. Vor allem seine Mutter ist wenig liebevoll, eher nüchtern und erwartet von ihm vor allem schulische Erfolge. Über ältere Mitschüler lernt er die Federazione kennen, eine Vereinigung von jungen Menschen mit rechtem Gedankengut. Hier fühlt Ettore sich zuhause, hier fühlt er Sinn, hier schöpft er Selbstwert. Und so rutscht ein sensibler, feingeistiger, sich selbst bildender junger Mann zunehmend in den Rechtsextremismus ab… „Der Morgen gehört uns“ hat mich sehr überrascht. Ein Roman über Rechtsextremismus muss doch laut und expressiv sein. Falsch gedacht! Coppo räumt mit Stereotypen auf, indem er einen leisen, sensiblen Roman spinnt, indem er einen Protagonisten wählt, der klug und empathisch ist, und trotzdem rechtsextrem wird. Und genau hier liegt die Stärke des Romans. Der Rechtsruck in Europa ist nicht pauschal zu erklären. Das Thema ist hoch komplex. Und trotzdem ist mir Coppo zu vage geblieben. Ich hätte gerne mehr über italienische Gesellschaft, Politik und Geschichte gelernt. Hier droppt Coppo nur Stichpunkte. Leser*innen müssen nebenbei nachlesen. Für meinen Geschmack hätte die Handlung ruhig auch rougher sein können. Die ersten 2/3 des Buchs sind ein wirklich toller Adoleszenzroman. Es geht um einen Jugendlichen, der in die Welt der Erwachsenen reinwächst und Halt und Orientierung sucht. Das letzte Drittel fadet dann etwas substanzlos aus. Eine Leseempfehlung für einen schön geschriebenen Indie-Text, der ein wichtiges zeitgenössisches Thema aufs Tableau bringt. Letztendlich lernt man aber mehr über Adoleszenz, als über aktuellen Rechtsextremismus.

Der Morgen gehört uns
Der Morgen gehört unsby Davide CoppoKjona Verlag
11. Nov.
Rating:5

Bücher, die sich auf großartige und intelligente Weise mit sozialen Themen befassen, sind für mich sehr wertvoll. Das Buch wird aus der Perspektive eines Kindes erzählt, das in Italien in rechtsextreme Kreise abdriftet. Es vermittelt meisterhaft die Isolation und zunehmende Orientierungslosigkeit des Kindes. Einfach großartig!

Der Morgen gehört uns
Der Morgen gehört unsby Davide CoppoKjona Verlag
15. Okt.
Rating:4

Bedrückende Zukunftsaussichten

Die letzten Wahlergebnisse in Deutschland haben mich sehr nachdenklich gestimmt. Warum wählen gerade junge Leute eine Partei, die unser demokratisches System zerstören möchte? Wovon werden sie angezogen? Stehen gemeinsame Ziele und Ausgrenzung über Freiheit, Toleranz und einer offenen Gesellschaft? Davide Coppo hat mit Ettore eine Figur geschaffen die Schatten auf seine eigene Vergangenheit wirft. Er beginnt, sich in der Pubertät zunehmend für Politik zu interessieren. Dabei ist es das nationalistische Gedankengut, was ihn für sich einnimmt. Er gerät an Freunde, die faschistische Ideologie gewaltfrei leben wollen. Er merkt nach und nach, dass er mehr möchte. Deutlichere Glaubwürdigkeit scheint er zu suchen, linst rüber zur Splittergruppen, die gewalttätiger sind. Auch wenn er es erst nicht wahrhaben möchte, sieht er dort seine Zukunft. Er merkt die Ablehnung seines Freundeskreises, auch seine Eltern, hier insbesondere seine Mutter, sind angewidert von seinem Verhalten und lassen ihn dies auch deutlich spüren. Ettore ist ein kluger Kopf, der seine politischen Ideale auf der falschen Seite sucht und mit vielen Situationen überfordert ist. Orientierungslosigkeit, Eltern, die ihr Kind zwar fordern, aber nicht emotional begleiten, und die Suche nach einer eigenen Identität sind die Themen des Heranwachsenden. Er vermisst ein Zugehörigkeitsgefühl, und ich glaube, genau das ist der Reiz, den nationalistische Vereine auf junge Menschen ausüben. Sie schließen eine Lücke, in der wir als Gesellschaft sozialpolitisch versagen. „Inzwischen ging ich zweimal die Woche hin und verspürte einen Gemeinschaftsinn, der seine eigenen Namen und Gesten besaß und den ich sonst mit niemandem teilte. Zudem empfand ich, ohne dass damals erklären zu können, eine Zusammengehörigkeit und Verbundenheit, die sich tatsächlich am besten mit dem Begriff Kameradschaft zusammenfassen ließ.“ In einer Zeit, in der das Individuum mehr zählt, als die Gemeinschaft und eine Vereinzelung der Gesellschaft stattfindet, scheitern wir als soziale Wesen, die wir ja sind. Dafür ist man in der Adoleszenz besonders anfällig. Dass das Ausüben von Gewalt in dieser Zerrissenheit einen großen Reiz auf Ettore ausübt, verwundert nicht. Seine Überforderung entlädt sich und hat Konsequenzen. Coppo hat, dem Ich-Erzähler eine sensible Persönlichkeit verliehen. Er sehnt sich nach Anerkennung, er hält aber meist Ablehnung. Das hinterlässt Spuren. Gerade diese zarte Erzählweise steht in einer krassen Relationen zum Inhalt. Mich hat das Buch sehr gefangen genommen, wenn sich in mir auch ein bedrücktes Gefühl breit machte. Und mit Sorge blicke ich in die Zukunft, in der allein in NRW über 80 Millionen € im sozialen Bereich eingespart werden, und das wird in erster Linie Jugendliche treffen, die schon heute nicht wissen, wer Ihnen Orientierung und eine Vorbildfunktion bietet und wo sie ihre Freizeit verbringen sollen. Das Buch zeigt deutlich, auf welche Folgen es haben wird. Klare Leseempfehlung.

Der Morgen gehört uns
Der Morgen gehört unsby Davide CoppoKjona Verlag
8. Sept.
Rating:3.5

„Je weiter ich mich auf die falsche Seite vorwagte, desto sicherer fühlte ich mich, desto klarer im Recht. Der Hass der anderen kann ein bequemes Bett sein, man muss nur rausfinden, wie man am besten darin liegt.“ (S. 191) Ettore hat gerade die Schule gewechselt und besucht nun ein Mailänder Gymnasium. Er kommt aus dem Umland, aus einer Familie, in der seine Eltern hohe Ansprüche an ihn stellen, sich letztlich aber weder füreinander noch für ihn zu interessieren scheinen. Auch in der Schule fühlt Ettore sich zunächst verloren; bis er auf den charismatischen Giulio trifft, der anders als die anderen zu sein scheint. Dieser nimmt ihn schließlich auch mit zur faschistischen Jugendorganisation ‚Federazione‘. Er nimmt an Treffen teil, organisiert Demos, verteilt Flugblätter… doch schon schnell wird ihm klar, dass ihm das alles nicht reicht; dass er den größeren Sinn und das einzig Richtige und Gerechte sucht.. und dadurch immer weiter in Richtung Radikalisierung driftet; mit letztlich verheerenden Folgen. Ohne Frage ist „Der Morgen gehört uns“ ein Roman zu einem überaus wichtigen Thema, aus einer sehr interessanten Perspektive. Doch leider konnte ich mich in Ettore und seine Handlungen und Empfindungen nicht gänzlich hineinfühlen. Unabhängig davon, dass ich seine Entscheidungen und seine Faszination inhaltlich nicht nachvollziehen kann, blieb für mich auch die emotionale Ebene irgendwie verborgen. Was mir aber gewissermaßen eine neue Erkenntnis gebracht hat, ist Folgendes: „Es stimmt nicht, dass Hass sich durch Lesen und Bildung bekämpfen lässt, wie ich es in den folgenden Jahren oft hören sollte. […] Ich habe ihn gezüchtet. Er ist nicht von allein gediehen.“ (S. 59) Auch dass es in der Regel nicht DIE eine falsche Abzweigung gibt, sondern viele zunächst vermeintlich harmlose Abzweigungen zum ‚Point of no Return‘ (S. 19) führen, stellt @davcoppo überzeugend dar. So wird deutlich, dass jugendliche Sinnsuche unweigerlich stattfindet, die Frage aber ist, womit sie gefüttert und so letztlich gezüchtet wird. Auch die Rolle der Eltern und letztlich ihr Beitrag zu Ettores Entwicklung fand ich sehr pointiert und aufschlussreich dargestellt. Insgesamt eine schmerzende, aber wichtige Lektüre, die die Vielschichtigkeit bei der Empfänglichkeit und letztlich Entscheidung Jugendlicher für rechte Ideologien überzeugend darstellt.

Der Morgen gehört uns
Der Morgen gehört unsby Davide CoppoKjona Verlag
29. Aug.
Rating:2

Wie gerät ein Jugendlicher in eine Neo-Faschistische Gruppe? Woher kommt sein Hass? Sind die Eltern schuld, die sich nicht kümmern oder ist dem Jugendlichen einfach nur langweilig....?

Hier werden die Gedanken eines jungen Mannes offenbart, der nichts mit sich anzufangen weiß. Er fühlt sich überall fehl am Platz. Bis er so etwas wie Zugehörigkeit fühlt, als er sich einer faschistischen Gruppe zuwendet. Er glaubt, eine Familie gefunden zu haben. Ich fand den Hauptcharakter nervig, dieses sich treiben lassen, nicht wissen wohin man will bis hin zur Eskalation und dann besinnt man sich eines besseren....

Der Morgen gehört uns
Der Morgen gehört unsby Davide CoppoKjona Verlag
21. Aug.
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Davide Coppos Debütroman „Der Morgen gehört uns“ bietet einen eindringlichen Einblick in die innere Zerrissenheit des jungen Ettore, der in den frühen 2000er-Jahren in einem Vorort von Mailand lebt. Die Geschichte folgt Ettore auf seinem Weg vom unsicheren Jugendlichen, der sich in der Schule verloren fühlt, hin zu einem Mitglied der Federazione, einer faschistischen Jugendorganisation. Der Roman zeichnet dabei den Prozess nach, wie Ettore in dieser extremen Ideologie Halt und Zugehörigkeit findet. Coppo gelingt es, die psychologische Entwicklung seines Protagonisten authentisch darzustellen und dessen schleichende Radikalisierung sowie seine allmähliche Verwandlung glaubhaft zu vermitteln. Ettore ist ein vielschichtiger Charakter, der trotz seiner dunklen Wendungen Sympathien weckt, was den Leser in einen moralischen Zwiespalt bringt. Die narrative Distanz und der emotionale Minimalismus spiegeln Ettores innere Leere wider und passen zur Gefühlswelt eines jungen Erwachsenen, auch wenn sie das Leseerlebnis manchmal etwas kühl erscheinen lassen. Coppo zeichnet ein komplexes Bild der Verführungskraft extremistischer Ideologien und zeigt, wie Unsicherheit, Isolation und das Bedürfnis nach Anerkennung Jugendliche in die Arme radikaler Gruppen treiben können. Auch wenn der Roman manchmal etwas langsam erzählt ist, gewinnt er zum Ende hin an emotionaler Wucht und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. „Der Morgen gehört uns“ ist eine wichtige und aktuelle, wenn auch nicht gerade leicht verdauliche Lektüre. Sie regt zur Auseinandersetzung mit den Gefahren extremistischer Ideologien und zur Reflexion über die eigene Haltung gegenüber Demokratie und Faschismus an. Ein lesenswertes Buch, das nicht nur Einblicke in die italienische Gesellschaft bietet, sondern auch universelle Fragen nach Identität und Zugehörigkeit aufwirft. Aus dem Italienischen von Jan Schönherr.

Der Morgen gehört uns
Der Morgen gehört unsby Davide CoppoKjona Verlag