10. Apr.
Rating:2

2,5 ⭐ Die Geschichte war wirklich bewegend und die Message dahinter wirklich wichtig und gut, aber der Schreibstil.... I'm sorry, aber ein ganzes Buch aus der 2. Person zu lesen hat es für mich irgendwie sooo unpersönlich gemacht und es mir null erlaubt, richtig mit den einzelnen Charakteren mitzufühlen...

Was die Zeit nicht nimmt
Was die Zeit nicht nimmtby Marek TorčíkAnthea Verlag
1. Apr.
Rating:4

Ein intensiver, leiser und gleichzeitig sehr kraftvoller Roman. Marek Torčík erzählt mit großer Feinfühligkeit von einer Kindheit und Jugend, die von Ausgrenzung, familiären Spannungen und gesellschaftlichen Umbrüchen geprägt ist. Besonders eindrücklich ist, wie die Geschichte persönliche Identitätssuche mit den politischen Veränderungen rund um 1989 verwebt Die Darstellung eines queeren Aufwachsens in einem konservativen Umfeld wirkt authentisch und berührend , nie überdramatisiert, sondern ehrlich und verletzlich. Gerade diese Zurückhaltung macht das Buch so stark. Die Themen Armut, Alkoholismus und Gewalt sind präsent, werden aber stets mit einem Hauch von Hoffnung erzählt Torčíks Sprache ist poetisch und präzise zugleich, was die melancholische Stimmung des Romans perfekt trägt Ein Buch, das nachhallt und zum Nachdenken anregt!

Was die Zeit nicht nimmt
Was die Zeit nicht nimmtby Marek TorčíkAnthea Verlag
26. März
Rating:3

Eine bewegende Geschichte erzählt in geflügelter Sprache!

Jedoch zeitweise sehr ausschweifend erzählt. Man kann sich dadurch zwar gut in die Situationen hineinversetzen, es macht das Lesen aber auch zäh. Zudem mag die Erzählperspektive ein mit Bedacht gewähltes künstlerisches Instrument sein, sie macht das Buch für mich aber schwer zugänglich und teilweise anstrengend zu lesen. Man muss den Stil des Autors mögen - ich mag ihn leider nicht, kann aber anerkennen, dass er ein großes lyrisches Talent ist!

Was die Zeit nicht nimmt
Was die Zeit nicht nimmtby Marek TorčíkAnthea Verlag
21. Feb.
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Rating:4

„Was die Zeit nicht nimmt“ von Marek Torčik / Verlag : Anthea Ein Anruf in der Nacht. Und plötzlich steht sie wieder im Raum: die Vergangenheit. „Wer bin ich aber für mich selbst, dass ich mich so oft daran erinnern und dorthin zurückkehren muss?“ (Seite 15) Dieser Satz hat sich bei mir eingebrannt. Und genau das ist es, was dieses Buch tut: Es brennt. Leise. Nachhaltig. Leider konnte ich nicht gänzlich in dem Buch aufgehen. Und doch hat es mich nicht losgelassen. Unlogisch? Aber wahr! Inhaltlich ist es große Klasse. Der poetische Schreibstil des Autors lässt einen stellenweise tief eintauchen, fast schwerelos durch Erinnerungen treiben. Dann wiederum zieht es sich, wird zäh, fast erschöpfend in seinen Längen. Vielleicht muss es das. Vielleicht braucht Schmerz Raum. Eine konservative Industriestadt im Jahr 1989; ein Land im Umbruch. Politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich. Und mittendrin Marek. Ein homosexueller Junge. Ein Vater im Ausland. Ein alkoholsüchtiger, gewalttätiger Opa. Eine Mutter am Existenzminimum. Und eine Oma, die versucht zu verstehen und doch in ihren Mustern gefangen ist. „Was seid ihr bloß für ne Familie, meine Güte? …..So viel Scheiße auf einem Haufen?“ (Seite 221) Härter kann man es kaum sagen. Und doch trifft es die Wucht dieser Geschichte. Melancholisch, voll von Mobbing, Gewalt und Hoffnungslosigkeit wird in diesem kleinen Ort Andersartigkeit bestraft. Mit dem Kopf in der Toilette, zwischen Urin und Kacke, blauen Flecken und Angst lebt aber auch etwas anderes: Hoffnung. Ganz tief im Stillen verborgen. Marek oder Marenda, wie ihn seine Mutter nennt, kann sich nirgends wiederfinden. Nicht in der Familie. Nicht im Ort. Nicht in der Schule und nicht in sich selbst. Selbst seine Mutter spricht von Personen wie ihm und meint queere Menschen. Worte, die Distanz schaffen, wo eigentlich Schutz sein sollte. „…das kommt einfach, weil der Junge keinen Kerl als Vorbild hat. Dem fehlt ne feste Hand.“ (Seite 226) Solche Sätze sitzen. Sie graben sich ein. Und sie bleiben. Marek lernt durch den ebenso andersartigen Mitschüler Marián nicht nur seinen Körper kennen. Sondern auch sich selbst. Und langsam lernt er den Mut, zu sich zu stehen. Doch das Umfeld ist gnadenlos. Nicht nur queere Menschen werden ausgegrenzt. Auch Roma, im Buch als „Zigeuner“ betitelt, werden als dreckig, stinkend und ekelhaft beschrieben. Marián ist doppelt ausgegrenzt, als Rom und homosexueller Junge. Der Autor zeigt ungeschönt, wie tief Vorurteile, Gewalt und Verachtung in einer Gemeinschaft verankert sein können. Was mich besonders bewegt hat: die Scham. Sie reicht bis ins Erwachsenenleben. Das Ungesagte in einer langjährigen Beziehung. Der Schmerz, der nie wirklich ausgesprochen wurde. Marek lernt zu verdrängen. Aber vergessen? Niemals. Der Autor nimmt uns mit in eine Zeit des Umbruchs und zeigt, dass gesellschaftliche Veränderungen nicht automatisch innere Wunden heilen. Und so holt die Erinnerung, die Vergangenheit, Marek ein, als er sich zurück in den Ort, zurück zur Mutter in die Heimat befindet. Trotz meiner Kritik an einigen Längen bleibt für mich: Dieses Buch ist wichtig. Sehr wichtig. Poetischer Schreibstil. Sehr gut ausgearbeitete Protagonisten. Emotionen, die nicht übertrieben wirken, sondern roh und echt. „Was die Zeit nicht nimmt“ ist kein leichtes Buch. Es ist eines, das fordert, das wehtut, das nachhallt.

Was die Zeit nicht nimmt
Was die Zeit nicht nimmtby Marek TorčíkAnthea Verlag
12. Feb.

Poetisch, zäh, fesselnd, unnahbar - ein Buch das .ich nur halb begeistert hat.

Der Klappentext hat mich extrem neugierig gemacht (siehe Slide 2) und das Buch passte zu meinem Vorhaben, in diesem Jahr mehr tschechische Autor*innen zu lesen, weil Tschechien das Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse ist, auch wenn ich dieses Mal nicht vor Ort sein werde. Man könnte meinen, dass Marek Torčík über sich selbst schreibt, denn der Protagonist trägt seinen Namen, wenn der Name so auch nie ausgesprochen wird. Die Mutter nennt ihn Marenda. Aber auch wenn ganz sicher vieles von ihm selbst in das Buch geflossen ist, gibt es allein schon eine zeitliche Abgrenzung, denn die Erzählung spielt noch bevor Torčík geboren wurde. Die Perspektive war für mich nicht ganz einfach. Keine Ich-Perspektive, keine dritte Person, sondern meist mit Du. Das hatte auf der einen Seite etwas von einem Mix aus Bericht und Tagebuch und auf der anderen Seite schaffte es eine Distanz. Genau diese Distanz machte es mir schwer in dieses Buch hinein zu kommen. Die Sprache ist poetisch und Prosatisch, manchmal aber zäh. Dabei gibt es auch fesselnde Sequenzen, denn rein inhaltlich gefiel mir das Buch wirklich gut. Ein Junge, der in einer tristen Stadt aufwächst ohne große Perspektiven mit sehr konservativen Meinungen. Ihm als queeren Jungen fehlen die Identitätspunkte, die sich dann ganz zart mit Marián zumindest teilweise finden lassen. Ich fand auch diesen Gegensatz dieser Trostlosigkeit aber andererseits auch der langsam aufkommenden Umbruchstimmung im Jahr 1989 spannend gegenübergestellt. Über allem thront der Opa, der mich in meiner Meinung über ihn sehr zwei gespalten zurück lässt. Dazwischen die Mutter, die ich wirklich gut gezeichnet fand, ich hatte sie immer direkt bildlich vor meinen Augen, auch nicht unbedingt immer eine Sympathieträgerin, aber absolut stimmig in dieser Geschichte. Und doch bin ich beim Lesen immer wieder abgeschweift. Meine Gedanken trugen mich oft woanders hin. Ich bin überzeugt, dass 'Was die Zeit nicht nimmt' ein wichtiges Buch der queeren Literatur aber gleichzeitig auch ein Zeitzeugnis der verwirrenden, aufregen aber auch hoffnungslosen Zeiten der späten Achtziger Jahre ist. Aber es ist ein Buch, dass Konzentration braucht und sich nicht mal nebenher lesen lässt. Vielleicht hätte ich den Buch mehr Aufmerksamkeit und vor allem mehr Zeit widmen sollen.

Was die Zeit nicht nimmt
Was die Zeit nicht nimmtby Marek TorčíkAnthea Verlag