
Whatever it takes...
Eine unglaubliche Gewalt- und Machtspirale macht in diesem Epos ganz knallhart deutlich, dass es an einigen Orten der Erde immer schwierig sein wird, ein unbescholtenes, einfaches und vor allem ehrliches Leben zu führen. Entweder man unterdrückt oder gehört zu den Unterdrückten. Sich aus dieser Spirale der Schuld herauszuarbeiten ist schlicht unmöglich. Hinzu kommen Faktoren wie das Kastensystem, wobei ein Dalit schon von Geburt an faktisch verloren ist. Was ist ein Menschenleben hier eigentlich wert? Nach diesem Roman frage ich mich dies immer wieder. Deepti Kapoors Sprache ist gewaltig. Ihr Schreibstil soghaft. Lange hofft man mit Ajay und Neda für den Ausstieg aus Abhängigkeit, falschen Hoffnungen und auf ein besseres Leben. In wenigen Momenten hatte ich Mitleid mit Sunny. Aber was er anderen Menschen antut ist einfach aufs schlimmste abstoßend und widerlich. Die durch seinen Vater und Onkel erzwungene Skrupellosigkeit schlägt so knallhart durch dieses Buch und Sunnys Wesen. Man hat keine Wahl außer mitzuleiden und um Menschen zu trauern, die den Wadias und Singhs zur Erfüllung ihrer grotesken Machenschaften im Wege stehen, oder die Drecksarbeiten für sie erledigen müssen. Wenn die Armen Sünder Glück haben, stehen sie am Ende nur mit leeren Händen da. Ein reines Gewissen dürfte hier niemand mehr haben. Im schlimmsten Fall werden sie durch die eigene Schuld in den Abgrund gerissen. Ich fand die Lebensperspektiven der drei jungen Menschen plausibel und ihre Gedanken, Gefühle und Beweggründe gigantisch geschildert. Deepti Kapoor zeichnet zwar ein ziemlich düsteres, aber absolut stimmiges Portrait eines Indien, dass sich für mich nun noch mehr wie ein Paralleluniversum anfühlt.










