
Neue Erkenntnisse habe ich nicht gewinnen können, aber manchmal tut es auch gut, seine eigene Meinung und Gefühle in einer Geschichte wiederzufinden.
Maro Heft #20 Ein hedonistisches Heft Text: Ole Nymoen Illustrationen: Olga Prader ,,Auf der Suche nach der gestohlenen Zeit" - Vom Zwang, für Geld zu arbeiten oder: Der größte Raubzug der Geschichte - Da ihn die Menschen für verrückt erklären, beginnt der Erzähler eine Unterhaltung mit seinen Katzen. Er erklärt ihm, warum es ihnen so gut geht und warum sie es deutlich besser getroffen hat, als die Menschen. Grund dafür ist die tägliche Lohnarbeit, die der Mensch verrichten muss, nur um sich über Wasser zu halten, und häufig reiche Bosse oder Konzerne noch reicher zu machen. Er beschreibt, wie viel Zeit er durch die Arbeit verliert und wie sehr diese gegen die Natur des Menschen verstößt. Arbeitswege, dann die Hauptarbeit, Arbeit zu Hause und die Familie. All das adäquat unter einen Hut zu bekommen, ist für den einfachen Arbeiter nahezu unmöglich. Während die einen nur unzureichend mit ihrem Geld zurechtkommen, oder sogar in der Obdachlosigkeit leben, leben wieder andere im völligen Überfluss. Zugleich wird den Menschen dann noch in Talkshows erzählt, warum die Arbeiter über ihre Verhältnisse leben und mehr sowie länger arbeiten müssen. Der Erzähler wird langsam irre, und begreift nicht, warum der Mensch das alles mitmacht. Auf den 30 Seiten finden wir eine große Kritik am Kapitalismus mit all seinen Schwächen. Die Ausbeutung der Menschen, die Ungleichheit und der Überfluss werden zu Recht scharf kritisiert und angeprangert. Das Heft hat wenig Neues zu berichten, wenn man sich mit dem Thema bereits beschäftigt hat. Positiv ist allerdings, das der Erzähler für viele Menschen sehr greifbar ist, mit dem sich garantiert einige identifizieren können werden. Er weiß genau, was aktuell schiefläuft aber verfällt dabei nahezu in Ohnmacht, da er nicht glaubt etwas daran ändern zu können. Ein Gefühl das mir persönlich gerade immer häufiger begegnet. Jeden Tag werden wir von neuen Nachrichten aus der Wirtschaft überflutet und wissen irgendwann nicht mehr wo oben und unten ist. Resignation ist da vermutlich ein häufiger Begleiter. Aber der Erzähler kommt zum Schluss: Er darf nicht resignieren. Da draußen muss es doch Leute geben, die seine Meinung teilen. Neue Erkenntnisse habe ich nicht gewinnen können, aber manchmal tut es auch gut, seine eigene Meinung und Gefühle in einer Geschichte wiederzufinden und auch den Kopf mal frei vom manchmal harten Alltag zu bekommen. Illustriert wurde das Heft wunderbar von Olga Prader. Zusätzlich enthalten ist ein Plakat und ein Lesezeichen. Ole Nymoen könnte euch als Autor, Journalist und Podcaster ebenfalls schon über den Weg gelaufen sein. Zuletzt zum Beispiel besonders für sein Buch über die Bundeswehr und den Wehrdienst.




