Warum zum Teufel Ritalin — Stephan Rey Stephan Rey legt mit seinem Buch ein sehr persönliches, bewegendes Zeugnis über ein halbes Leben mit ADHS vor. Aus der Ich-Perspektive schildert er, wie sich das innerliche Getriebensein anfühlt: die Rastlosigkeit, der Druck, ständig Neues zu suchen, das ungebrochene Reisen um die Welt als Ausdruck dieser inneren Unruhe. Gleichzeitig steht die berufliche Erfolgsseite: fachlich begehrt, leistungsfähig und doch innerlich unzufrieden. Diese Ambivalenz — außen Erfolg, innen Zerrissenheit — zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. In den Kapiteln über Partnerschaft und Nähe wird Reys Erzählung besonders eindrücklich. Er beschreibt Beziehungen zugleich als Quelle großer Wärme und als Herausforderung, weil seine eigene Struktur oft über Bord geworfen wird. Sehr offen thematisiert er auch die Neigung zu Suchtverhalten und wie eng das mit dem ADHS-Erleben verknüpft sein kann. Solche ehrlichen Passagen geben dem Leser unmittelbare Einsicht in Alltag, Verlust und Sehnsucht eines Betroffenen. Wichtig und wohltuend ist, dass Reys Biografie nicht alleinstehend bleibt: Fachliche Begleitung und Erklärungen ergänzen die persönliche Geschichte. Das Buch diskutiert zentrale Fragen, die viele Leserinnen und Leser mit ADHS oder in ihrem Umfeld beschäftigen — etwa: Ist ADHS eine Folge der Erziehung oder eine neurobiologische Veranlagung? Wer ist betroffen? Und ganz konkret: Sind Medikamente wie Ritalin die Lösung, und was bewirken sie? Rey stellt die Vor- und Nachteile, Chancen und Grenzen der medikamentösen Behandlung dar, ohne einfache Antworten zu geben; dadurch gewinnt die Erzählung an Würde und Seriosität. Stärken des Buches sind die Nähe zur Lebensrealität, die emotionale Ehrlichkeit und die gelungene Verknüpfung von persönlichem Erfahrungsbericht und fachlicher Einordnung. Wer sich einen lebendigen, nachvollziehbaren Einblick in das Innenleben eines Menschen mit ADHS wünscht, wird hier viel finden. Schwächere Stellen sind eher formaler Natur: Wer auf wissenschaftliche Tiefe, umfassende Studienanalysen oder detaillierte Therapieanleitungen hofft, wird hier weniger finden — das Buch bleibt primär biografisch und aufklärend im Alltagssinn. Fazit: Ein empfehlenswertes Buch für Betroffene, Partner, Angehörige und Interessierte. Es schafft Verständnis durch Nähe, regt zum Nachdenken über Ursachen und Behandlung an und bietet zugleich Trost durch das ehrliche Porträt eines Lebens mit ADHS. Empfehlenswert für alle, die nicht nur Fakten, sondern auch die menschliche Seite dieser Störung kennenlernen möchten.
16. Aug.Aug 16, 2025
Warum zum Teufel Ritalin?by Stephan ReyCameo Verlag
