Ein unglaublich wichtiges Debüt, das Worte für Erfahrungen findet, die viele Frauen kennen.
"Angst vor Männern" ist das Debüt von Nicole List, erschienen am 05.03.2026 bei Wasser Publishing, und umfasst 128 Seiten. Nicole List ist (hoffentlich ;)) vielen bereits als leidenschaftliche Buchhändlerin (Buchhandlung List) und unermüdliche Buchexpertin aus dem Fernsehen und den sozialen Medien bekannt. Dass die Germanistin nun selbst zur Feder gegriffen hat, ist ein absoluter Glücksfall für die feministische Literatur. Ihr erzählendes Sachbuch verbindet persönliche Erfahrungen mit gesellschaftlichen Analysen rund um Angst, Gewalt, patriarchale Strukturen und die Frage, wie ein angstfreies Leben für alle möglich werden kann. Meine Meinung Was für ein Debüt! Schon die ersten Seiten haben mich mitten ins Herz getroffen; ich musste so oft nicken und habe innerlich JAAAAA geschrien. Nicole List schreibt direkt, klar und gleichzeitig unglaublich reflektiert über etwas, das viele Frauen kennen, aber oft nicht auszusprechen wagen – aus Angst vor den Reaktionen (von Männern). Der Autorin gelingt es unglaublich gut, persönliche Erlebnisse mit sachbuchartigen Einschüben zu verbinden, ohne dass der Text jemals belehrend wirkt. Stattdessen entsteht ein intensiver Dialog zwischen individueller Erfahrung und gesellschaftlicher Realität. „Ich hasse nicht. Ich bin wütend, ja. Aber vor allem fürchte ich mich.“ (S. 29) Dieser Satz bringt den Kern des Buches (für mich) auf den Punkt. Denn es geht keineswegs um pauschale Schuldzuweisungen (ja, wir wissen hoffentlich alle: „not all men, but always a man!“), sondern um Strukturen, Erfahrungen und die Müdigkeit, die entsteht, wenn Angst leider selbstverständlich zum Alltag gehört. Und obwohl der Text schononungslos ehrlich ist, schreibt Nicole List, ohne den Blick für Differenzierung zu verlieren. Meinen Respekt dafür. Ein kluger Schachzug waren für mich auch die einleitenden Kapitel, die verschiedene Alltagssituationen beschreiben, in denen Frauen jeden Alters belästigt werden. Soweit ich es verstanden habe, sind es alles Situationen, die der Autorin selbst zugestoßen sind. Leider habe ich mich selbst in einigen wiedergefunden – und da bin ich sicherlich nicht die einzige Frau. Die Szenen, die für Außenstehende (Männer!) „klein“ und wie Einzelfälle wirken mögen, summieren sich im Buch zu einem bedrückenden Gesamtbild. Neben den Beschreibungen vieler Situationen, die mit Angst und Schmerz verbunden sind und hoffentlich den einen oder anderen LESER (ja, bewusst nicht gegendert) zum Nachdenken anregen, richtet sich Nicole List aber auch bewusst an Frauen. So spricht sie im Sinne von Empowerment über Solidarität, Selbstermächtigung und Veränderung: „Jeder Satz, den ich wage auszusprechen, befähigt eine andere Frau.“ (S. 118) Das finde ich so wichtig, denn wir sind nicht allein. Wir sind viele! Auch formal hat mir das Buch gefallen. Die essayistische Sprache wirkt literarisch und bleibt trotzdem zugänglich. Durch die ästhetische Gestaltung und die kurzen Kapitel liest es sich trotz der schweren Themen gut weg. Ich habe es zumindest an einem Nachmittag am Stück „inhaliert“. Wichtig finde ich auch den Hinweis auf die Content Notes am Ende des Buches, da viele geschilderte Erfahrungen belastend sein können. Fazit „Angst vor Männern“ ist – SURPRISE – kein bequemes Buch, aber ein wichtiges. Nicole List findet Worte für Erfahrungen, die gesellschaftlich noch immer viel zu oft relativiert oder individualisiert werden. Eine große Empfehlung für alle, die sich für feministische Literatur, gesellschaftliche Debatten und persönliche Essays interessieren. Und bitte Männer: Gerade ihr solltet es lesen. Vielen Dank an Wasser Publishing für das Rezensionsexemplar!









