
Die Bewertung gilt dem Land, nicht dem Buch
Stephan Orth ist einer meiner liebsten Autor:innen. Seine Bücher über das Couchsurfing in anderen Ländern, die auf den ersten Blick nicht dazu einladen, sind grandios. Besonders die Bücher über den Iran und die Ukraine mochte ich sehr. Bei "Couchsurfing in Saudi-Arabien" muss ich nun aber das erste Mal eine semi-gute Bewertung abgeben, was aber einfach dem Inhalt bzw dem Land geschuldet ist. Meine Notizen während des Lesens fassen es eigentlich schon gut zusammen: "Gastfreundschaft ja, aber nur für Männer. Superreiche Männer mit vielen Frauen, keinen Sorgen und nach mir die Sintflut Einstellung" Mein Hals verkrampfte vom vielen Kopfschütteln! Frauen sind Objekte, Frauen nerven, Frauen sammelt man(n), Frauen wollen jetzt einen auf eigenständig machen, aber nur wenn wir das erlauben, und nur Frauen übertragen STIs... Alter, die Aussagen der Männer, die der Autor während seiner Reise traf, waren schon die Härte. Von der Faszination Hitlers fange ich gar nicht erst an. Aber was erwartet man denn von einer patriarchalen Gesellschaft, die bisher super abgeschottet, indoktriniert und erzkonservativ unter dem Islam lebt und Kritik am System ein Todesurteil ist? Verständnis im Unverständnis. Für mich gehören Religion und Politik nicht zusammen. Religion kann wunderschön sein, Hoffnung und Kraft spenden. Viele Menschen in meinem Umkreis sind religiös. Aber ich betrachte Religion auch sehr sehr skeptisch, da durch sie viele Kriege geführt, Menschen getötet und heute noch Menschen unter ihr leiden müssen, verfolgt, getötet und minderwertig behandelt werden. Saudi-Arabien versucht moderner zu werden, insbesondere durch monetäre Anreize (Goldgrube Tourismus). Dennoch sind des die falschen Gründe. Die Diktatur, die mit Zuckerbrot und Peitsche regiert, besteht weiterhin. Und die Gesellschaft hinkt ebenfalls noch ziemlich hinterher, um wenigstens die kleinsten "Freiheiten" für Frauen anzuerkennen, die es mittlerweile gibt, zumindest demnach zu urteilen, was der Autor beobachten konnte. Ich bin froh, dass er die Aussagen kritisch einordnete und auch hinterfrage.






