12. Mai
Neuer Einblick, schwieriger Schreibstil
Rating:3.5

Neuer Einblick, schwieriger Schreibstil

Anton lebt auf der Straße, hat kein Haus und besitzt 3000 Euro Schulden. Der früher aufstrebende Anwalt ist bis auf den tiefsten Grund hinabgestürzt und bewegt sich nun im Milleu der Unterschicht. Denise, eine alleinerziehende Kassiererin, welche sich einen Zuschuss mit einem Pornodreh erhofft, lernt den verlorenen Anton kennen und es bahnt sich eine interessante Liebesgeschichte an. Doch als Denise die Chance erhält, die 3000 Euro zu bekommen, fragt sie sich ob es die Liebe wert ist, ihr hart erkämpftes Geld für jemand anderen auszugeben. Thomas Melle zeigt mit seinem Roman eine Sichtweise, die oft von der Gesellschaft übersehen wird. Die Unterschicht, welche mit einem scheuen Wegsehen von den meisten Passanten nicht weiter beachtet wird, wird in seinem Roman zum Mittelpunkt der Handlung. Er schreit somit geradezu nach der Aufmerksamkeit dieser Gesellschaftsschicht. Besonders interessant wird das Buch wohl erst durch seinen Protagonisten, welcher eine Flucht vor der Realität sucht und am liebsten in seiner Vergangenheit lebt, in der er sich noch der Oberschicht zugehörig fühlte und keine Sorgen um sein Geld, Wohnort oder Essen machen musste. Anton ist somit ein Mensch, der sich innerhalb der Gesellschaft verloren hat und sich nirgendwo mehr zugehörig fühlt womit er eine Außenseiterrolle einnimmt. Diese bleibt auch im ganzen Roman vorhanden, sodass er sich selbst nicht mehr mit einer spezifischen Schicht identifizieren kann, da er sich selber keiner Gesellschaftsschicht zuordnet. Weniger ausgearbeitet ist die zweite Protagonistin Denise, welche als Kurzzeitige Liebhaberin von Anton fungiert. Ihre Charakterzüge sind eher zurückhaltender und nicht ganz so vielfältig, dennoch bietet sie eine interessante Grundlage. So besitzt Denise einen ausgeprägten Verfolgungswahn und lebt in ständiger Angst, als Pornodarstellerin aufgedeckt zu werden. Ebenso ist Sie überfordert mit ihrer Tochter, welche eine Leistungsschwäche besitzt. Man nicht sagen, dass zwischen Anton und Denise eine romantische Beziehung besteht, da diese sehr kurzlebig ist und auch nur innerhalb von zehn Tagen spielt. Es ist wohl mehr eine Bekanntschaft auf sexueller Ebene, die für beide Protagonisten jedoch einen bedeutenden Lebensabschnitt hinterließen. Der Schreibstil ist in diesem Roman sehr gewöhnungsbedürftig, da viel in Haupzsätzen geschrieben wird und es somit abgehackt klingt. Der Leser kommt in keinen Lesefluss, wodurch es anstrengender wird, der Handlung zu Folgen. Außerdem werden viele Fremdwörter benutzt, welche in einem starken Kontrast zu dem monotonen Schreibstil stehen, sodass man beim Lesen geradezu nur über die Sätze stolpert. Thomas Melle hat hiermit einen guten Einblick in die Gesellschaft gebracht, und auf Menschen aufmerksam gemacht, bei denen die Gesellschaft wegsieht. Es wurde detailliert eine Welt aufgebaut, die von Kurzlebigkeit und Unsichtbarkeit lebte und dem Leser somit die Augen öffnete. Jedoch werden teilweise auch Klischees benutzt wie die "arme" Kassiererin beim Penny um die Ecke, wodurch man wieder merkt, dass es sich eben doch nur um Fiktion handelt. Zusammenfassend ist es ein Gesellschaftsdrama, welches einen großen Teil der Menschen zeigt, der oft übersehen wird. Der Inhalt ist lesenswert und zeigt Einblicke, die sonst übergangen werden. Jedoch ist der Schreibstil nicht flüssig, wodurch es schwer ist, sich auf den sonst guten Inhalt zu konzentrieren.

3000 Euro
3000 Euroby Thomas MelleRowohlt Berlin
25. Aug.
Rating:5

Wenn Thomas Melle eins kann, dann ist es das Schreiben. Er besitzt eine ganz besondere Art mit Worten umzugehen und (seine) Geschichten zu erzählen. Nach "Die Welt im Rücken" hat mich auch diese Geschichte sehr berührt und auch traurig gemacht. Vielleicht, weil er so realistisch und echt erzählt, wer weiß... Ich hoffe jedenfalls, er bewahrt sich diese Gabe.

3000 Euro
3000 Euroby Thomas MelleRowohlt Berlin