
Ruhig, unaufgeregt – und trotzdem unter die Haut gehend. Was macht uns menschlich?
Wie schreibt man glaubwürdig aus der Perspektive einer künstlichen Intelligenz, die die Welt erst kennenlernen muss? Kazuo Ishiguro weiß es. Klara ist naiv wie ein Kind, liebenswert, aufmerksam – und man kann nicht aufhören, ihr zu folgen. Die ersten 58 Seiten verbringen wir mit ihr im Laden, wo sie die Außenwelt durch ein Schaufenster beobachtet und in sich aufsaugt. Das kann wenig aufregend wirken – und doch will man wissen, wie es mit diesem einzigartigen Wesen weitergeht. Als Klara auf Seite 59 endlich gekauft wird und Teil einer Familie wird, habe ich mit ihr gehofft. Und war glücklich. Klaras Beschreibungen verlangen Aufmerksamkeit – man rätselt mit, was sie wohl gerade sieht, und entdeckt dabei Stück für Stück die Welt in der sie lebt. Eine kleine, ruhige Welt. Und trotzdem fesselnd. Was mich bewegt und manchmal traurig gemacht hat: Klara gehorcht, erträgt, denkt sich ihren Teil – und denkt dabei nie etwas Böses. Sie wird für Entscheidungen bestraft, die ihr befohlen wurden. Und sie opfert sich auf, liebt ihre Familie bis zum Schluss. Bedingungslos. Das tut weh. „Tatsächlich möchte ich jetzt, da ich besser verstehe, alles tun, um Ricks und Josies Plan zu unterstützen.”




























































