
Wenn Märchen plötzlich wieder wild, frech und wunderschön werden
Dieses Buch hat mich kalt erwischt. Ich dachte, ich kenn die Märchen von Hans Christian Andersen in- und auswendig – von der Prinzessin auf der Erbse bis zum hässlichen Entlein (mit dem ich mich früher übrigens verdammt gut identifizieren konnte). Aber dann kommt Kat Menschik um die Ecke und macht aus diesen Klassikern ein echtes Kunstwerk, das mich beim Blättern grinsen, staunen und sogar sentimental werden lässt. Die Illustrationen? Ein Knaller. Ich hab selten erlebt, dass Bilder so viel Witz, Wärme und einen Hauch von schönem Grusel transportieren – ganz ohne Kitschalarm. Und Menschiks Farben? Die knallen einem förmlich ins Märchenhirn. Am meisten hat mich die Puppenspiel-Version von „Die Nachtigall“ überrascht. Wer denkt sich denn sowas aus? Aber genau das ist der Punkt: Dieses Buch nimmt sich selbst nicht zu ernst, ohne dabei die Magie der Andersen-Märchen zu verlieren. Es ist ein bisschen so, als würde man ein altes Lieblingslied in einer völlig abgefahrenen Coverversion hören – vertraut und doch völlig neu. Die Mischung aus Klassik und Menschik’scher Frechheit macht süchtig. Ich hab mich dabei ertappt, wie ich das Buch eigentlich nur kurz anschauen wollte und plötzlich eine Stunde später noch immer da saß, wie ein kleiner Junge auf Entdeckungsreise. Fazit: Wer Märchen liebt, bekommt hier kein langweiliges Nostalgiealbum, sondern ein Feuerwerk aus Bild und Wort, das alte Geschichten in neuem Glanz funkeln lässt. Kat Menschik hat es geschafft, Andersen nicht nur zu illustrieren, sondern ihm augenzwinkernd den Staub von den Schultern zu pusten. Pflichtlektüre für Märchenfreaks, Kunstliebhaber und alle, die sich gern mal wieder verzaubern lassen wollen.





