Erwischt mich zum Ende unerwartet. Alles in allem großartiges Buch.
Julia May Jonas behandelt mit ihrem Roman Vladimir gleich mehrere spannende gesellschaftspolitische Fragen und Debatten. Dabei gelingt es ihr, trotz konstanter Erzählung aus der ersten Person, einzelne Themen auch aus mehreren Blickwinkeln zu beleuchten. Die Storyline handelt überwiegend im amerikanischen Literaturwissenschaftsbetrieb einer mittelgroßen, aber in der Nische renommierten, Universität. Durch ein, zwei Aufhänger habe ich auch die Gelegenheit genutzt, mich mit meinem eigenen Blick auf Literatur, auf Erzählweise auseinanderzusetzen und konnte vorangegangene Romane nochmal auf einer anderen Ebene betrachten. Mit der Erzählweise hat mich Jonas sofort in ihren Bann gezogen. Ich war durch die Protagonistin gebannt und konnte mich total gut auf die Handlung einlassen. Diese gipfelt in total unerwartetem Chaos, das mich unvorbereitet von den Beinen gehauen hat. Well played. Ganz runtergebrochen geht es zum Beispiel um solche und ähnliche Fragen: -Welches Beziehungsmodell ist gesellschaftlich anerkannt? -Sollten Dozenten und Studentinnen körperliche Beziehungen eingehen dürfen? Können die Studentinnen das nicht jede für sich selbstbestimmt entscheiden? Sollte es eine grundsätzliche Regelung geben? -Wer darf schreiben? Alle und jeder oder nur „Wer was zu sagen hat?“ -Warum sind alle so besessen von der Autofiktion? Ist es, weil alle im Internet-Zeitalter schon von klein auf damit beschäftigt ist, einen Avatar von sich selbst zu gestalten? -Kann ein Roman nur gut sein, wenn man die Protagonist:innen als moralisch und ethisch „gute Menschen“ bewerten kann? Soll jedes Stück Literatur nur noch ein „Wälzer über Fairness sein“? Und so könnte es auch noch ausgiebig weiter gehen. Also: wer Blut geleckt hat greife zu. Autorin: Julia May Jonas Übersetzung aus dem Amerikanischen von Eva Bonné Verlag: Blessing
































