David Sedaris verwebt in „Calypso” schwere Themen wie Tod und Krankheit mit absurdem Alltagshumor und schrulligen Familiengeschichten. Nicht jede Geschichte trifft gleich gut, aber sein Gespür für die Komik im Chaos macht das Buch zu einem unterhaltsamen, ehrlichen Leseerlebnis. Wer Armistead Maupin schätzt, wird auch hier seinen Spaß haben.
Als ich die erste Seite von „Calypso” aufschlug, fühlte es sich an, als würde ich in ein Wohnzimmer voller schrulliger Verwandter stolpern, alle reden durcheinander, keiner ist ganz normal, und doch möchte man bleiben und zuhören. David Sedaris lädt ein in seine Welt, und was für eine Welt das ist. Ich muss gestehen, beim Lesen musste ich unweigerlich an Armistead Maupins Stadtgeschichten denken. Diese Art von Literatur, die das Alltägliche mit dem Absurden verwebt, hat für mich einen besonderen Reiz. Sedaris erreicht vielleicht nicht ganz die literarische Finesse Maupins, aber er hat etwas, das man ihm nicht absprechen kann: ein untrügliches Gespür dafür, wo im Leben die Komik lauert, selbst in den dunkelsten Ecken. Was dieses Buch besonders macht, ist Sedaris’ Mut zur Ehrlichkeit. Er schreibt über den Selbstmord seiner Schwester, über die alkoholkranke Mutter, über einen Tumor, der ihm entfernt wurde, Themen, die schwer auf den Seiten lasten könnten. Doch er findet einen Ton, der nie ins Selbstmitleid abrutscht. Stattdessen entdeckt er in den alltäglichen Skurrilitäten seiner Familie einen Humor, der befreit statt zu beschämen. Man lacht, obwohl man eigentlich erschüttert sein müsste. Seine Figuren sind herrlich überzeichnet: Narzissmus, Weltekel, absurdes Konsumverhalten , alles wird mit einem Augenzwinkern präsentiert. Ich war gerne Teil dieser völlig durchgeknallten Familie, weil Sedaris sie mit so viel Wärme zeichnet, dass man ihre Macken nicht nur erträgt, sondern schätzen lernt. Manchmal wirkt die Überzeichnung jedoch zu gewollt. Einige Geschichten verlieren sich in Details, die eher Anekdote als Erzählung sind nett, aber ohne Tiefgang. Und gelegentlich wünschte ich mir, Sedaris würde seinen Figuren mehr Raum geben, über die satirische Skizze hinauszuwachsen. Die Balance zwischen Komik und Melancholie gelingt nicht in jedem Essay gleich gut. Am Ende fühlte sich „Calypso” an wie ein Familientreffen, bei dem man zwischen Lachen und Kopfschütteln schwankt, chaotisch, berührend und manchmal etwas zu laut. Sedaris zeigt, dass selbst die absurdesten Momente des Lebens erzählenswert sind, wenn man sie mit dem richtigen Blick betrachtet. Ein Buch, das unterhält und nachdenklich macht, auch wenn nicht jede Geschichte gleich stark sitzt.



