Der Roman erzählt die Kindheit und Teile der Jugend von Tim, der mit seinen Eltern und seinem Halbbruder und gleichzeitig großem Idol Bernd im Westberlin der 50er und 60er Jahre aufwächst. Erst im neuen Jahrtausend wird der Erzähler in sein altes Miethaus zurückkehren und sich erinnern... Der Krieg ist schon einige Jahre vorbei und Berlin mittlerweile in eine West- und eine Ostzone eingeteilt, was die halbwüchsigen Jungs allerdings erst Jahre später wirklich realisieren sollen. Viel zu sehr beschäftig sind sie mit ihren eigenen kindlichen Problemen inmitten von Betonbauten und tristen Hinterhöfen in Kreuzberg. Zwischen Alltag, Einschulung, Ferienlagern und Urlauben in den Bergen wächst Tim heran, bis ihr Kiez 1961 von einem Tagen auf den anderen durch eine Mauer geteilt wird. Der Roman ist keine klassische lineare Geschichte. Vielmehr fühlt es sich an, als streifte man gemeinsam mit dem Erzähler durch seine Erinnerungen wie durch ein Fotoalbum, um das eine oder andere Bild genauer zu betrachten. So werden meist nur einzelne Ausschnitte der Geschichte sichtbar und als Leser*in rutscht man mehr oder weniger zusammenhanglos durch die Kapitel. Manche Anekdoten wirken eher belanglos, wobei sie für den Erzähler sicher alle einen wichtigen Platz in der Erinnerung an seine Kindheit darstellen. Und so bekommt man trotz der eigenwilligen Struktur ein interessantes Gesamtbild über eine Zeit, die so wichtig für die deutsche Geschichte werden soll. Rodenberg versteht definitiv die Kunst des Schreibens. Die oben erwähnte Stückelung, ohne dabei eine wirklich lineare Geschichte zu erzählen, ist zwar generell nicht so mein Fall. Trotzdem ist der Text anspruchsvoll und flüssig zugleich, was mir gut gefallen hat. Die Dialoge im Berliner Akzent sind dabei die Sahnehaube.
13. Feb.Feb 13, 2025
Knapp am Paradies vorbeiby Karl RodenbergAnthea Verlag
