Sendker kann es einfach. Die Atmosphäre, die er beim Schreiben schafft, ist wie ein Sog. Man ist sofort drin, riecht, hört, fühlt alles, wie die Protagonistin. Eine besondere Gabe. Der Verlauf der Geschichte hat mich jedoch etwas enttäuscht, es hat sich sehr gezogen, plätscherte etwas. Die verhoffte Reise nach Paris fand hier noch gar nicht statt. Gespannt wartend auf Band 3 der Japan-Reihe...

Eine Geschichte, die mitten ins Herz trifft
Manche Bücher liest man — und manche fühlt man. Akikos lange Reise gehört für mich ganz klar zur zweiten Kategorie. Ich habe jede Seite verschlungen, mitgefiebert, gelitten und gehofft. Die Geschichte ist so leise und gleichzeitig so intensiv erzählt, dass sie sich tief ins Herz schleicht und dort bleibt. Wer schon den ersten Teil geliebt hat, wird auch hier wieder diese besondere emotionale Tiefe finden, die Jan-Philipp Sendker so einzigartig macht. Es geht um Liebe, Verlust, Schuld, Hoffnung — und um die Frage, ob man trotz aller Wunden wieder Vertrauen fassen kann. Die Figuren wirken unglaublich nahbar und echt, ihre Gefühle sind greifbar und ehrlich. Für mich ist dieses Buch ein absolutes Herzensbuch geworden — genauso wie sein Vorgänger, der längst zu meinen Lieblingsbüchern zählt. Ich habe jede Seite genossen und gleichzeitig gefürchtet, dass es irgendwann zu Ende sein würde. Und jetzt bleibt vor allem ein Wunsch: bitte, bitte eine Fortsetzung. Eine klare, große Leseempfehlung für alle, die tiefgründige, emotionale Geschichten lieben — Bücher, die man nicht nur liest, sondern lange mit sich trägt.

Eine stille Reise voller Mut und Empathie
Akikos lange Reise von Jan-Philipp Sendker ist der zweite Band einer Reihe, die mit Akikos stilles Glück begann. Wieder nimmt uns der Autor mit nach Japan und öffnet eine Tür zu einer Welt, die vielen von uns fremd ist – und doch so nah wirkt. Es ist ein stiller, poetischer Roman, der von Mut, Empathie und der Suche nach innerem Frieden erzählt. Sendkers Sprache ist klar und zugleich voller feiner Nuancen. Er versteht es, die japanische Kultur respektvoll und atmosphärisch einzufangen, ohne jemals belehrend zu wirken. Besonders beeindruckend ist die Charakterzeichnung der Hauptfigur: Akiko ist bodenständig, mutig und voller Verständnis für andere. Sie urteilt nicht vorschnell, sondern hört zu, versucht zu begreifen – eine Haltung, die in unserer schnelllebigen Welt fast schon revolutionär wirkt. Ihre Gedanken und Gefühle sind so authentisch beschrieben, dass man sich leicht mit ihr identifizieren kann. Die Stärke des Romans liegt in seiner Ruhe. Wer Action und rasante Wendungen sucht, wird hier nicht fündig. Doch wer bereit ist, sich auf eine kontemplative Reise einzulassen, wird reich belohnt: mit Einsichten über das Leben, über menschliche Nähe und über die Kraft des Zuhörens. Für mich war es ein Geschenk, dank Sendker in eine fremde Kultur einzutauchen und dabei etwas über Japan zu lernen.
Akiko mit ihren widersprüchlichen Gefühlen über Ihre Eltern, ihre Schreibkunst, den Freund Kento, ist liebenswert, nahbar und lebendig. Ein wunderbares, ruhiges Buch mit der ganz besonderen, eigenen Sprache des Autors.

„Es war still. Mehr als das. Stiller. Am stillsten. Was für ein Unsinn. Es gab keine Steigerung von still, und doch fühlte es sich in diesem Wald so an.“ In dieser Stille beginnt Akikos Weg.
„Akikos lange Reise“ von Jan-Philipp Sendker Verlag : Blessing „Es war still. Mehr als das. Stiller. Am stillsten. Was für ein Unsinn. Es gab keine Steigerung von still, und doch fühlte es sich in diesem Wald so an.“ In dieser Stille beginnt Akikos Weg. Ein Weg, der sie fortführt von allem, was sicher schien, hinein in das Ungewisse und zu sich selbst. Nach dem Tod ihrer Mutter steht Akiko an einem Punkt, an dem vieles zu Ende geht und zugleich alles neu beginnen kann. Sie übergibt die Asche der Mutter dem Meer, begleitet von Kento, einem Hikikomori, der nach Jahren der Einsamkeit zum ersten Mal wieder hinaus in die Welt tritt. Zwei Menschen, die beide suchen, nach Nähe, nach Mut, nach Liebe und nach einem Platz im Leben. Akiko kündigt ihren Job, um frei zu sein. Sie will schreiben, reisen, verstehen. Und sie wagt das, wovor sie sich am meisten gefürchtet hat, die Suche nach ihrem Vater, der sie als Baby verließ. Doch statt Antworten findet sie Schweigen, Enttäuschung, Schmerz. Nur ihr Großvater reicht ihr die Hand, still, warm, mit einem Verständnis, das heilt. Mit jedem Gespräch, jedem Ort, den sie betritt, begreift Akiko ein Stück mehr von der Geschichte ihrer Familie. Von einer Liebe, die groß war und doch nicht stark genug, um zwei Menschen glücklich zu machen. Und sie begreift, dass Verstehen und Vergeben oft der erste Schritt nach Hause sind. Jan-Philipp Sendker schreibt mit jener Sanftheit, die das Herz berührt. Seine Worte fließen wie ein stiller Bach, klar, poetisch, tief. Er zeigt, wie Einsamkeit, Liebe und Vergebung ineinander greifen und wie Heilung leise geschieht. Ein stilles, tröstendes Buch über das Ankommen in der Welt, in der Familie und im eigenen Herzen. Ein Buch, das nachklingt, sanft, weise und voller Herz.




